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Gute Fahrt! Das Go-Cart stellten (v. l.) Dorothea Wießmeier, Johanna Konradt und Karin Kemmitzer vom Franziskuswerk den Vertretern des ehemaligen Amper-Taler-Regio-Vereins Peter Denk, Bernhard Sturm und Michaela Steiner als Dank für die 2844-Euro-Spende nach der Vereinsauflösung vor.

2844 Euro-Spende fürs Franziskuswerk Schönbrunn

Die letzte gute Tat

Nach seiner Auflösung hat der Amper-Taler-Regio-Verein sein restliches Vereinsvermögen aufgeteilt. Insgesamt gingen viermal 2844 Euro an verschiedene Einrichtungen. Über eine der vier Spenden freute sich jetzt das Franziskuswerk Schönbrunn.

Schönbrunn – Über eine Spende von 2844 Euro vom ehemaligen Amper-Taler-Regio-Verein konnte sich das Franziskuswerk Schönbrunn freuen. Es beschaffte dafür einen Spezialsessel zum Beruhigen von vor allem äußerst unruhigen Bewohnern der Förderstätten und ein großes, stabiles Go-Cart für die Kinder- und Wohngruppe Lena.

Der Amper-Taler-Regio-Verein hat sich vor rund drei aufgelöst (siehe Infokasten) In der Vereinssatzung war festgeschrieben, dass das Vereinsvermögen im Falle einer Vereinsauflösung zu gleichen Teilen an das Franziskuswerk Schönbrunn, an die Solidargemeinschaft Dachauer Land, den Volkstrachtenerhaltungsvereins D’Ampertaler Dachau und die Künstlervereinigung Dachau gehen sollte.

Obwohl damit im reichen Speckgürtel um München dieses alternative Zahlungsmittel nicht auf Dauer fußfassen konnte, meinte der ehemalige Amper-Taler-Regio-Vereinsvorsitzende Peter Denk: „Ich bin froh, dass wir das gemacht haben. Denn so haben wir den Leuten gezeigt, dass es auch Alternativen zum Euro-Zahlungs-System gibt. Wenn es der Bevölkerung einmal schlechter gehen sollte, erinnern sich die Leute vielleicht, dass es auch andere Möglichkeiten für den Zahlungsverkehr gibt.“ Warum am Ende doch noch so viel Vereinsvermögen vorhanden war, begründete Denk so: „Weil bei uns alles ehrenamtlich gemacht wurde.“

Das Franziskuswerk lud als Dank an die Spender Peter Denk und frühere Vereinsmitglieder ein, um zu zeigen, was mit seinem Teil der Spende geschehen ist und gleichzeitig einen Einblick in die vielfältigen Tätigkeiten des Franziskuswerks insgesamt zu geben. Die Abteilungsleiterin der Edith-Stein-Förderstätten Isabella Berger erläuterte, was es mit dem 2200 Euro kostenden Beruhigungssessel auf sich hat. Er ist mit Kunststoffkugeln gefüllt und stimuliert den Körper zum Beispiel von zitternden Bewohnern, ruhiger zu werden. Er werde jedoch auch im Demenz- und im Altenbereich eingesetzt.

Rund 600 Euro kostete das große Go-Cart, das die Abteilungsleiterin Wohnen für Kinder und Jugendliche, Dorothea Wießmeier, und die Leiterin der Gruppe Lena, Johanna Konradt, vorstellten.

Der Amper-Taler-Regio-Verein war 2008 sehr ambitioniert mit seinem regionalen Gutscheinsystem Amper-Taler gestartet. Die Scheine waren von Dachauer Künstlern gestaltet worden und schnell zu einem begehrten Sammlerobjekt geworden. Mit diesen Gutscheinen konnten die Bürger in Stadt und Landkreis Dachau in teilnehmenden Geschäften und anderen Betrieben wie mit Euros zahlen. Die Gutscheine galten ein Jahr lang und mussten bis dahin ausgegeben sein, wollte der Besitzer nicht einen Abschlag auf den Wert hinnehmen. Dieser Abschlag sollte jeweils sozialen Einrichtungen und Vereinen zugutekommen. So sollte verhindert werden, dass die Scheine nur gehortet und nicht zur Regionalförderung ausgegeben werden. Doch leider wollten sich – weniger als die Geschäftsleute – weder die Endbenutzer der Scheine noch die sozialen Einrichtungen und Vereine für die Amper-Taler begeistern. Auch ein elektronischer Amper-Taler, der so genannte e-Amper-Taler, konnte das nicht ändern. Deshalb ließ der Amper-Taler-Regio-Verein ab 2015 keine neuen Scheine mehr herstellen und löste sich vor rund drei Jahren auf. Drei Jahre betrug die gesetzliche Umtauschfrist für Gutscheine, die jetzt abgelaufen ist.

Das Franziskuswerk Schönbrunn ist der größte Arbeitgeber im Landkreis Dachau noch vor den Helios Amper-Kliniken und dem Autozulieferer Autoliv. 1861 von Gräfin Viktoria von Butler-Haimhausen als „Arme-Mädchenhaus“ gegründet, entwickelte sich daraus besonders nach der Gründung einer franziskanischen Ordensgemeinschaft 1911 zu einer der bedeutendsten Einrichtungen, die Menschen mit Behinderung ein Leben in Würde und zum Heil ermöglichen soll. Das reicht von der Förderung und Bildung übers Arbeiten und Wohnen bis zur Pflege von Menschen mit Behinderungen und Alten. Ende der 90er Jahre übernahmen immer mehr weltliche Kräfte die Aufgaben der Schwestern. Heute betreuen 1600 Mitarbeiter 850 Menschen, 650 davon allein am Hauptort Schönbrunn. Doch es gibt auch Wohngruppen in Altomünster, Dachau, Großinzemoos, Hilgertshausen, Markt Indersdorf, Niederroth, Röhrmoos und Vierkirchen.

In einem groß bis 2030 angelegten Inklusionskonzept soll erreicht werden, die Zahl der nicht zum Franziskuswerk gehörenden, derzeit 60 Bewohner im Dorf Schönbrunn zu erhöhen. Zusammen mit den rund 60 Franziskaner-Schwestern und den betreuten Bewohnern des Franziskuswerks soll so die Einwohnerzahl Schönbrunns auf 1200 anwachsen.

Leider, so Karin Kemmitzer von der Stabsstelle Fundraising und Spendenbetreuung des Franziskuswerks, gebe es heute noch so manche Vorbehalte nicht behinderter Menschen. Doch diese abzubauen helfen sicher Einrichtungen wie das „W5“, ein Bistro mit großem Raum, Foyer, Terrasse und Konferenzraum, das alle, nicht nur behinderte Menschen, buchen können. Aber auch ein Frei- und ein Hallenbad sind in Schönbrunn für die Bewohner vorhanden. rds

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