Direkt bei der Rohrpost: (v.l.) Christine Bergmann, organisatorische Leiterin, Malgorzata Perz, Teamassistentin, und Alina Brandt, leitende MTA, an dem Platz, an dem die Proben aus der Klinik ankommen. fotos: np

Welttag des Labors

Sie retten Leben hinterm Mikroskop

Die Arbeit im Labor: Grau, steril, langweilig? Nix da. Das „Synlab“ in Dachau zeigt am morgigen Welttag des Labors, wie spannend die Arbeit dort ist: Es geht um Genauigkeit, Schnelligkeit – und um Leben und Tod.

Seit 2007 ist das Synlab in Dachau, zuvor war es in der Münchner Sonnenstraße gewesen. Hier in Dachau hat Synlab das Krankenhauslabor übernommen. Das heißt: Das Synlab untersucht sämtliche Proben, die die Ärzte im Krankenhaus brauchen, Tag und Nacht, 24 Stunden rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, Blut, Urin und Stuhl. Dazu kommen die Proben für niedergelassene Ärzte und auch für das Dachauer MVZ, da kommen tagsüber locker 2000 Proben zusammen. „Wir haben immer zu tun“, sagt Christine Bergmann, organisatorische Leiterin des Dachauer Synlab. Am morgigen Welttag des Labors öffnet das Synlab seine Türen: Zwischen 11 und 15 Uhr können Besucher das Labor begutachten.

Insgesamt arbeiten mehr als 30 Personen dort, nur perfekt ausgebildetes Personal, MTAs und Biologen. Im Schichtdienst, ähnlich wie im Krankenhaus. Jede Nacht ist dort eine Person im Dienst, und zwar nicht in Bereitschaft. Der- oder diejenige arbeitet die ganze Nacht durch: wartet und pflegt alle Geräte, damit die für den nächsten Tag wieder tiptop bereit stehen – und bearbeitet die Notfallproben aus dem MVZ und dem Krankenhaus.

Denn gerade im Krankenhaus geht es nachts um Leben und Tod. Zum Beispiel: Ein Opfer eines Verkehrsunfalls kommt in die Notaufnahme. Der Arzt weiß: Der Patient muss operiert werden, es kann sein, dass Blutkonserven benötigt werden. Und zwar die exakt passenden. Da hilft leider kein Blutspendeausweis, die Blutgruppe muss jedes Mal neu getestet werden, und zwar doppelt und dreifach. Das ist nötig, weil es für den Körper essentiell ist, welches Blut hineingepumpt wird: Bekommt er das falsche Blut, kann der Patient sterben.

Den Vergleich mit einem Dieselmotor, den man mit Benzin betankt, hört Alina Brandt nicht so gerne. „Aber so ähnlich ist es“, sagt sie dann. Sie ist die leitende MTA im Synlab Dachau. MTA, das heißt medizinisch-technische Assistentin. „Ich assistiere den Geräten“, erklärt Alina Brandt und lacht. Wenn sie nachts Dienst hat, bekommt sie die Proben vom Krankenhaus geschickt – per Rohrpost. Dazu klingelt meist das Telefon, das Krankenhaus, meist heißt es: Bitte dringend die Probe bearbeiten. Alina Brandt arbeitet dann mit ihren Geräten zusammen. Sie bestimmt die Blutgruppe: Sie kreuzt das Blut mit den Antikörpern A, B und AB. Dort, wo sich Klümpchen bilden, ist klar: Das ist nicht die richtige Blutgruppe. Dann kommt die Gegenprobe: Zum Plasma des Patienten werden Erythrozyten, die roten Blutkörperchen, der vermutet richtigen Blutprobe dazu gegeben – und hoffentlich klumpt es dann wieder nicht. Dann werden die passenden Blutkonserven herausgesucht und bereit gehalten. Die MTA hat also darüber entschieden, welches Blut der Patient erhält – nochmal überprüft wird das Ergebnis aber zum dritten Mal direkt vom Arzt, kurz vor der Bluttransfusion, direkt am Bett, „Bedside-Test“ wird er genannt. Damit wird auch das Vertauschen der Patienten oder der Konserven ausgeschlossen.

Hört sich spannend an? Offenbar nicht für den Nachwuchs. „Die jungen Leute hören, das ist Schichtarbeit, dann wollen sie schon gar nicht“, sagt Bergmann. Aber jeder zählt darauf, dass jemand im Labor die Proben bearbeitet, wenn er selbst auf dem OP-Tisch liegt. Doch um MTA zu werden, muss man drei Jahre auf eine Schule gehen und das Ganze auch noch privat bezahlen. „Deswegen gibt es kaum noch welche“, seufzt Christine Bergmann. Gutes Personal zu finden, ist also schwierig – deswegen sind auch immer mehr Biologen im Labor tätig.

Auf jeden Fall: engagierte Leute. „Ich mache es aus Leidenschaft“, sagt Alina Brandt. „Jeder Tag ist anders.“ Man rettet Leben. Und man ist hautnah dabei, sieht, wie sich die Medizin verändert, wie die Forschung immer weiter geht. Wie man immer mehr aus einer Blutprobe herauslesen kann, zum Beispiel. Immer genauer Diagnosen schon im Urin ablesen kann. Und so: Krankheiten früh erkennt. Leben rettet.

Tag der offenen Tür

Das Synlab in Dachau im 1. Stock in der Hochstraße 27, direkt neben dem Klinikum, ist am morgigen Samstag von 11 bis 15 Uhr für Besucher geöffnet. Es finden Laborführungen statt, und Experten erklären die Geräte.

Nina Praun

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