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Im Landkreis Dachau soll ein weiteres Gymnasium gebaut werden. Über die Standortfrage aber gibt es weiter Diskussionen (Symbolbild).

„Fakten statt Emotionen“

Parteiübergreifende Kritik: Röhrmooser Gemeinderäte sauer auf Dachauer Kreisräte

In die Diskussion um den Standort eines fünften Landkreis-Gymnasiums will keine Ruhe kommen.

Wie mehrfach berichtet, hatte der Dachauer Kreistag sich Ende 2018 für den Bau eines Gymnasiums in Bergkirchen ausgesprochen, aus – so hieß es damals – „strukturpolitischen Gründen“. Bayerns Finanz- und Kultusministerien genehmigte den Schulbau zwar, allerdings in der 7000-Einwohner-Gemeinde Röhrmoos, da der vom Kreistag favorisierte Standort Bergkirchen die formellen Voraussetzungen nicht erfülle. Dagegen wiederum protestierte zuletzt der Kreistag, der nun mit einer Delegation in München vorsprechen will.   

In Röhrmoos kann man die Ablehnung des ministeriellen Beschlusses jedoch nicht nachvollziehen. Mit dem Schlagwort „Fakten statt Emotionen“ beschreiben die Vorsitzenden der vier im Röhrmooser Gemeinderat vertretenen Parteien, Günter Bakomenko (Freie Wähler), Wolfgang Götz (SPD), Burkhard Haneke (CSU) und Dr. Nicolas Kugler (Grüne Unanhängige Liste) die Situation aus ihrer Sicht so: „Als Mitglieder der unterschiedlichen politischen Gruppierungen und Gemeinderatsfraktionen in Röhrmoos verfolgen wir die sehr emotionale geführte Diskussion über das fünfte Gymnasium im Landkreis Dachau mit Interesse, zum Teil aber auch mit Verwunderung.“ Das Kultus- und das Finanzministerium hätten nach feststehenden, bayernweit geltenden Kriterien entschieden, dass von mehreren Landkreisgemeinden derzeit nur der Standort Röhrmoos diese Kriterien erfülle. Für Röhrmoos, so heißt es in der gemeinsamen Erklärung weiter, „spricht insbesondere die verkehrstechnisch zentrale Lage, nicht zuletzt mit der S-Bahn-Anbindung“. Weitere gewichtige Argumente seien die für diesen Standort bereits prognostizierten Schülerzahlen sowie die zu erwartenden Zuzüge und die bereits ausgewiesenen Baugebiete nicht nur in Röhrmoos, sondern im gesamten nordöstlichen Landkreis.

Für Bergkirchen habe der Kreistag damit argumentiert, dass die Ansiedelung eines Gymnasiums die Notwendigkeit erhöhe, strukturelle Verbesserungen insbesondere im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs einzuleiten. Dies ist in den Augen der Röhrmooser „eine Argumentation, die nicht leicht nachzuvollziehen ist“.

Das Gymnasium in Indersdorf existiere schließlich seit vielen Jahren, dennoch sei die Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel an Indersdorf, mit Ausnahme der Gemeinden an der S2 nach Altomünster, „alles andere als optimal“. Wenn für Schüler nicht nach der sechsten Stunde der Unterricht endet, müssten sie oft lange auf den Schulbus warten – oder würden mit dem Auto abgeholt.

Für Bakomenko, Götz, Haneke und Kugler zeigt diese Erfahrung, dass die Ansiedlung eines Gymnasiums „nicht per se zu einer Verbesserung der Anbindung eines Standortes an den öffentlichen Personennahverkehr führt, sondern eher zu einem erhöhten Auto-Verkehrsaufkommen durch abholende und bringende Eltern“. Die vier Partei-Chefs aus Röhrmoos schließen ihre gemeinsame Erklärung daher mit einer Bitte an die Kreistagsmitglieder: Sollte bereits ein realisierbares Konzept für den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs in Bergkirchen vorliegen, so sollte dieses dringend der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Vielleicht, so schreiben sie, „fiele es uns dann leichter, die Kreistagsentschiedung für den Standort Bergkirchen nachzuvollziehen“.

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