Beeindruckend in der Hauptfigur des Wanderers ist Merit Ostermann, im Hintergrund rechts Henny Lock-Ostermann, Verfasserin und Sprecherin der Texte. Foto: HAB

Auf der Reise zu sich selbst

Dachau - Ein berührendes Märchenstück mit Musik und viel Gesang führte die bühnenerfahrene Familie Ostermann aus Dachau mit ihren Musikfreunden im Thomahaus auf: Es war die Geschichte eines rastlosen Wanderers auf der Suche zu sich selbst.

Henny Lock-Ostermann hat den armen Wanderer (Merit Ostermann) durch die Jahrhunderte und viele Länder geschickt - und dabei unter Einsatz weiterer Gesangssolisten und eines engagierten Chors sowie versierten Instrumentalisten und unter der Leitung von Michael Ostermann (am Klavier) viele bekannte und eigene Lieder zum Klingen gebracht. Das Repertoire reichte vom italienischen und schwäbischen Volkslied über Lieder von Brahms und Schubert bis hin zum Liederzyklus von M. de Falla, einschließlich zweier Eigenkompositionen von Michael Ostermann. Die Mitglieder des Chores fungierten zugleich als Statisten, denen Henny Lock-Ostermann ihre Stimme lieh.

In ihrem eigenen Märchenstück übernahm Henny Lock-Ostermann die Rolle der Sprecherin: Nicht statisch sondern ständig in Bewegung und als Verknüpfungspunkt aller Aktionen. Mit blumigen Worten beschrieb sie als Erzählerin die Handlung, um gleich darauf in breiter bayerischer Mundart einzelne Bürger Weidenbachs zu Wort kommen zu lassen. Dort nämlich trifft ein müder, wortkarger Wanderer ein. Er platzt mitten in die Vorbereitungen für das Frühlingsfest. Die Menschen freuen sich, was der Chor mit dem Lied „L’inverno é passato“ (Der Winter ist vergangen) besingt. „Das bucklige Männlein“ und die Canzone del poveretto (Lied des armen Mannes) reflektieren, wie die Ankunft des Fremden auf die Dörfler wirkt. Merit Ostermann geht in der Hauptfigur des Wanderers förmlich auf, sie trägt nicht nur Hosen und derbes Schuhwerk, ihre Haltung und ihre Gestik sind männlich-geprägt. Die Zerrissenheit des Wanderers, seinen traumatisierten Seelenzustand kann sie als Hauptfigur des Bühnenstückes überzeugend vermitteln. Mit ihrem ausdrucksstarken Gesang wird jeder gesprochene Dialog überflüssig. Und Schuberts Lied vom Lindenbaum erhält dramaturgischen Wert.

Dass Merit Ostermann nicht zwangsweise in Hosenrollen schlüpfen muss, beweist sie im fortgeschrittenen Teil der Handlung. Als der Wanderer auf seinen Irrwegen fast durch ganz Europa zuletzt in Spanien ankommt. In einem Konzert hört er die renommierte Künstlerin „La Mella“ singen, in schwarz-roter Robe verkörpert von Merit Ostermann. Als temperamentvolle Spanierin, die den Wanderer auf den rechten Weg zu sich selbst bringt, tritt die mit ihrer Geige Ruth-Maria Ostermann, die jüngere Schwester, in Erscheinung. Sie brilliert im Duett mit dem Wanderer und gibt zusammen mit dem Gitarristen Stefan Kaffatos der Spanien-Szene farbige Fröhlichkeit. Als Gesangssolistin beeindruckt auch Carina Ellerhoff, die im Duett mit Merit Ostermann zu hören ist, allein und zusammen mit Annette Thomas. Die Tenöre Norbert Hailer und Robert Strauss glänzen als männliche Solisten.

Weit mehr als nur Begleitung oder musikalischer Rahmen war der Beitrag der Instrumentalisten - neben den bereits erwähnten Helmut Krüger (Klarinette), Christina Fritsch (Akkordeon), Melanie Ahner-Kraus (Cello), Angelika Bretl (Kontrabass).

Der szenische Liederabend entstand aus der Privatinitiative der Familie Ostermann und verdient ob der hohen Qualität und des erforderlichen Engagements höchste Anerkennung. Der kräftige Abschlussbeifall war hochverdient und die Forderung nach Zugaben widerspiegelte die Begeisterung des Publikums. (don)

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