Rehkitz in Karton
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Eines der sechs geretteten Rehkitze: Das Tier wurde mit der Drohne, die mit einer Wärmebildkamera ausgestattet ist, aufgespürt und so gerettet.

Damit Rehkitze am leben bleiben

Drohnen, die Rettung aus der Luft

  • Nikola Obermeier
    vonNikola Obermeier
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Die ersten Wiesen werden nun gemäht. Landwirte und Jäger unternehmen gemeinsam große Anstrengungen, um die Rehkitze vor der Mahd zu finden. Sechs Leben konnten so in Kleinberghofen gerettet werden. Umso trauriger ist es natürlich, wenn ein von Hunden getötetes Rehkitz gefunden wird, wie am vergangenen Freitag in Hebertshausen.

VON KLAUS RABL UND NIKOLA OBERMEIER

Grausamer Fund: Das Rehkitz, vermutlich von Hundebissen getötet, fand Roland Gruber aus Hebertshausen.

Kleinberghofen/Hebertshausen – Es lag in einem Grünstreifen am Waldrand, nahe des Sportheims Hebertshausen: ein totes Rehkitz, das an der Kehle offenbar von Hundebissen schwer verletzt wurde. Roland Gruber, der als Jäger einen Begehungsschein für das Revier hat, fand bereits vor rund einem Monat ein von Hunden getötetes Reh. Er appelliert nun an die Hundebesitzer, ihre Tiere in der freien Natur an die Leine zu nehmen, um den Rehnachwuchs zu schützen. Dabei sind Jäger und Landwirte derzeit bemüht, die Rehkitze zu retten: vor dem Tod durch die Mahd. Besonders erfolgreich sind seit kurzem Drohnen im Einsatz. In Kleinberghofen wurden auf diese Art und Weise an einem Morgen sechs Rehkitze gerettet.

Rehe ziehen ihre Jungen in Wiesen auf, „etwa 30 bis 40 Meter vom Waldrand entfernt“, berichtet Engelbert Thätter, Schriftführer des Jagdschutz- und Jägervereins Dachau. „Das ist ihr Urinstinkt.“ Die Hauptsetzzeit ist Mitte April bis Mitte Juli, wobei die Hälfte der Rehkitze bis Ende Mai gesetzt ist. Die Ricke, das weibliche Reh, hat laut Thätter meist ein bis drei Kitze, die nicht beieinander bleiben, sondern ein paar Meter verteilt im Gras liegen, „um einen Zufallsfund etwa durch einen Fuchs zu vermeiden“, so Thätter. Der Drückinstinkt schützt das kleine Reh vor Gefahren: Das Kitz presst sich dabei flach auf den Boden und bewegt sich nicht mehr. Dieses Verhalten dauert laut Thätter etwa zwei bis drei Wochen lang, danach seien die Kitze so selbstständig, dass sie flüchten können.

Allerdings ist eine Flucht vor einem modernen Bulldog mit Schmetterlingsmähwerk für ein Rehkitz sehr schwierig. „Das Mähwerk hat eine Spannweite von 10, 12 oder 15 Metern und fliegt über die Wiesen“, so Thätter. Die Gefahr für die Rehkitze sei aufgrund dieser Geräte heutzutage größer als früher. Daher helfe es zum einen, wenn die Landwirte von innen nach außen mähen, da das Rehkitz so Stück für Stück dem rettenden Wald näherkommen könne. Und zum anderen arbeiten viele Landwirte mit den Jagdausübungsberechtigten zusammen, um die Rehkitze vor der Mahd zu retten. Eine Möglichkeit sei es, einen Tag vor der Mahd Scheuchen am Feld anzubringen. „Für das Reh birgt etwas Ungewohntes eine Gefahr, so dass die Rehgeiß ihre Jungen wegführt“, so Thätter. Das Abgehen der Felder vor der Mahd sei eine der aktiven Methoden. Und neuerdings seien Drohnen, zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt, eine sehr erfolgreiche Methode.

Das kann Andreas Höchtl, Jagdpächter in Kleinberghofen, bestätigen: „Sechs Rehkitze haben wir letzte Woche aus den Wiesen gerettet“, berichtet Höchtl. Der Landwirt, dessen Flächen gemäht wurden, hatte einen Drohnenpiloten organisiert, spezialisiert auf die Kitzrettung. Die Kitze wurden mit einer Wärmebildkamera aufgespürt. Für Andreas Höchtl war diese Aktion „ein cooles Erlebnis“. Alexander Striebel aus dem Augsburger Raum, Eigentümer und Pilot der Drohne, leitete Andreas Höchtl und seinen Vater Georg Höchtl genau zu den Rehkitzen im Gras. „Wir haben sie dann in einem Karton rausgetragen und in ein Getreidefeld oder eine Wiese daneben gelegt“, berichtet Andreas Höchtl. „Die Rieken haben uns dabei zugeschaut.“

Alexander Striebel ist seit vier Jahren im Einsatz für die Rehkitze – ehrenamtlich, er verlangt lediglich Spritgeld und ein Trinkgeld. In diesem Jahr hat er mit seinen Drohnen – inzwischen hat er zwei – etwa 55 bis 60 Rehkitze auf einer Fläche von 500 bis 600 Hektar gerettet. Die Drohne fliegt in rund 100 Meter Höhe, er schafft einen Hektar in zwei bis drei Minuten. Wichtig ist die Einsatzzeit: frühmorgens, wenn der Temperaturunterschied zwischen Gras und Tier noch möglichst groß ist.

Im Revier in Hebertshausen wurden vergangene Woche auch Rehkitze gerettet. Umso dringender der Appell von Roland Gruber an die Hundebesitzer, auf ihre Vierbeiner zu achten, dass sie nicht wildern. „Und wenn doch ein Hund wegkommt, soll man sich nicht scheuen, den Jäger zu informieren, dass der Hund wildert“, so Gruber. Wenn der Jäger Bescheid weiß, kann er die Augen offenhalten und mithelfen bei der Suche. „Und ich kenne keinen Jäger, der einen Hund erschießen würde. Der Hund ist ein Familienmitglied, ich würde nie einen Hund erschießen.“

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