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Rund 130 Besucher wollten sich im Haus der Vereine über die Planung der Röhrmooser Ortsmitte informieren.

Doppelhäuser, Wohnungen, Supermarkt

Neue Planung für Röhrmoos Mitte

Röhrmoos – Viele der 130 Besucher im Haus der Vereine hatten noch die Traumplanung von 2014 für Röhrmoos-Mitte vor Augen, doch die Realität sieht nun doch anders aus.

Von den damals propagierten Straßencafés, einem Kreisverkehr, der den Verkehr ruhiger machen soll, und einem Haus für Betreutes Wohnen sieht das Bebauungskonzept, das sich nun auch nicht mehr „Röhrmoos Mitte“ sondern „Röhrmoos Am Bücherlweiher“ nennt, nichts mehr vor.

Was vom alten Konzept geblieben ist, ist ein Supermarkt hinter dem Rathaus und eine äußerst dichte Wohnbebauung. Es geht auch nur noch um das Gebiet östlich des Rathauses und nördlich der DAH 3. Auf der Weinsteiger-Seite sieht das neue Konzept nichts mehr vor.

Bürgermeister Dieter Kugler zeigte den Röhrmoosern auf, dass es zwar einen städtebaulichen Vertrag mit den Eigentümern gab, der aber keine öffentliche Bindung zuließ. Nun soll möglichst bald im Gemeinderat ein Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan gefasst werden. Das bisherige Konzept sei nicht durchführbar gewesen.

„Der Plan von damals ist hinfällig“, so der Bürgermeister mit dem Hinweis, dass es nach der alten Planung auch kein Einheimischen-Modell gegeben hätte. Allein von den Kosten her sei das alte Konzept gescheitert, denn spätestens als bekannt wurde, dass sich weder der Landkreis noch der Freistaat an den immens hohen Kosten für den Kreisel beteiligen werde, war dem Gemeinderat klar, dass dieser Weg nicht weiterführt. Auch die Kosten für die vorgesehene Schließung der Bahnhofstraße hätte die Gemeinde alleine nicht schultern können.

Spätestens mit dem Grundstückstausch mit der Sparkasse sei ein neues Konzept erforderlich geworden. Das neue Konzept sei nun eine weitsichtige Lösung mit dem Supermarkt, und die Gemeinde könne nun sicher sein, dass sie Altlasten im Bereich der früheren Ziegelei nicht mehr berühren werden, weil dieses Gebiet nun einzig und allein die Grundeigentümer betrifft. Eine Grundwassergefährdung habe es hier aber ohnehin noch nie gegeben.

Kugler erklärte, dass der Gemeinderat über die vielen Monate hinweg nicht untätig war. Schon seit 2014 habe man an der Anpassung des städtebaulichen Vertrags gearbeitet.

Unter Berücksichtigung der Eigentümerverhältnisse soll es zwischen Rathaus und Bücherlweiher eine völlig neue Verkehrsführung geben. Die Wohnbebauung soll nach Norden hin unter Berücksichtigung des Einheimischen-Modells erweitert werden. Im Gegensatz zum alten Konzept sei nun eine klare Kostentrennung zwischen Gemeinde und Eigentümergemeinschaft möglich.

Nicht zu übersehen im neuen Konzept ist der erweiterte Mehrgeschoss-Wohnbau und ein sich gut einfügender Supermarkt mit 80 Stellplätzen hinter dem Rathaus. Der Supermarkt und das Wohnbaugebiet können mit einer Linksabbiegespur über die Kreisstraße erreicht werden. Die Planung bietet auch weitere Parkplätze für den Kindergarten und einen Fußweg zum Kindergarten an.

Zum Geschosswohnungsbau bemerkte der Bürgermeister, dass hier die Nachfrage besonders groß sei. Es sollen bis zu acht Wohnungen pro Haus entstehen, aber keine geschlossene Blöcke, sondern eher mit einer Hofwirkung. Nach dem Rathaus und der Volksbank-Raiffeisenbank ist ein weiteres Geschäftshaus vorgesehen.

Der Bücherlweiher mit Holzbestand und Spielplatz soll Quartiersmitte werden, der in zwei Bauabschnitten erschlossen wird. Im ersten Abschnitt geht es um die Haupterschließungsstraße und den Supermarkt, erst später ist die Wohnbebauung dran. Wie der Planer Eberhard von Angerer aufzeigte, sollen im nördlichen Bereich 42 Doppelhaushälften entstehen. Die Planung ist so ausgelegt, dass auch 120 Geschosswohnungen entstehen, so dass über kurz oder lang Röhrmoos mit rund 440 neuen Einwohnern planen könne.

Der Vorsitzende der SpVgg Röhrmoos, Günter Bakomenko, wollte festgestellt haben, „dass man behinderten-und altersgerechte Wohnungen nun fallen ließ“. Laut Kugler sei der Mehrgeschosswohnungsbau aber barrierefrei, und die Gemeinde plane ja im Bereich der alten Sparkasse Betreutes Wohnen. Zunächst möchte man dieses Grundstück aber lastenfrei übergeben bekommen.

Dass Bahnkunden das neue Baugebiet zuparken könnten, wie es in der Diskussion zur Sprache kam, glaubt der Planer nicht. Er ist ebenso wie der Bürgermeister davon überzeugt, dass eine spätere Rathauserweiterung nicht verbaut wird.

Uli Wienforth vermisst in der Planung Lokale oder Cafés. Laut Kugler zieht die Gemeinde möglichen Läden aber ein Ärztehaus vor.

Mehrere Wortführer sahen mit der neuen Planung die Chance für ein Dorfzentrum für immer vertan. Die Ankündigung des Planers, dass am Supermarkt ein Backshop mit Sitzplätzen im Freien entstehen könnte, ist für viele Bürger kein Trost, wie Ex-Gemeinderat Erich Müller kundtat.

Dass zwischen den beiden Bauabschnitten ein zeitlicher Abstand sein soll, begründet der Bürgermeister mit Auswirkungen auf die Infrastruktur. Mit 71 Kindern sei 2015 ein Rekord-Geburtenjahr gewesen und so müsse man sehen, wie es mit der Einwohnerentwicklung im Bereich Schule, Hort und Kindergarten weitergeht.

Dass 30 Prozent des Nettobaulands unter das Einheimischen-Modell fällt, findet Bakomenko nicht zu viel: „Wenn aus Ackerland Bauland wird, sollte auch die Röhrmooser Bevölkerung einen kleinen Anteil haben dürfen.“ Laut Bürgermeister geht es um sieben bis acht Grundstücke, die unter das Einheimischen-Modell fallen.

Dass derzeit nur die halbe Wahrheit über Röhrmoos-Mitte gesagt werde, fand Freie-Wähler-Gemeinderat Stefan Lorenz. Für seine Feststellung „Die erste Planung war politisch nicht gewollt, aber unmöglich wäre sie nicht gewesen“ erhielt er Beifall.

Da konnte auch der Hinweis von Matthias Rager (CSU), „mehr ist einfach nicht möglich“ die Stimmung im Saal nicht aufhellen.

ost

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