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Amtsinhaber Dieter Kugler (CSU) auf dem Podium: DN-Redaktionsleiterin Nikola Obermeier führte durch den Abend.

Podiumsdiskussion der Dachauer Nachrichten

Wahlkampf in Röhrmoos: Bei einem Thema sind sich alle drei einig

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Bürgermeister Dieter Kugler (CSU) und die Herausforderer Wolfgang Götz (SPD) und Arthur Stein (Grüne) haben sich bei der Podiumsdiskussion der Dachauer Nachrichten in Röhrmoos gestellt. Es gibt heiße Themen im Ort.

Röhrmoos – Kurz vor den Kommunalwahlen am kommenden Sonntag haben sich die drei Bürgermeisterkandidaten für Röhrmoos bei der Podiumsdiskussion der Dachauer Nachrichten den Fragen von Redaktionsleiterin Nikola Obermeier gestellt. Dieter Kugler (CSU), Wolfgang Götz von der SPD und Arthur Stein von den Grünen stellten dar, wie sie die Gemeinde fit für die Zukunft machen wollen.

Das Hauptanliegen von SPD-Mann Wolfgang Götz ist nach eigener Aussage die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. „Man muss da auch an Wohnungen für die Mitarbeiter der Gemeinde, ob im Bauhof oder in den Kindergärten, denken.“

Arthur Stein von den Grünen hat sich zum Ziel gesetzt, dass die Gemeinde bis 2030 klimaneutral werden soll. „Mit global denken und lokal handeln kann man da viel bewegen“, so Stein. Er sprach sich auch für Bürgerbeteiligungsmodelle bei der Energieversorgung aus. Zusammen mit den Bürgern soll die Vision eines Bürgerhauses realisiert werden. Zudem will sich Stein für den Ausbau des ÖPNV starkmachen.

Der amtierende Bürgermeister Dieter Kugler priorisiert gleich mehrere Ideen: Ihm geht es hauptsächlich um vernünftige Rahmenbedingungen in der Kinder-, Jugend- und Seniorenarbeit. Er bedauere, dass seine Amtsvorgänger hinsichtlich Baugrund „zu wenig Bevorratungspolitik gemacht haben“. Laut Kugler kommen auf die Gemeinde noch große Aufgaben wegen des Fremdwassers in Kanälen zu. „Im Bereich Klimaschutz ist schon viel gemacht worden – 82,7 Prozent des verbrauchten Stroms in der Gemeinde wird durch erneuerbare Energien hergestellt“, so Kugler. Er betonte, dass durch seine Mithilfe im Dezember 2021 eine neue Buslinie von Indersdorf über Röhrmoos und Schönbrunn bis nach Lohhof eingeführt wird.

Finanzen

Nikola Obermeier wollte von den Kandidaten wissen, wie sie die Einnahmen der Gemeinde stärken wollen. Während Götz sich klar für ein Gewerbegebiet aussprach („Gewerbe schafft Arbeitsplätze am Wohnort und mehr Gewerbesteuer“), erklärte Stein, „dass es reichen muss, bestehende Lücken zu verdichten und ortsansässige Gewerbetreibende anzusiedeln“. Laut Stein wäre es zukunftsweisend, „in nachhaltige Energien zu investieren“. Auch Kugler verspricht sich durch ein Gewerbegebiet „keine Wundermittel“.

5. Gymnasium

Der Elternbeiratsvorsitzende der Grundschule Röhrmoos, Georg Niederschweiberer, erkundigte sich nach dem Konzept der drei Bürgermeisterkandidaten für das beworbene 5. Gymnasium im Landkreis. Hier herrschte Einigkeit unter den Kandidaten. Das Trio ist sich einig, dass die Würfel trotz des Votums des Kreistags für Bergkirchen noch lange nicht gefallen sind. Alle drei betonten: Die Schülerzahlen und die S-Bahn sprächen klar für Röhrmoos. Sie hoffen, dass sich das Kultusministerium nicht umentscheidet.

Verkehr

Während sich die Bürgermeisterkandidaten beim Thema Gymnasium einig sind, gehen die Meinungen beim Thema Verkehr teils auseinander. Während Kugler und Götz auf eine Umgehungsstraße für Röhrmoos und Großinzemoos beharren, gibt Stein dem Fahrrad- und Fußgängerverkehr durch die beiden Orte Vorfahrt und lehnt – nicht zuletzt wegen des starken Eingriffs in die Natur – eine Umgehungsstraße ab. Eine Umgehung ist laut Stein der falsche Ansatz, „weil eine Umgehungsstraße nur noch mehr Verkehr anzieht“.

Zur Frage, ob eine Umgehungsstraße überhaupt noch realistisch ist, musste Kugler bis zur Machbarkeitsstudie aus dem Jahre 2007 ausholen. Er räumte ein: „Schade, dass diese große Maßnahme nicht weiter verfolgt wurde.“ Er erklärte: Die Gemeinde habe jedoch in jüngster Zeit die erforderlichen Flächen im Rahmen eines Grundstücktauschs erworben, sodass eine Umsetzung in zwei Abschnitten entsprechend dem Landkreis-Konzept möglich wäre. „Es kann aber mit dem Umgehungsstraßenbau durchaus noch zehn Jahre dauern“, so Kugler. Als Sofortmaßnahme für Großinzemoos schlug deshalb SPD-Mann Götz Tempo 30 auf der vollen Länge der Ortsdurchfahrt vor. Dafür gab es von den Zuhörern viel Beifall.

Bürgerhaus

Auch beim Thema Bürgerhaus gehen die Meinungen der drei Kandidaten weit auseinander: Während Götz und Stein glauben, dass die Bürger so eine Einrichtung brauchen, schrecken Kugler die Baukosten von bis zu sieben Millionen Euro ab. Er empfiehlt, doch das Bürgerhaus W5 in Schönbrunn mehr zu nutzen. „Es muss ja kein Kulturpalast werden“, meinte Götz, und auch Stein fragte, wieso solche Bauten in der Nachbargemeinde Hebertshausen und in Kleinberghofen möglich waren.

Sport

Die Röhrmooser Sportler fühlen sich von der Gemeinde etwas vernachlässigt. Die SpVgg zählt 1200 Mitglieder und betreut 450 Kinder und Jugendliche. Ihr Vorsitzender Günter Bakomenko beklagte, dass seinem Hinweis nach „dem Wunsch nach einem dringend notwendigen 3. Fußballplatz seitens Bürgermeister Dieter Kugler wenig Gehör geschenkt wurde“. Kugler aber sprach von „Vorgaben im luftleeren Raum“, wo Handeln bei fehlenden Grundstücken schwierig werde. Götz sprach sich für einen Appell an die in Frage kommenden Grundeigentümer aus und Stein erklärte, dass es „eine Watschn für die Ehrenamtlichen im Sport wäre, wenn die Gemeinde ihr Anliegen nicht auf die Prioritätenliste setzen würde“.

Bücherlweiher

Zuhörer der Diskussion kritisierten auch die große geplante Bebauung am Bücherlweiher, der zuletzt die Grünen nicht mehr zugestimmt haben. Laut Stein „ist hier die jahrzehntelange Zielsetzung verfehlt worden“. Man müsse sich fragen, ob es ortsplanerisch sinnvoll ist, auf einem Filetgrundstück einen Supermarkt zu bauen. „Wir bekommen eine kleine, feine Ortsmitte“, versicherte dagegen Kugler. Er begrüße es, neben viel Wohnraum auch Flächen für kleineres Gewerbe und ein Grundstück für den Kindergarten gesichert zu haben.

Am Ende der lebhaften Diskussion hatte der dienstälteste Gemeinderat, Gerhard Schmidbauer, noch einen Appell an die Röhrmooser Wähler: Sie sollen „dafür sorgen, dass endlich ein Kandidat aus der Gemeinde, egal welcher Partei, in den Kreistag kommt“.

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