Zwei Mädchen spielen an Tisch
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Mit Eifer dabei sind Isabella (5) und Katharina (3) Seitz aus Großinzemoos beim Online-Experimentieren.

Tolle Initiative in der Gemeinde Röhrmoos

Live-Sendungen aus den Kinderhäusern

Der evangelische Kindergartenverein Röhrmoos bietet seit drei Wochen für die Kleinen Live-Angebote über Zoom an. Dabei lernen beide Seiten täglich dazu.

Röhrmoos – In Inzemoos werden in drei Kindergartengruppen, eine davon integrativ, und zwei Krippengruppen insgesamt 85 Kinder betreut. 80 Kinder sind es im Kinderhaus „Bunte Raupe“ im integrativen Hort und in einer Kindergartengruppe in Röhrmoos. Die beiden Kinderhäuser arbeiten mit einer Kita-App und wurden entsprechend mit Material ausgestattet.

„Familien in Zeiten der Pandemie als Kitas zu begleiten, war für uns seit dem ersten Lockdown wichtig“, unterstreicht Doris Seidl-Brenner, die Geschäftsführerin des Kindergartenvereins. Schon während des ersten Lockdowns wurden von den Erziehern für die Kinder kleine Videos produziert, die sich die Kinder im Internet anschauen konnten. Nun haben die Kitas ihr Angebot für die Kinder daheim weiterentwickelt.

„Als im Dezember klar war, dass ein weiterer Lockdown kommt, haben wir uns überlegt, welche Ressourcen wir haben und was wir anbieten können. Es liegt meiner Meinung nach in der Verantwortung der Kitas und Träger, auch in einer Ausnahmesituation wie der Pandemie ihren Bildungsauftrag so gut wie eben möglich zu erfüllen. Eltern wird seit Monaten verkündet, wie schwer sie es haben, was auch richtig ist, aber deshalb keine kleinen Unterstützungsangebote in Kitas zu erfinden, ist doch nicht zielführend. Und dass Kitas geschlossen sind, stimmt so einfach nicht. Man muss den Mut haben, auch im Kita-Bereich innovative Ideen zu schmieden und gemeinsam mit den Familien neue Wege zu gehen“, sagt Doris Seidl-Brenner.  

Im Moment kommen die beiden Kitas mit der Notbetreuung auf eine Auslastung um die 50 Prozent. Diese Kinder haben ihre Sozialkontakte zu Erziehern und Kindern und ihre pädagogischen Bildungsangebote. Aus der Motivation heraus, dass Kinder, deren Eltern es schaffen, diese daheim zu betreuen und so zur Ansteckungsminimierung beitragen, nicht benachteiligt werden, hat der Träger sich entschlossen, für die verschiedenen Altersgruppen von Krippe, Kiga und Hort täglich Live-Sendungen anzubieten.

So gibt es ein fortlaufendes Tischtheater für die Kleinsten, das die Erzieherinnen selbst schreiben, im Kindergarten Experimente, Spiele, Bewegung, Tanz und Geschichten sowie im Hort für die Schulkinder neben der Begleitung des Homeschoolings auch eine Menge Freizeitangebote wie Lesestunde, Disco und Wohnzimmersport.

Ein besonderes Augenmerk legen die Kinderhäuser darauf, dass die Kindergartenkinder im Vorschuljahr nicht abgehängt werden. Deshalb werden diese Kinder mit professionellen pädagogischen Bildungsangeboten besonders intensiv auf den Schulstart vorbereitet.

Seidl-Brenner betont im Gespräch, wie wichtig es ihr ist, dass den Kindern daheim pädagogische Angebote gemacht werden und dass sie wenigstens digital Kontakt zu ihren Erziehern und den anderen Kindern haben können. „Die Kinder brauchen etwas Normalität im Tagesablauf. Und auch die Eltern haben Anspruch auf Unterstützung in der Kinderbetreuung, wenigstens für kurze Zeit am Tag, mit Tipps, was man mit den Kleinen alles machen kann. Für uns sind die Live-Sendungen absolutes Neuland. Wir kennen niemanden, der ähnlich auf Familien zugeht, daher fehlt uns der Austausch. Wir sind ins kalte Wasser gesprungen, lernen aber zusammen mit den Familien täglich dazu“, freut sich die Chefin.

Online-Tischtheater: Mirjam Klentzan, Erzieherin im Kinderhaus „Bunte Raupe“.

Auch für die Erzieherinnen sei die Herausforderung groß, ist von Mirjam Klentzan zu erfahren. In ihrer Gruppe bietet das Personal einen täglichen gemeinsamen Morgenkreis, Sport- und Bewegungsangebote sowie eine wöchentlich stattfindende Vorschuleinheit. „Wir hatten zum Glück schon ein bisschen Erfahrung aus dem letzten Frühjahr, wie das so ist, vor der Kamera zu arbeiten. Aber besonders das Gefühl, sich vor den Eltern bloßzustellen, war am Anfang im Hinterkopf immer präsent. Den Kindern in der Notbetreuung und den Kindern daheim gerecht zu werden, war kein einfacher Spagat“, so die Erzieherin.

Neben den täglichen Online-Angeboten gibt es über die Kita-App Anregungen für die Eltern im Umgang mit den Kleinen in der Wohnung. Die Inzemooserin Conny Seitz, Mutter von zwei Töchtern und Mitglied im Elternbeirat, schwärmt: „Mit der Plattform Zoom können wir uns täglich in den Kindergarten einloggen. Für meine beiden Mädels ist das das Highlight des Tages“, so Seitz.m Trotz der schwierigen Zeit freue man sich jeden Tag aufs Mitmachen. Auch für sie als Mama würden sich immer wieder neue Ideen zum Basteln zuhause bieten.  

Fazit: Auch wenn in der Bildungslandschaft in Deutschland einiges im Argen liegen mag und digitales Lernen zu oft in Heimbeschulung durch die Eltern endet, so gibt es eben auch andere gute Beispiele, wie durch das Engagement Einzelner selbst schon bei den Kleinsten der Anspruch auf Bildungsgerechtigkeit umgesetzt wird.

Josef Ostermair

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