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Schockiert: Mahmoud, Mustafah und Abdul (v.l.).

Flüchtlinge sind entsetzt

Sex-Übergriffe in Köln: "Wir hassen, was die getan haben"

Dachau/Indersdorf - Die Kölner Silvesternacht mit den schrecklichen Übergriffen auf Frauen ist über zwei Wochen her - doch das Entsetzen ist immer noch groß. Auch bei Flüchtlingen.

Es gab mindestens zwei Vergewaltigungen, Hunderte Anzeigen von bestohlenen und bedrängten Frauen gingen bei der Polizei ein. Mittlerweile ist bekannt geworden, dass auch Flüchtlinge beteiligt gewesen sein sollen, die meisten aus Nordafrika.

Die Übergriffe in Köln bringen auch die syrischen Cousins Mustafa Khaluf (28), Mahmoud Albahah (27) und Abdul Wahed Albahah (21) aus der Containerunterkunft Indersdorf zum Schweigen: „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Denn ich kann es wirklich nicht glauben, was dort passiert ist, und bin sehr schockiert darüber“, sagt Mustafa Khaluf traurig auf Englisch. „Es ist unglaublich, dass sich so viele Leute daran beteiligt haben. Ich verurteile die Täter und hasse, was sie getan haben. Dafür sollen sie von der deutschen Justiz bestraft werden.“

Die drei jungen Syrer haben auch Angst, dass nun alle Flüchtlinge pauschal als kriminell eingestuft werden. „Wir schämen uns wirklich für die, die dort mitgemacht haben“, erklärt Mahmoud Albahah, ein gelernter Biomedizintechniker.

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Seit rund eineinhalb Jahren leben die drei Cousins in der Containerunterkunft in Indersdorf. Der 28-jährige Mustafa Khaluf hat in Syrien Biomedizintechnik studiert und nun eine Beschäftigung im Krankenhausmanagement in München gefunden. Sein Cousin Mahmoud Albahah hat vor der gemeinsamen Flucht acht Semester Medizin studiert und arbeitet jetzt als Aufsicht bei der Volkshochschule Dachau. Abdul Wahed Albahah konzentrierte sich im letzten Jahr aufs Deutsch lernen und besuchte fünfmal die Woche je fünf Stunden einen Deutschkurs. 

Nachdem er das Sprachlevel B1 erreicht hat, macht er heuer mit B2 weiter. Wenn die drei jungen Männer ihre Sprachkenntnisse weiter verbessern, könnten sie hier auch weiter studieren: „Das wollen wir!“ Mustafa Khaluf, Mahmoud Albahah und Abdul Wahed Albahah hoffen, dass sie auch weiterhin willkommen sind – trotz des wachsenden Unmuts gegen Asylbewerber. Sie sind auf der Suche nach einer neuen Bleibe.

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