Theater Röhrmoos begeistert 

Scheinheilig und derb – vor allem aber: lustig

Mitsingen, schunkeln und lachen. Die Zuschauer beim Röhrmooser „Theatera spuin auf“ haben einen tollen Abend erlebt.

Röhrmoos – Unterhaltung vom Feinsten boten die Röhrmooser Theaterer mit sieben Sketchen und zwei Einaktern beim „Theatera spuin auf“ im vollbesetzten Pfarrheim. Durch das amüsante Programm, das mit einer Gerichtsverhandlung begann, führte Herbert Michalitza. In der Strafsache Schäbig gegen Schäbig geht es um eine Körperverletzung an einer Ehefrau, die ihr der Ehemann volltrunken zufügte. Auch der Schwiegermutter hat er Prügel versprochen.

Der Sketch „Beim Arzt“ handelt von einem eingebildeten Kranken, der von Frau Doktor erfahren muss, dass er eigentlich vollkommen gesund ist. Viel zu lachen gibt’s auch bei dem Treff von fünf Ratsch-Damen, die besonderen Wert auf ihre Figur legen, und eine ältere Freundin, deren Schönheit sie nicht ertragen können, kräftig ausrichten. Als diese dann zufällig vorbei kommt, ist es wie im echten Leben: Das Schimpfen verwandelt sich in scheinheilige Wertschätzung. Plötzlich waren die lilafarbenen Haare der lieben Elke und der Besuch einer Ü50-Party eine ganz tolle Sache.

Donnernden Beifall gab es auch für das Stück von der Hochzeitseinladung, das ein Zwiegespräch von Mann und Frau zwischen Bad und Flur ist. Da wird wirklich alles angesprochen, vom Problem mit dem Krawattenbinden bis hin zu den unschönen Folgen des stehend Bieselns. Beim Streit um die Höhe des Geldgeschenkes ist sich dieses Paar lange nicht einig, bis schließlich verraten wird, dass ja die eigene Tochter heiratet.

Gut ins Programm fügte sich das Gastspiel von Hans Kreppold und dessen Tochter Brigitte ein. Die beiden erfreuen mit bayerischer Musik und Couplets. Schließlich sind es Kreppolds Witze, Mundartgeschichten und Gedichte, die begeistern. Da bekommen Schwiegermütter, Bauern und Pfarrer gleichermaßen ihr Fett ab.

Dass dabei die Dachauer Hinterlandsprache manchmal etwas derb ist, ist ganz im Sinne des Publikums.

Der zweite Programmteil in den dreieinhalbstündigen Darbietungen spielt sich in einem Hutladen ab. Ein Landmensch bringt eine hübsche junge Hochdeutsche schier zur Verzweiflung.

Das Stimmungsbarometer geht auch beim nächsten Sketch nochmal kräftig nach oben. Die Zuhörer erleben ein Telefongespräch, bei dem ein Kleinkind die Dame auf der anderen Seite der Strippe auf die Palme bringt, bis schließlich der ewig auf dem Klo sitzende Vater zum Hörer greift. Fantastisch gut gespielt ist auch der Sketch von einer Oma und deren 15-jähriger Enkelin, die sich was besonders Cooles von der Oma wünscht, die aber mit Begriffen wie Tattoo, Piercing und Brustimplantate nichts anzufangen weiß. 4000 Euro für einen neuen Busen auszugeben, ist aber selbst der gutmütigen Oma zu viel.

Zum Schluss erleben die begeisterten Zuschauer noch eine Gemeinderatssitzung. Wenn das Publikum Parallelen zum Geschehen in Röhrmoos erkennt, ist das laut Michalitza rein zufällig. Den urbayerischen Ratsherren macht vor allem die neue Kollegin aus Mecklenburg-Vorpommern, Frau Brunzer-Krickendonk, zu schaffen, die eine andere Art von Demokratieverständnis hat und ihnen Vetternwirtschaft vorwirft, als es um eine Bebauungsplanänderung vom Schwarzbauer Pauli geht, der rein zufällig Schatzmeister der örtlichen CSU ist.

Mit langanhaltenden Beifall werden schließlich die insgesamt 16 Mitwirkenden verabschiedet. Zur Musik der Kreppolds wurde kräftig mitgesungen, und zum Schluss auch geschunkelt und getanzt, was der Beweis dafür war, dass es jedem im Saal gefallen hat. Weil der Andrang beim Kartenvorverkauf so groß war, stand von vorneherein fest, dass es einen Tag drauf eine zweite Vorstellung gab – die ebenfalls ausverkauft war.

ost

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