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Reichenhaller Volkstheater in Ried

Nicht jedermanns Geschmack

Indersdorf - Die Indersdorfer sind theatertechnisch verwöhnt. Zumindest, was die Qualität der Gruppen betrifft. Gastspiele werden da natürlich genau unter die Lupe genommen und begeistern nicht immer. So auch der Auftritt des Reichenhaller Volkstheaters.

 

In der Gemeinde Indersdorf gibt es insgesamt fünf Theatervereine und -gruppen. Beim Neujahrsempfang wurden sie erst kürzlich von Bürgermeister Franz Obesser für ihr ehrenamtliches Engagement geehrt. Es gibt aber auch immer wieder Gastspiele anderer Schauspielkünstler. Kürzlich gastierte das Reichenhaller Volkstheater im Saal des Gasthauses Doll in Ried.

Gewissermaßen im Rahmen des Bayerischen Reinheitsgebotes, das heuer sein 500 jähriges Bestehen feiert, brachte das Ensemble das Stück „Engel Aloisius – zefix Halleluja“ auf die Bühne. Die Satire nach der Novelle von Ludwig Thoma „Ein Münchner im Himmel“ wurde von der Gruppe erstmals als Theaterstück inszeniert. Angekündigt wurde es unter anderem als „Die frechste Komödie seit es den Himmel gibt“ und als „Himmlisches Kabarett-Theater“. Doch so eine Ankündigung hält nicht immer, was sie verspricht.

Die meisten Besucher im Saal kannten sicher das Original „Ein Münchner im Himmel“. Was sie dann hier zu sehen bekamen, war für manche von Anfang bis zum Schluss eher nicht ganz klar: War es nun noch Theater oder schon Kabarett – oder umgekehrt: „Des is für a Fünferl a Durcheinander“ war von einem Zuschauer zu hören.

Es war einfach alles ein bisschen anders als das, was Zuschauer allgemein von einem solchen Abend erwarten. In der Hauptrolle war Toni Palser, der mit seiner deftigen Art besonders die bayerische Staatsregierung und die Preißn aufs Korn nahm. Als Petrus wies ihn Sigi Amberger immer wieder in die Schranken. So dass er doch zu frohlocken begann, auch wenn ihm ein Bier statt ein Manna im Himmel viel lieber gewesen wäre.

Fast schon wehmütig wurde es, wenn man nicht hätte lachen müssen, als der Engel als Dienstmann für kurze Zeit ins Hofbräuhaus zurückkehren durfte, dort seine alte Bedienung Liesl (Birgit Brill) traf, für die er mal die große Liebe war. Es war vieles drin in der mit deftigen Disputs und manchem Durcheinander gerade so gespickten Darbietung. Sogar Franz-Josef-Strauß kam mit „Originalstimme“ zur Einspielung.

Als der Engel Aloisius dann sah, dass in der ersten Reihe im Publikum im Jubiläumsjahr des Bayerischen Reinheitsgebots jemand ein Wasser trank, war es für ihn ganz aus: „Des miassn de Franken braut hom“.

„Himmlisches Kabarett-Theater“ – nach den Gesichtern der Besucher zu urteilen, konnte sich ein Großteil nicht so recht mit dem Stück anfreunden. Teilweise wurde sogar etwas ungläubig zum Nachbarn geschaut, als auf der Bühne etwa manche Kurzpassagen auch noch wiederholt wurden.

Es war Kabarett auf die etwas andere Art. Auch deshalb, weil von den Mitwirkenden sogar die Bühnenbilder kurzerhand vor dem Augen der Gäste selbst umgestaltet wurden.

Eine Dame am Tisch: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“. Und sollten die Botschaften aus dem Stück bei der Bayerischen Staatsregierung bisher noch nicht angekommen sein, dann hat man dort auch sicher nicht viel versäumt.

Dafür wurde den Besuchern zum Schluss noch aus einem besonders langen Schriftstück das Bayerische Reinheitsgebot vorgelesen. Zwar interessant, aber halt auch ein bisschen lang. Aber sonst: Es war halt ein etwas anderer Humor, der den Besuchern an diesem Abend geboten wurde. Manchen hat es gefallen, manchen nicht.

Für eine Ehrung im Indersdorfer Rathaus wird es vermutlich nicht gereicht haben. Aber die ist ja auch nur für einheimische Laienschauspieler vorgesehen, trotz aller „göttlichen Eingebungen“.

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