Karlsruhe erlaubt G20-Protestcamp - aber stark eingeschränkt

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Umstrittene Rodungen an der Bahntrasse

Karlsfelder Gemeinderat auf dem Bagger

Karlsfeld - Auf einem Grundstück an der Bahn fanden Rodungs- und Planierungsarbeiten statt, die das Landratsamt Dachau stoppte (wir berichteten). Dagegen klagt nun der Grundstückseigentümer – und bestätigt, dass damals auf dem Bagger ein Karlsfelder Gemeinderat saß.

Er habe nur Gutes tun wollen für Flüchtlinge aus der Karlsfelder Traglufthalle, sagt Markus Fleischmann. „Und das fällt jetzt der Bürokratie zum Opfer.“

Der heute 48-Jährige stammt aus Karlsfeld, lebt aber seit Jahren in Passau. „Privatier und Firmeninhaber“ antwortet er auf die Frage nach dem Beruf. Vor einigen Monaten erwarb Fleischmann von der Deutschen Bahn eine Fläche von rund 42 000 Quadratmetern in der Nähe des Karlsfelder S-Bahnhofs. Auf rund 35 000 Quadratmetern davon steht eine Kleingartenanlage, sie liegt direkt an der Bahntrasse.

Auf einem Teilstück des erworbenen Areals, östlich der Bahnstrecke und südlich direkt angrenzend an die Kleingartenanlage, habe er weitere Kleingartenparzellen errichten wollen, sagt Fleischmann. Diese habe er Flüchtlingen aus der Karlsfelder Traglufthalle zur Verfügung stellen wollen, und für „zu einen symbolischen Betrag von einem Euro“.

Die vorbereitenden Arbeiten samt der Beseitigung von Pflanzen sind nach Ansicht Fleischmanns genehmigungsfrei. Dies gelte sogar für Gartenlauben bis 24 Quadratmeter Größe, die auf den Parzellen hätten errichtet werden können.

Die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt ist völlig anderer Auffassung. Sie schickte Fleischmann einen Bescheid und verfügte die sofortige Einstellung aller Arbeiten. Fleischmann hat einen Anwalt eingeschaltet und will klagen.

Nach Ansicht des Landratsamtes „liegt ein Eingriff in Natur und Landschaft“ vor, wie es Pressesprecher Wolfgang Reichelt formuliert. Fleischmann habe zwar Recht mit der Feststellung, dass es sich nicht um ein Biotop handle. Trotzdem sei die Fläche vor allem als Lebensraum für Insekten und Kleintiere „ökologisch sehr wertvoll“, was auch im Flächennutzungsplan eingetragen sei. Rodungen und Bodenabtragungen im größeren Stil seien nicht zulässig. Reichelt: „Es dürfen keine vollendeten Tatsachen geschaffen werden.“

Markus Fleischmann sagt, dass er mehrere Drohbriefe eines Anwohners erhalten habe, der keine Flüchtlinge in der Nachbarschaft haben wolle. „Da steckt Rassismus dahinter.“ Er stelle sich die Frage, so Fleischmann, ob das Landratsamt erst wegen dieser Proteste tätig geworden sein könnte. Die Drohbriefe des Anwohners seien nachweislich auch an die Behörde gegangen.

Die umstrittenen Arbeiten auf dem Grundstück haben vor allem Flüchtlinge ausgeführt, räumt Fleischmann ein. Und ein „Freund aus alten Karlsfelder Tagen“: Andreas Turner, der den Kleinbagger gefahren habe und dessen Idee es auch gewesen sei, die Gartenparzellen für die Flüchtlinge anzulegen. Andreas Turner sitzt seit 2014 für das Bündnis für Karlsfeld im Gemeinderat.

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