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Beeindruckt vom „grünen Band“: die Teilnehmer an der Exkursion am alten Bahndamm mit Horst Pillhöfer (r.).

Pflanzenvielfalt auf altem Bahndamm

Natur im alten Gleisbett

Wenn Naturschützer von einem grünen Band im Landkreis sprechen, dann meinen sie den drei Kilometer langen, ehemaligen Bahndamm zwischen Röhrmoos und Hebertshausen.

Röhrmoos – Auf dieses grüne Band ist die Kreisgruppe des Bund Naturschutz und die Ortsgruppe Röhrmoos besonders stolz: Seit im Zuge des ICE-Ausbaus (2003 bis 2006) eine neue Route gebaut wurde, ist auf dem alten Bahndamm eine bewundernswerte Renaturierung gelungen.

Die alten Gleise wurden abgebaut, Schotter entfernt und sandreicher Oberboden aufgebracht. Wie die 30 Teilnehmer bei der Exkursion von Monika Robl (BN Dachau) und Horst Pillhöfer (BN Röhrmoos) erfahren konnten, hätten die Dämme eigentlich verbuschen sollen, aber da der Oberboden so nährstoffarm ist, habe sich zunächst in den ersten paar Jahren eine blumenreiche Magerrasen-Flora gebildet. Kartäusernelken und als bekannte Arten Margarethen und Hahnenfuß siedelten sich an. „Hier setzt der Mäh-und Pflegeeinsatz des Bund Naturschutz an“, so Pillhöfer mit dem Hinweis, dass seit 2009 in Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt und der Bahn die Trassenflächen jedes Jahr ein- bis zweimal im Herbst gemäht und das Schnittgut abgefahren wird. Auch ein Landwirt aus Unterweilbach helfe fleißig mit. Der sei Imker und könne so die blühenden Bahndämme für seine Bienen gut gebrauchen.

Überrascht waren die Teilnehmer von der Artenvielfalt auf der 3,5 Hektar großen Fläche. Auf den nährstoffarmen Bahnflächen haben sich über Jahre attraktive und auch seltene Pflanzenarten angesiedelt. In den Monaten Mai und Juni blühen Zehntausende von rot-violetten Kartäusernelken auf dem „grünen Band“ zwischen dem südlichen Waldrand von Röhrmoos und dem nördlichen Rand von Hebertshausen. Nach Einbringen von Wildsamen hat sich ein Bestand von blauem Kreuzenzian gebildet, zum Teil ist der Boden blau getupft von Blüten. Auch etwa 40 Exemplare von der seltenen Heilpflanze Tausendgüldenkraut haben sich eingestellt. Der Name stammt von tausend Gulden ab: Ein Hinweis, wie wertvoll früher diese Pflanze war.

Die Bahndämme bergen in beiden Gemeinden praktisch die einzigen Vorkommen von Wiesensalbei, Klappertopf, Sommerschuppenwurz, Odermenning, Nickendes Leimkraut, Labkraut, Jakobskreuzkraut, Flockenblumen, mehrere Arten von Glockenblumen, Wilde Möhre und Wiesen-Bärenklau. Thymian und Oregano duften im Juli. Schmetterlinge wie Schwalbenschwanz, Dickkopffalter und mehrere Arten von Bläulingen gaukeln über das grüne Band. An weiteren Tieren sind der rotrückige Würger beziehungsweise Neuntöter, eine sehr seltene Vogelart der Hecken, zu nennen. Erfreut zeigten sich die Naturliebhaber über die Zauneidechsen, die über die Bahndämme huschten. Auch Blindschleichen schlängeln sich durch die wilden Böschungen.

Alle Teilnehmer der Exkursion waren von Vielfalt an Pflanzen, Tieren und Insekten begeistert, weil man das in unserer sonst so ausgeräumten Feldflur nicht mehr kennt. „Mit Unterstützung der Bahn, der Unteren Naturschutzbehörde, den beiden Gemeinden Röhrmoos und Hebertshausen und der tatkräftigen Pflege durch die BN-Ortsgruppe Röhrmoos ist zu hoffen, dass so ein Stück schöne Heimatlandschaft weiter erhalten bleibt“, unterstrich Pillhöfer, der „Motor“ des Naturschutzes in Röhrmoos.

ost

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