+
Hörte sich die Probleme der Ehrenamtlichen an: SPD-Bürgermeisterkandidat Wolfgang Götz (stehend). 

Erschwert die Arbeit

Ehrenamtliche klagen über zu viel Bürokratie

  • schließen

Die SPD Röhrmoos lud Ehrenamtliche zu Kaffee und Kuchen ein, um Danke zu sagen. Dabei fragten sie auch gleich, wo es weiterhin Probleme gibt. 

  • Um Danke zu sagen, hat die SPD Röhrmoos Ehrenamtliche zu Kaffee und Kuchen eingeladen. 
  • Dabei fragte der Ortsverband was es noch für Probleme gibt. 
  • Vor allem die Bürokratie würde zu schaffen machen. 

Röhrmoos – Viele Politiker loben bei jeder Gelegenheit das Ehrenamt in höchsten Tönen. Doch wie man die wichtige Arbeit der Ehrenamtlichen seitens der Gemeinde Röhrmoos besser unterstützen könnte, das hat nun erstmals – wenn auch in Wahlkampfzeiten – die Röhrmooser SPD gefragt. Die Sozialdemokraten luden deshalb Ehrenamtliche zu Kaffee und Kuchen ein, um Danke zu sagen und zugleich zu hören, wo der Schuh drückt.

Übereinstimmend war von den vielen Ehrenamtlichen zu hören, dass sie ihre Arbeit mit Überzeugung machen, sie aber auch immer öfter an ihre Grenzen stoßen. Vor allem die Bürokratie und „zum Teil unverständliche Vorschriften“ würden die Arbeit in den Vereinen immer mehr erschweren. In erster Linie gehe es dabei um behördliche Schikanen bei der Durchführung von Festen und anderen Veranstaltungen.

Stefan Orthofer, Vorsitzender des Schützenvereins Eichengrün Riedenzhofen fragte, ob es sein müsse, „dass die Gemeinde unbedingt für die gaststättenrechtliche Erlaubnis bei Veranstaltungen 35 Euro verlangt“. Von der Ehrenamtskarte des Landkreises hält Orthofer nicht viel. Er betonte aber auch, „dass die Gemeinde Röhrmoos den Schützenheimbau gut unterstützt hat“.

Den Röhrmooser Schützen fehlt ein Wirt, das bemängelte Herbert Kölbl vom Schützenverein Gemütlichkeit Röhrmoos. „Wir sind nun schon seit Längerem Selbstversorger, aber das ist halt nichts Gescheites“, so Kölbl. Er hofft, dass mit dem beschlossenen Schießstandumbau wieder mehr Leben in die Herberge der Röhrmooser Schützen kommt.

Doris Seidl-Brenner, Chefin im Kinderhaus des Evangelischen Kindergartenvereins Großinzemoos, mit 60 Mitgliedern berichtete, dass man schon Ende 2018 das Ehrenamt im Verein stark zurückfahren musste, „weil die Arbeit immer mehr wurde“. Händeringend suche der Verein ein Büro für die Verwaltung.

„Der Datenschutz macht viel kaputt“, sagte die AWO-Vorsitzende von Röhrmoos, Andrea Müller. Es gebe auch in der Gemeinde Röhrmoos „eine ganze Reihe von Familien, die finanziell schwach dastehen, doch das Zugehen auf diese Familien verhindert der Datenschutz“. Müller lobte aber die Nachbarschaftshilfe und das 60plus-Café.

Es wird immer schwieriger, für den Christkindlmarkt oder das Brunnenfest Helfer zu bekommen, das beklagte die Röhrmooser Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Rita Rieger. Auch sie schimpfte über unerträgliche Bürokratie und sprach Bereiche ehrenamtlicher Arbeit an, die Hauptamtlichkeit gar nicht abdecken könnte.

Der Vorsitzende des mit über 1200 Mitgliedern größten Vereins in der Gemeinde, Günter Bakomenko, wies auf die wachsenden Ansprüche der Bürger hin. Auch der SpVgg-Chef klagte über eine Antragsflut. „Allein für die 500 Kinder im Verein muss von jedem Übungsleiter ein Führungszeugnis hergebracht werden. Die Antragsflut, die allein die Umstellung der Flutlichtbeleuchtung mit sich zog, hätte mich beinahe auf die Palme gebracht.“ Leise Kritik an Bürgermeister Dieter Kugler (CSU) übte Bakomenko auch hinsichtlich der notwendigen Sportflächenerweiterung. Auf das Problem angesprochen habe Kugler laut Bakomenko nur die Antwort gegeben: „Wenn ihr ein Grundstück habt, könnt Ihr wieder kommen.“ Das zeuge nicht von großem Interesse.

Allein der ausufernden Bürokratie wegen verzichtet der Vorstand der SpVgg laut Bakomenko auf die mögliche Steuerpauschale beim Finanzamt.

Michael Wockenfuß, der Vorsitzende des Röhrmooser Kulturkreises, bezeichnet es als unerträglich, dass Themen wie Lebensmittelhygiene oder Erste Hilfe auf Vereinsvorstände abgewälzt werden.

Es sollte nicht sein, wie sich Delphine Hase, Partnerschaftsbeauftragte der Gemeinde beklagte, dass sie sich bei Begegnungen mit den Freunden aus Taradeau auch noch um die Bettenbelegung bei den verschiedenen Gastfamilien kümmern muss.

Wockenfuß unterstrich, dass sich Röhrmoos dringend um einen Bürgersaal bemühen sollte.

Je tiefer die Diskussion, umso deutlicher wurde es, dass der Bedarf für ein kommunales Netzwerkmanagement besteht. Diese Stelle nach dem Vorbild der Gemeinde Vierkirchen müsste erst geschaffen werden. Ziel ist dabei die Koordination und die Unterstützung der Arbeit von Vereinen und des Ehrenamts. Außerdem sinnvoll wäre aus Sicht der Diskussionsteilnehmer ein jährlicher Ehrenamtsempfang, um so das Engagement der Ehrenamtlichen zu würdigen. Dies könne auch einen schönen Rahmen für die Verleihung von Bürgermedaillen und Ehrenbürgerschaften bieten, wie Wolfgang Götz bemerkte. Götz sieht „darin den ersten Schritt, das Ehrenamt zu stärken“.

Bei der Vorstellung der SPD-Gemeinderatskandidaten wurde deutlich, dass auch hier nahezu alle Bewerber ein Ehrenamt ausüben – genau wie der SPD-Landratskandidat Hubert Böck, der sich vor Ort ein Bild über die Ehrenamts-Situation in der Gemeinde Röhrmoos machte.

ost

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Dachauer Tafel versorgt im Notbetrieb 150 Personen
Nachdem sich sehr viele freiwillige Helferinnen und Helfer gemeldet hatten und verschiedene Lieferanten Lebensmittel brachten, konnte die Dachauer Tafel am vergangenen …
Dachauer Tafel versorgt im Notbetrieb 150 Personen
Coronavirus im Landkreis Dachau: Odelzhausen bekommt Corona-Teststation
Das Coronavirus hat Bayern fest im Griff, auch den Landkreis Dachau. In diesem Liveticker erfahren Sie alle aktuellen Geschehnisse rund um Covid-19.
Coronavirus im Landkreis Dachau: Odelzhausen bekommt Corona-Teststation
Ruth Göttler kämpft für Radwegenetz und erneuerbare Energie
Eine neue Partei im Gemeinderat Bergkirchen und ein neues Gesicht: Ruth Göttler aus Günding hat zusammen mit Stefan Haas (Bergkirchen) auf Anhieb für Bündnis 90/Die …
Ruth Göttler kämpft für Radwegenetz und erneuerbare Energie
Drei Männer, die mitten im Leben stehen
Die Neuen der CSU/Parteifreie im Gemeinderat Pfaffenhofen, das heißt: drei Männer, die mitten im Leben stehen.
Drei Männer, die mitten im Leben stehen

Kommentare