Saxophonist
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Vollblutmusiker: Hans Maibachs Leben war ohne Saxophon nicht vorstellbar.

Trauer in Röhrmoos und im Landkreis um Saxophonist Hans Maibach

Ein großer Musiker ist gegangen

Trauer um Hans Maibach: Der beliebte und weithin bekannte Musiker aus Röhrmoos starb im Alter von 87 Jahren.

Röhrmoos – Im Gemeindefriedhof von Röhrmoos hat Hans Maibach, der im Alter von 87 Jahren verstorben ist, seine letzte Ruhe gefunden. Der bekannte Bürger war auch im Alter insbesondere bei der Jugend sehr beliebt, den Musik war sein Leben. Noch mit 85 Jahren ging der begeisterte Saxaphonist mit jungen Musikern, die seine Enkel hätten sein können, bei verschiedensten Festen auf die Bühne und ließ sich von seinen Fans feiern.

Hans Maibach, der 1933 als Ältestes von fünf Geschwistern in Oberschlesien geboren wurde, hatte keine leichte Kindheit. 1946 ist er als Zwölfjähriger zusammen mit seiner Familie als Vertriebener nach Petershausen gekommen, wo der Vater Arbeit gefunden hatte. Mit 14 Jahren machte er eine Lehre zum Mechaniker bei den Erma-Werken in Dachau. Anfang der 60er-Jahre wechselte er dann zur MAN, und nach weiteren zehn Jahren und Weiterbildung zum Technischen Sachbearbeiter arbeitete er bis zum Renteneintritt bei MTU.

Seine Annemarie heiratete er 1956. Mit ihr hat er bis zu ihrem Tod 2008 eine glückliche Ehe geführt. Hans Maibach war ein Familienmensch, und nach dem Tod seiner Frau hat er die Zeit bei seiner Tochter mit deren Familie, besonders mit den Enkelinnen Anna und Julia sehr genossen.

Er war sehr technikaffin, sodass ihn neben der Musik das Fotografieren von Eisenbahnen, vor allem Dampflokomotiven, sehr interessierte. Er war immer der Zeit etwas voraus. Die Eisenbahnen, die er in den 60er-Jahren fotografierte, fanden sich später in zahlreichen Technikbüchern über Dampfeisenbahnen wieder. Seine große Leidenschaft für die Musik hatte er schon als Schüler entdeckt, doch so richtig ging’s erst mit 16 Jahren los, indem er bei dem damals als Musikgröße im Landkreis bekannten Helmut Blottko das Saxophonspielen erlernte.

Eigentlich wollte er Trompete lernen, jedoch war es nach Kriegsende schwierig, so ein Instrument sowie den notwendigen Unterricht zu bezahlen. So kam es, dass er sich von seinem Freund Helmut Blottko, der selbst noch Saxaphon-Unterricht erhielt, ein Saxaphon ausleihen konnte und er von ihm auch noch unterrichtet wurde. 1953 trat Hans Maibach schließlich in die Kapelle „Meki“ (Hans Maibach, Josef Eggendinger, Josef Kaspar und Heribert Isemann) ein, mit der er bis Mitte der 60er-Jahre flotte Tanzmusik spielte. Später sprang Wast Kottermair für Josef Kaspar ein, der als Bürgermeister von Indersdorf in die Politik wechselte.

Josef Kaspar erinnert sich noch gut an die Fähigkeiten seines Freundes: „Sein Gespür für Musik war fantastisch, und seine Bemühungen, junge Menschen an seinem Können teilhaben zu lassen, grenzenlos. Er zauberte aus seinem Tenorsax butterweiche Töne, genauso wie harten Jazz! Er wird uns fehlen“, spricht Kaspar auch im Namen von Heribert Isemann (das „I“ in Meki).

Von 1965 bis 1986 spielte der Vollblutmusiker Maibach in verschiedenen Tanzbands in Dachau, unter anderem bei den „Flaming Stars“ und den „Dominos“. Danach kam seine große Zeit bei der Tanz-und Showband, den Jetzendorfer Hinterhofmusikanten unter der Leitung von Ewe Ziegert. Mit dieser Band feierte er seine größten Erfolge – zehn Jahre Stimmungsmusik im Weinzelt auf dem Münchner Oktoberfest, grandiose Auftritte in den USA, Chicago und North Carolina beim Bavarian Oktoberfest. Auch im ausverkauften Saal beim Starkbierfest im Löwenbräukeller in München wurde Maibach mit seiner Band über Jahre groß gefeiert.

Nachdem diese Band die Rechte an die „Neuen Jetzendorfer“ verkauft hatte, spielte Maibach noch rund 15 Jahre bei den „Oidn Jetzendorfern“ meist bei privaten Feiern, Geburtstagen oder Hochzeiten. Noch im hohen Alter ist er wöchentlich fast vier Jahre lang zu seinem alten Musikerfreund Wast Kottermair nach Albersbach gefahren und hat dort gemeinsam mit ihm und Bärbel Guderley musiziert.

In einem Alter, in dem andere schon gar nicht mehr daran denken, Musik zu machen, hat Hans Maibaum über seine Enkeltochter Kontakt zum Röhrmooser Jugendchor aufgenommen, den der Freund seiner Enkelin Anna, Bernd Sigerist, dirigierte. Gemeinsam mit Bernd und vier Jugendlichen aus dem Chor gründete man die „3 G-Band“ (3 G für drei Generationen). 2017 hat sich die Band umbenannt in „Guad Aufglegt“.

Das war für Hans Maibach aber kein Grund, ans musikalische Aufhören zu denken. Gerade im Kreise der Jugend fühlte er sich bei moderner Musik wohl, und so gab er bis zum letzten Jahr sein Saxophon nicht aus der Hand. Ob beim Röhrmooser Dorffest, beim Weinfest der Feuerwehr oder bei Geburtstagsauftritten – man merkte, dass er für die jungen Musikerinnen und Musiker eine große Bereicherung war.

Schwer viel es ihm, dass wegen Corona seit März 2020 weder Proben noch Auftritte möglich waren. Bei seiner Beerdigung spielte Musik aber noch mal eine große Rolle. Da übernahmen Wast Kottermair und Bärbel Guderley den musikalischen Part beim Trauergottesdienst. Und am Grab erinnerten Gerald Kresse (Trompete) und Bernd Sigerist (Kontrabass) mit „My Way“ und „Wonderful World“ an einen großen Musiker aus Röhrmoos. Die Jugendband „Guad Aufglegt“ und der Jugendchor ließen es sich nicht nehmen, sich mit Maibachs Lieblingssong „Amazing Grace“ in besonders rührender Weise zu verabschieden.

Josef Ostermair

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