Fünf Männer in blauer Kleidung
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Mehr Zeit für die Lehrlinge Hassan Hedayati, Lukas Tratz und Lukas Waldbauer (vorne, v.l.): „Das war das Schöne am Lockdown“, sagen die Mariabrunner Wirte Manfred Valentin (l.) und Robert Matthes.

Wirte wollen endlich loslegen

Ratlos in den Startlöchern

  • Nikola Obermeier
    vonNikola Obermeier
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Manfred Valentin und Robert Matthes, Wirte in Mariabrunn, wollen in Corona-Zeiten nicht jammern. Aber sie fordern endlich ein Konzept für die Gastronomie.

„Die Kühlung ist voll, die Mitarbeiter sind da!“ Der Biergarten in der Gemeinde Röhrmoos könnte sofort aufsperren. Einzig das Konzept und die Vorgaben von der Regierung fehlen. Und das ärgert Manfred Valentin: „Da kommt der zweite Schritt vor dem ersten!“ Ministerpräsident Markus Söder hatte die Öffnung der Außengastronomie am Montag angekündigt, mit Test und Reservierung beziehungsweise ohne Test für Geimpfte – „aber ohne Konzept! Die reden sich leicht“, sagt Valentin. „Lieber wäre es uns gewesen, wenn man erst das Konzept vorgestellt und dann die Öffnung in Aussicht gestellt hätte.“ Er fragt sich: „Was haben die denn die vergangenen Monate gemacht?“

Er fragt sich noch mehr: „Darf ich Schnelltests bei den Besuchern vornehmen, kann ich eine Teststation einrichten?“ Der Wirt überlegt, ob sich das rentiert. „Denn wenn ich am Sonntag in den Biergarten gehen mag und muss erst extra zum Testen fahren, dann bleib ich lieber daheim.“ Eine weitere Frage: „Muss ich Impfpässe und Impfbestätigungen kontrollieren?“ Ein Konzept für die Gastronomie hätte man längst ausarbeiten können, findet Valentin. „Ich fahr ja auch nicht erst dann in die Brauerei, wenn einer ein Bier bestellt.“ Der Vorschlag des Wirts: „Die Registrierung über eine App, das wäre doch leicht umzusetzen.“ Auf der App könnten Tests und Impfnachweis hinterlegt werden.

Die Reservierungen im Biergarten sind auch so ein Thema: „Das wird zwar aufwändig, das zu organisieren, aber wenn die das wollen, dann haut das schon irgendwie hin“, sagt der Wirt. Vergangenes Jahr sei alles super gelaufen mit dem Hygienekonzept. „Wenn die Höchstanzahl an Besuchern erreicht war, haben wir den Biergarten zugesperrt“, erzählt Valentin. Jeder habe Besuchszeit, Name und Telefonnummer angegeben. „Die Hygienekonzepte haben funktioniert!“

Die Leute sehnen sich nach Biergarten

Viele Leute schreiben ihn schon an und wollen wissen, was man für einen Besuch im Biergarten braucht. Die Leute sehnen sich nach Biergarten, nach draußen sitzen, etwas trinken und ratschen, weiß Valentin. Schon die vergangenen Wochen waren an schönen Tagen viele Tische und Bänke in Mariabrunn besetzt – „teilweise waren 100 Leute da, mit einer Brotzeit“. Wäre der Biergarten geöffnet gewesen, wären diese Leute für eine mögliche Kontaktnachverfolgung registriert gewesen.

Die Lockdown-Monate hat Valentin gut überstanden: dank der Hilfen, die schnell ausbezahlt wurden. „Da muss man vor der Regierung wirklich den Hut ziehen!“ Aber auch dank der Unterstützung seiner Familie und der seines Kompagnons Robert Matthes. Außerdem habe er gut gewirtschaftet, im vergangenen Jahr selber viel gearbeitet und „gespart, was geht“.

Und noch etwas Positives können die Mariabrunner Wirte dem Lockdown abgewinnen: Sie hatten mehr Zeit für die drei Lehrlinge. Hassan Hedayati, Lukas Tratz, beide im ersten Lehrjahr, und Lukas Waldbauer, im dritten Lehrjahr, lernen alle drei Koch. „Wir haben uns zum Beispiel eine Aufgabe im Bereich Merchandising und To-go-Gerichte einfallen lassen, sie hatten dann zwei Tage Zeit, das auszuarbeiten“, erklärt Valentin. Die drei Lehrlinge entwarfen ein Malheft für Kinder, außerdem stellten sie Gerichte anders zusammen für den Außer-Haus-Verkauf und ließen sich neue Gerichte für die Speisekarte einfallen. Homeschooling für die Berufsschule machten sie gemeinsam in der Gaststätte, dort richtete Valentin ihnen Computer und Drucker ein. „Sie werden von uns versorgt, haben W-Lan und helfen sich gegenseitig.“

„Der Lockdown hatte auch gute Seiten“

Lukas Tratz, 19 Jahre alt, stimmt seinem Chef zu: „Der Lockdown hatte auch gute Seiten, wir haben viel mehr gelernt als sonst möglich wäre!“ So hätten sie Sachen kochen dürfen, „die man eigentlich erst im dritten Lehrjahr kocht“.

Trotzdem wird es jetzt wieder Zeit für den Normalbetrieb, findet Manfred Valentin: „Wir freuen uns, wenn die Leute wieder zu uns kommen, wenn wir wieder ratschen können.“ Und er ergänzt: „Wenn wir nur wüssten, was wir machen sollen, damit wir aufsperren dürfen, dann machen wir das.“

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