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Immer mehr Durchgangsverkehr: Die Bürger von Großinzemoos haben schon vor mehr als 30 Jahren vergeblich nach einer Ortsumgehung gerufen, doch dieser Ruf blieb unerhört. 

Verlegung der DAH 3: Forderungen aus Röhrmoos

Der Kampf gegen den Durchgangsverkehr

Eine Umgehung insbesondere für Großinzemoos, vor allem aber endlich ein Verkehrskonzept für den Landkreis Dachau fordert die Gemeinde Röhrmoos. Denn mit der Verlegung der DAH 3 bei Indersdorf wird der Durchgangsverkehr weiter zunehmen.

Von Josef Ostermair

Röhrmoos– Das Planfeststellungsverfahren zur Verlegung der DAH 3 kurz vor Indersdorf zur Staatsstraße 2050 hin hat den Röhrmooser Gemeinderat veranlasst, eine Stellungnahme im Verfahren abzugeben. Denn aufgrund dieser Verlegung wird noch deutlich mehr Verkehr durch Großinzemoos und Röhrmoos fließen.

Wie der geschäftsleitende Beamte Erwin Zelenka im Gemeinderat erklärte, soll künftig die bisher als DAH 3 durch Indersdorf geführte Maroldstraße zur Ortsstraße abgestuft werden. Die geplante Verlegung der DAH 3 verläuft südlich von Indersdorf, parallel zum östlichen Ortsrand in rund 280 Meter Entfernung. Durch die Verlegung schließt die DAH 3 nicht mehr innerorts an die Staatsstraße 2050 an, sondern bereits auf Höhe des bestehenden Kreisverkehrs Dachauer Straße/Gewerbestraße.

Für den Planfeststellungsentwurf wurde eine Verkehrsuntersuchung durch Professor Harald Kurzak vorgenommen. Dieses Verkehrsgutachten vom Oktober 2017 trifft eine Verkehrsanalyse, gibt eine Verkehrsprognose und geht auf verschiedene Planfälle ein. Die Verkehrszählungen vom März 2015 haben demnach gezeigt, dass die von Süden und Osten nach Indersdorf führenden Straßen gegenüber 2008 zum Teil deutlich mehr belastet sind.

Bis zum Jahr 2030 sei aufgrund der allgemeinen Verkehrs- und der Siedlungsentwicklung im nordwestlichen Landkreis mit einer weiteren Verkehrszunahme auf dem Straßennetz von Indersdorf um rund zehn Prozent zu rechnen. Dabei werde insbesondere die Belastung der DAH 3 Richtung Röhrmoos aufgrund des vorläufigen Verzichts auf den Bau der Nord-und Ostumfahrung Dachau weiter überdurchschnittlich zunehmen.

Die bereits heute hinsichtlich der Leistungsfähigkeit und der Verkehrssicherheit kritische Situation in der Indersdorfer Maroldstraße im Bereich Kloster und Realschule werde sich weiter verschärfen. „Aus diesem Grund ist die Verlegung der DAH 3 grundsätzlich verständlich“, sagte Bürgermeister Dieter Kugler (CSU). Die Verlegung dürfe aber nicht zu Lasten der Gemeinde Röhrmoos gehen.

Die DAH 3 diene nicht nur dem überörtlichen Verkehr zwischen den Landkreisen Dachau und Freising. Die Fahrtziele auf der DAH 3 südöstlich vom Kloster Indersdorf liegen zu 72 Prozent im Landkreis Dachau, davon zu 47 Prozent in Großinzemoos, Röhrmoos und Schönbrunn. 28 Prozent der Fahrtziele liegen außerhalb des Landkreises. Dass die prognostizierte Verkehrszunahme um 12 Prozent (von 5000 auf 5600 Kfz pro Tag) mit dem Ausweichverkehr über Röhrmoos nach Dachau zusammenhängt, ärgert Kugler, „da Dachau die Nord-Ost-Umgehung nicht unterstützt. Alle Gemeinden sollten sich für diese Umgehung stark machen“. Die durch Großinzemoos und Röhrmoos führende DAH 3 nehme eine Ersatzfunktion für den Teilverkehr in Richtung Freising und Flughafen ein.

Ziel der Gemeinde Röhrmoos müsse es sein, den Durchgangsverkehr aus den Ortszentren herauszubringen. Insbesondere die Ortsdurchfahrt von Großinzemoos weise mehrere gefährliche Engstellen, beengte Kurvensituationen und nur einseitige Gehwege in vielen Bereichen auf und würde keine weitere Verkehrszunahme mehr vertragen.

Landrat Stefan Löwl habe empfohlen, im Gemeinderat eine abgestimmte Stellungnahme vorzubereiten, ob beziehungsweise welche Umfahrungsvariante im Rahmen des Gesamtverkehrskonzeptes konkret weiter untersucht werden soll.

Kugler weiß aber auch, dass schon vor Jahren aufgrund immer wiederkehrender Forderungen aus Bürgerversammlungen heraus dem Landkreis längst Vorschläge für Umgehungsvarianten unterbreitet wurden. So heißt es in dem mit 17:1 Stimmen gefassten Gemeinderatsbeschluss, dass der Landkreis eine Strategie aufzeigen soll, wie mit dem zunehmenden Straßenverkehr auf der DAH 3 in Richtung Röhrmoos verfahren werden soll.  

Der Gemeinderat fordert nicht nur eine Umgehung für Inzemoos und Röhrmoos, sondern wegen der Verkehrsprognosen auch die umgehende Verwirklichung der Nord-Ost-Umfahrung Dachaus.

In einem weiteren mit 16:2 Stimmen gefassten Beschluss heißt es ferner: Die Gemeinde Röhrmoos sichert dem Landkreis die Unterstützung für Lösungen zu. Insbesondere die Darstellung einer Umfahrungslösung für die DAH 3 im Flächennutzungsplan der Gemeinde. Nur die beiden GUL-Gemeinderäte Renate Heyden-Klentzan und Dr. Nicolas Kugler trugen diesen Beschluss nicht mit.

Kugler, der auch dritter Bürgermeister ist, begründete sein Nein mit der Befürchtung, dass eigene Lösungen schnell vom Dachauer Projekt überholt sein könnten. Wie er ausführte, dürfe man die eigene Gemeinde nicht für Schleichwege salonfähig und attraktiv machen. Der gleichnamige Gemeindechef Dieter Kugler hielt entgegen, dass nicht die Gemeinde, sondern der Landkreis Straßenbaulastträger sei.

Die Sprecher der übrigen Fraktionen unterstützten die von der Verwaltung vorgeschlagene Vorgehensweise. Burghard Haneke (CSU) sprach von einem starken Signal für die Bürger, Wolfgang Götz (SPD) regte an, auch Gedanken für ein Nahverkehrskonzept in das Planfeststellungsverfahren einzubringen, und Stefan Lorenz (Freie Wähler) sprach die Hoffnung aus, dass der Landkreis Dachau endlich einmal auch die von seiner Fraktion eingebrachten Anträge im Gesamtverkehrskonzept berücksichtigt.

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