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Hans-Christian Stubbe hält die Vereinsgeschichte in einer Chronik fest. Bald ist die Kameradschaft wohl selbst Geschichte. 

Letztmals Teilnahme am Volkstrauertag

Reservisten geben wohl auf

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Die Dachauer Reservistenkameradschaft muss sich wahrscheinlich auflösen. Ihre Aufgabe: Die Mitglieder wollen an die Katastrophen der Weltkriege und deren Opfer erinnern. Doch die jungen Leute haben offenbar kein Interesse daran.

Dachau – Donald Trump droht Nordkorea mit Raketenangriffen, in Syrien werden Zivilisten bei Luftangriffen getötet, und Millionen von Menschen sind auf der Flucht. Die Weltpolitik ist am Brodeln, der Krieg allgegenwärtig. Diesen Sonntag ist Volkstrauertag, dabei wird an Kriegsopfer aller Nationen gedacht. Auch die Einser-Gebirgsjäger und Reservistenkameradschaft Dachau beteiligt sich am Gedenken in der Altstadt mit einer Fahnenabordnung und Böllerschützen. Es ist wohl das letzte Mal, wie die Reservistenkameradschaft in einem Brief an den Oberbürgermeister schreibt.

Kameradschaft will sich bis 2021 auflösen

Darin steht: „Wir möchten Ihnen rechtzeitig mitteilen, dass unsere Einser-Gebirgsjäger und Reservistenkameradschaft Dachau die Gedenkfeier anlässlich des Volkstrauertages letzmalig ausrichten wird.“ Bis zum 100-jährigen Vereinsjubiläum im Jahr 2021 will sich die Dachauer Reservistenkameradschaft wahrscheinlich auflösen.

Es ist ein allgemeiner Trend in Bayern: Die Teilnehmer an den beiden Weltkriegen sterben, die Wehrpflicht ist ausgesetzt, die Veteranenvereine kämpfen ums Überleben – obwohl ihre Ziele aktueller denn je sind. 

Was sind die Ziele der Reservisten?

Die Mitglieder der Dachauer Reservistenkameradschaft um Schriftführer Hans-Christian Stubbe nimmt an Gedenkfeiern teil, sie geben der stillen Andacht mit ihren Fahnen und den Böllerschützen einen festlichen Rahmen. Ihr Hauptanliegen: Einen Krieg darf es nie mehr geben, deshalb wollen sie an gefallene und vermisste Soldaten erinnern.

Zur Völkerverständigung pflegt der Dachauer Verein Freundschaften zu Reservistenkameradschaften aus der Partnerstadt in Klagenfurt oder Lana in Südtirol. Außerdem kämpfen die Reservisten gegen das Vergessen: Hans-Christian Stubbe hat eine Vereinschronik geschrieben, außerdem recherchiert er zu verstorbenen Soldaten aus Dachau: Wo waren sie unterwegs? Wo kamen sie im Krieg um? Doch das hat möglicherweise alles bald ein Ende.

In einem Jahr sank die Mitgliederzahl von 84 auf 56 Mitglieder

Die Reservistenkameradschaft hat heute noch rund 25 Mitglieder, zehn sind noch aktiv, sagt Stubbe. 1921 hat sich der Verein gegründet, noch vor 22 Jahren hatte er 84 Mitglieder. Ein Jahr später, 1996, sank die Mitgliederzahl rapide auf 56. Seither geht es kontinuierlich bergab. Hans-Christian Stubbe findet das schade, aber es sei ein allgemeiner Trend: „Die Sport- und Schützenvereine haben doch heute alle das gleiche Problem wie wir.“ 

Stubbe: „Es ist einfach wahnsinnig schwer, Nachwuchs zu bekommen“

Die Mitgliederzahlen sinken und die Vereine ringen um Funktionsträger: „Niemand will noch ein Amt übernehmen.“ Ein weiteres Problem: Den Wehrdienst gibt es seit rund sechs Jahren nicht mehr. Stubbe hat selbst beim Grenzschutz gearbeitet: „Früher waren die Wehrdienstleistenden unser Nachwuchs.“ Seit einigen Jahren kommt aber niemand mehr nach. Das hundertjährige Jubiläum will der Verein noch feiern: „Doch der Trend geht dahin, sich danach aufzulösen.“

Denn das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei rund 62 Jahren, mit Georg Hefele ist der letzte aktive Kriegsteilnehmer im vergangenen Jahr gestorben. Seit einigen Jahren dürfen auch Frauen der Reservistenkameradschaft beitreten, aber: „Es ist einfach wahnsinnig schwer, Nachwuchs zu bekommen“, sagt Stubbe. Ob das Gedenken am Volkstrauertag so wie heuer weitergeführt wird, das weiß er nicht.

Gegen das Vergessen

Die Einser-Gebirgsjäger und Reservistenkameradschaft sucht Nachwuchs und trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat um 19.30 Uhr im Drei Rosen.

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