Über Umwege zum Traumberuf: Schreinergeselle Jonas Hellberg an der Kreissäge in der Schreinerei Fottner in Röhrmoos.

Zum Tag des Handwerks

„Der Beruf des Schreiners ist traumhaft“

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Jonas Hellberg hat seinen Traumberuf gefunden. Hier  erzählt der 26-Jährige aus Röhrmoos, wie er über Umwege Schreiner wurde und warum er eigentlich nie Schuhe anzieht – nicht mal bei der Ehrung als einer der Schulbesten oder der Auszeichnung als Innungsbester bei der Gesellenprüfung.

Röhrmoos – Er läuft am liebsten barfuß – auch bei offiziellen Anlässen: Jonas Hellberg hatte auch keine Schuhe an, als er nach der Berufsschule als einer der Schulbesten aus- gezeichnet wurde. Barfuß kam der 26-Jährige auch zur Ehrung als Innungsbester aus dem ganzen Landkreis bei der Gesellenprüfung (wir haben berichtet). Denn Jonas Hellberg aus Dachau ist nicht nur Schreiner, er ist auch Philosoph: „Ich will meinen Füßen möglichst viel Freiraum geben“, sagt er. In der Schreinerei Fottner in Röhrmoos, wo Hellberg arbeitet, geht das natürlich nicht. Anlässlich des Tags des Handwerks stellen wir Jonas Hellberg vor, der sagt: „Das Handwerk des Schreiners ist traumhaft.“

Jonas Hellberg leimt Küchenschubladen zusammen. Der Bleistift steckt in seinem braunen Lockendutt, er hat einen Rauschebart. „Eigentlich wollte ich Künstler werden“, erzählt er: Aber er wollte nicht nur kreativ sein, sondern auch etwas Nützliches machen. Doch bis er seinen Beruf fand, dauerte es. Nach dem Abitur hat er ein Praktikum als Bühnenbildner gemacht. Dann studierte er drei Jahre Philosophie, reiste sechs Monate durch Südamerika. Aber: „Ich wollte was mit meinen Händen machen – etwas schaffen.“ Schon als Kind bastelte er in der Hobbywerkstatt seines Vaters, baute Regale oder Küchenteile für das Wohnmobil der Familie. Das Schönste für ihn am echten Holz, also Massivholz: Es ist lebendig. „Man sieht die Strukturen, es gibt keine zwei gleichen Bäume.“

Die Liebe zum Holz entdeckte er vor allem, als er in der Firma seines Freundes mitarbeitete: Sie strichen Häuser, bauten Holzfassaden oder Terrassen. Danach bewarb sich Jonas Hellberg für eine Schreiner-Ausbildung in Röhrmoos. Mittlerweile ist sie vorbei – mit seinem Gesellenstück, einem freihängenden Sekretär, hat er alle Erwartungen gesprengt. Sein Ausbilder Christoph Fottner sagt: „Am Anfang wollten wir es ihm ausreden, weil der Entwurf auf Meisterstückniveau war.“

Doch Jonas Hellberg ist ein Perfektionist, rund ein Jahr hat es gedauert, bis sein Gesellenstück fertig war – und er wurde dafür als Innungsbester im Landkreis ausgezeichnet. Ob er für immer Schreiner sein will, weiß er noch nicht. Er liebt zwar seinen Beruf, doch die Kunden wollen eher schlichte Möbel, in der Schreinerei übernehmen Maschinen die Arbeit. Gerade die Handarbeit aber macht Jonas Hellberg Spaß – das Feine: In Zukunft will er mehr schnitzen, drechseln lernen, kleine Holzschatullen bauen, am liebsten nach eigenen Entwürfen.

Doch bis dahin hat er erst noch einen anderen Plan: Er will als Handwerker auf Wanderschaft gehen. Drei Jahre zu Fuß oder per Anhalter in verschiedenen Betrieben arbeiten, im ersten Jahr in Deutschland, im zweiten in ganz Europa und dann weltweit. Denn „Zeit ist Leben“, sagt er. 

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