Hier planschten vor 60 Jahren Indersdorfer Burschen: Im ehemaligen so genannten Bubenbad im Rothbach. Die Betongeländer an dem kleinen Wehr sind heute noch zu sehen, das Bad ist längst vergessen.  Die Karte auf der linken Seite zeigt den Bereich, in dem sich das frühere Bubenbad befindet. Eingezeichnet sind der Lidl im Gewerbege biet und die Siedlung Eisfeld.

Renaturierungsmaßnahme in Indersdorf

Das vergessene Bubenbad 

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Vor 60 Jahren planschten hier die Indersdorfer Burschen. Aber bitteschön nur die Burschen. Doch das Bubenbad ist längst in Vergessenheit geraten. Jetzt bekommt es wieder Aufmerksamkeit: Der Bereich wird renaturiert. Ein Gewinn für Mensch und Natur.

Indersdorf – Mensch, das waren noch Sommer! Also zumindest für die Burschen aus Kloster Indersdorf. Den Schmiedweg bei der alten Klostermauer runterlaufen, übers Brückerl Richtung Karpfhofen und dann, am Rothbach entlang, zum Planschen im Bubenbad. Bubenbad? Der Ort, an dem sich vor 60 Jahren Indersdorfer Burschen ihre Sommer versüßten, ist heute fast vergessen. Doch jetzt bekommt er neue Aufmerksamkeit, die Gemeinde lässt den Bereich im Rothbach renaturieren.

Jetzt soll der Bereich renaturiert werden. Der Rothbach bekommt ein Umgehungsgewässer. Eine Mittelinsel entsteht und Flussbausteine werden in den Bach gesetzt

Einer, der hier als Bub dauernd mit seinen Kumpels ins Wasser gehüpft ist, ist der Indersdorfer Alwin Breitenberger. Damals, in den 50er Jahren gab’s ein Mädchenbad (auch im Rothbach, eher im Bereich unterhalb der Realschule) und das so genannte „Buamabad“. Es war einfach so Sitte, dass die Geschlechter hier getrennt zum Baden gingen. Die Burschen waren ohnehin waghalsiger drauf. „Wir haben den Bach immer mit Steinen und Gras aufgestaut, dann hatten wir ein wunderbares Bad“, sagt Breitenberger. Denn bei ihrem Bad gibt’s zwei kleine Gefälle, zwei Betonbrüstungen auf jeder Seite, und, was die Stelle fürs Baden so toll gemacht hat: eine glatte Betonplatte am Boden im Wasser. „Das war der perfekte Platz zum Baden.“ Aufgestaut war der Bach dann statt 40 Zentimetern gleich mal einen Meter tief. „Klar, dass wir da reingesprungen sind – die Waghalsigen von oben von der Brüstung“, erinnert sich Breitenberger. „Natürlich nur mit unserer speziellen Flachtechnik, damit sich keiner den Kopf aufschlägt.“ Mehr als mal einen blutigen Zeh gab’s nicht. Zum Sonnen lagen die Burschen auf Decken auf Steinplatten am Ufer. „Optimaler ging’s nicht!“

Die Betonbrüstungen am Flussufer und die Platte im Boden gibt es heute noch. Sie sind das Einzige, was an den Badespaß aus der Vergangenheit erinnert – zumindest noch. Jetzt wird der Bereich neu gestaltet. Landschaftsarchitekt Frank Karrer vom Dachauer Planungsbüro TOPgrün erklärt das Konzept der Renaturierungsmaßnahme: Der Rothbach bekommt an der Stelle ein Umgehungsgewässer, also einen kleinen Seitenarm, der einen Bogen um das alte Wehr macht. Eine Mittelinsel entsteht. Bei der Maßnahme wird neuer Lebensraum für Pflanzen und Tiere geschaffen. „Flussbausteine sollen die Fließgeschwindigkeit verändern und durch Verwirbelungen das Wasser mit Sauerstoff anreichern“, erklärt Karrer.

Die Karte zeigt den Bereich, in dem sich das frühere Bubenbad befindet. Eingezeichnet sind der Lidl im Gewerbegebiet und die Siedlung Eisfeld

„Vornehmlich soll das Projekt dem naturschutzrechtlichen Ausgleich für andere Bauprojekte dienen, weniger der Erholung. Doch vielleicht können wir ja beides ein bisschen kombinieren.“ An manchen Stellen sollen die Leute zum Beispiel am Wasser sitzen können. An die früheren Planschtage erinnern dann nur noch die Betonplatte im Boden und Reste von den beiden Brüstungen. Die sollen nämlich bodeneben gemacht werden. „Den Beton ganz rauszunehmen, wäre zu teuer“, sagt Karrer. Der Landschaftsarchitekt rechnet mit Kosten von rund 35 000 Euro für die Gemeinde.

Die Gemeinde schafft mit dem Projekt einen ökologischen Ausgleich zum Beispiel für den Bau des Kreisverkehrs beim Gasthof Funk und Teile des neuen Bauhofs. Grundlage für die Planungen ist das Entwicklungskonzept für Gewässer III. Ordnung des Marktes Markt Indersdorf und das gemeindeübergreifende Umsetzungskonzept „Nebenbäche der Glonn“.

Für die aktuellen Planungen hat das Büro mit Indersdorfs Gewässerexperten Günter Schön, der Unteren Naturschutzbehörde und dem Landschaftspflegeverband Dachau zusammengearbeitet. Das Konzept wurde mit den betroffenen Verbänden und Bürgern vorbesprochen.

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