Franziskuswerk-Mitarbeiter vor Gericht

Jugendlicher bestiehlt allerärmste Menschen

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Ein Mitarbeiter (20) des Franziskuswerks hat Geld von den Bewohnern gestohlen, um seine Spiel- und Drogensucht zu finanzieren. Nun wurde ihm vor dem Jugendschöffengericht Dachau der Prozess gemacht.

Dachau – Rechtsanwalt Joachim Schwarzenau wandte sich im Gerichtssaal an seinen Mandanten und meinte, es sei höchste Zeit, sich zu entschuldigen. Doch als der Mandant seinem ehemaligen Vorgesetzten vom Franziswerk Schönbrunn, der hinten im Zuschauerraum saß, die Hand reichen wollte, lehnte dieser ab und sagte traurig in Richtung Jugendschöffengericht: „Es ist unfassbar. Das sind die allerärmsten Menschen unserer Gesellschaft, die hier bestohlen wurden!“   

Der missachtete Mandant, heute 20, war in einer Dezembernacht 2016 auf die Schnapsidee gekommen, mit seinem Schlüssel, der ihm als Bundesfreiwilliger (Bufdi) anvertraut worden war, in die Förderstätte der Behinderteneinrichtung zu gelangen und dort aus einer Schublade und einem Schrank, den er aufbrach, zwei Geldkassetten mit insgesamt 421 Euro Inhalt mitgehen zu lassen. Das Geld gehörte den Menschen, die der Bufdi betreute. Danach fuhr er nach Indersdorf, wo ihm ein Bekannter, heute 29, half, die Kassetten aufzubrechen. Das Kleingeld darin verprassten beide in einer Spielothek, vom Rest kaufte sich der 20-Jährige Drogen. Die Kassetten warf er weg.

Der Einbruch und das Verhalten danach waren derart dilettantisch, dass die Polizei den beiden Männern schnell auf die Schliche kam. Die Schließanlage des Franziskuswerks registriert jeden Einsatz eines Schlüssels. Eine der Geldkassetten wurde gefunden – mit DNA-Spuren des 29-Jährigen darauf. Gestern schließlich kam es zum Prozess. Der Vorwurf: gemeinschaftlicher Diebstahl und Sachbeschädigung.

Der 29-Jährige, ein kokainsüchtiger polnischer Koch, der 15 Vorstrafen auf dem Kerbholz hat und wegen anderer Taten noch bis April 2019 im Gefängnis verharren muss, wurde in Handschellen vorgeführt. Er beteuerte, nicht gewusst zu haben, dass die Kassetten aus einem Einbruch stammten. Eine Einlassung, die Richter Tobias Bauer und seine beiden Schöffen bezweifelten. Da das Gegenteil der Behauptung jedoch schwer nachweisbar sei, folgte zunächst der rechtliche Hinweis, dass statt des Diebstahls auch eine Hehlerei in Frage käme – und dann die Einstellung des Verfahrens gegen den 29-Jährigen im Hinblick auf eine weitere Verurteilung, die vor kurzem gegen ihn erfolgte.

Blieb schließlich noch der Bufdi mit der Schnapsidee. Sein Verteidiger legte zwei Drogen-Screenings vor, die beweisen, dass der 20-Jährige seit Anfang des Jahres „clean“ ist. Der Bufdi selbst gab an, wieder bei seinen Eltern in der Gemeinde Weichs zu wohnen, die ihn zuvor rausgeworfen hatten. Im Herbst, so sagte er weiter, werde er eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger beginnen.

Das Jugendschöffengericht verurteilte ihn wenig später zu einem Arbeitswochenende. Zudem muss er mittels dreier weiterer Drogen-Screenings in den folgenden sechs Monaten nachweisen, dass er endgültig vom Rauschgift weg ist. Und: Er muss 700 Euro als Wiedergutmachung an die bestohlenen Bewohner des Franziskuswerks zahlen – bislang gab der 20-Jährige das entwendete Geld nämlich nicht zurück.

Rechtsanwalt Schwarzenau sagte, dass seinem Mandanten die Tat leid tue. Der Vorgesetzte aus dem Franziskuswerk fand, dass sein ehemaliger Mitarbeiter für seine neue Ausbildung nicht geeignet sei.

Rubriklistenbild: © dpa

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