Hier wird künftig der Schulweg von der S-Bahn zum Gymnasium verlaufen, es gibt aber auch noch eine Alternative.
+
Hier wird künftig der Schulweg von der S-Bahn zum Gymnasium verlaufen, es gibt aber auch noch eine Alternative.

Planungen für 4. Landkreis-Gymnasium in Röhrmoos

Röhrmooser kritisieren Verkehrskonzept

Die Röhrmooser freuen sich über das geplante Gymnasium. Allerdings überzeugt die Verkehrsplanung für die dann rund 830 Schüler große Teile des Gemeinderats und besorgte Eltern nicht.

Röhrmoos – In der jüngsten Gemeinderatssitzung zeigte sich: die Röhrmooser sind wenig begeistert vom Verkehrskonzept für das geplante 5. Landkreisgymnasium. Gerd Müller und Kreisbaumeister Georg Meier als Vertreter des Landkreises und der Ingenieur Dr. Christoph Hessel stellten zwei Stunden lang die Planung vor.

Der Landkreis, Bauherr des Gymnasiums, strebt die bauliche Umsetzung für 2023 an. Bei der Verkehrsplanung müssen neben der großen Zahl von Schülern in 30 Klassen auch 80 so genannte Schulpersonen, die Dreifach-Turnhalle (Mitnutzung durch andere Schulen und Breitensport) sowie Musikräume (Mitnutzung durch Vhs) berücksichtigt werden. Es geht auch um Parkplätze für das Schulpersonal und weitere Parkplätze für den Hol- und Bringverkehr, die Erschließung für die Linienbusse 727 unbd 772 sowie Schul- beziehungsweise Verstärkerbusse.

Christian Hessel von Gevas vom beauftragten Ingenieurbüro für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik in München, betonte, dass die Fuß- und Radverkehrserschließungen wegen des günstigen Anschlusses an die S-Bahn „besonderen Stellenwert genießen“. Kreisbaumeister Meier geht davon aus, dass zwei Drittel der Schüler mit der S-Bahn nach Röhrmoos kommen. Man habe in den Planungen alle wichtigen Verkehrsknotenpunkte berücksichtigt und eine Hochrechnung der Verkehre gemäß Bevölkerungsentwicklung für den Landkreis mit einem Plus von 9,1 Prozent bis zum Jahr 2035 errechnet.

Zentraler Omnibus-Bahnhof geplant

Durch das neue Gymnasium seien insgesamt rund 670 neue Autofahrten zu erwarten. Hessel zeigte, dass ein zentraler Omnibus-Bahnhof für das Gymnasium geplant ist. Ziel sei es aber, dass möglichst viele Kinder fußläufig zur Schule kommen.

Bei den vielen Wortmeldungen aus dem Gemeinderat waren auch die Landkreis-Vertreter Müller und Meier gefragt. CSU-Fraktionssprecher Stephan Hueber sieht den starken Verkehr von Großinzemoos her als Gefahrenquelle für die Schüler, die zu Fuß zum Gymnasium kommen. Er bedauerte, dass das Landratsamt die Untertunnelung der Kreisstraße nicht weiter verfolge. „500 Schüler gehen über diese viel befahrene Straße, ist das mit einer Ampelregelung darstellbar?“, fragte Hueber. Ihm fehle eine alternative Planung.

Als Utopie bezeichnete der Kreisbaumeister, dass es wegen des Gymnasiums eine großräumige Umgehung geben werde. Bürgermeister Dieter Kugler schwächte diese Ausage mit den Worten ab: „Der Landkreis hat eine Umgehung von Großinzemoos ja im Programm.“

Als Schildbürgerstreich bezeichnete es Vize-Bürgermeister Arthur Stein (Grüne), dass neben der bestehenden Ampelanlage an der Kreuzung Kreisstraße/Flurstraße/An der Leiten nur rund 300 Meter weiter eine weitere Ampelanlage in Höhe Abzweigung Arzbacher Straße geschaffen werden soll. Vernünftiger sei es seiner Meinung nach, diesen Übergang mehr in Höhe Inzemooser Straße zu schaffen.

Wie Hessel erklärte, wäre eine Untertunnelung der Kreisstraße nicht nur viel zu teuer, sie scheitere auch am Gelände. Die Planer gehen davon aus, dass Tunnels keine soziale Sicherheit geben.

Wenngleich Stein dem Kreisbaumeister zu verstehen gab, dass sich Röhmoos hinsichtlich der Verkehrsprobleme mit der Kreisstraße allein gelassen fühlt und für Großinzemoos versucht, kurzfristig den Rad- und Gehwegverkehr sicherer zu machen, sieht Meier in der Planung gute Lösungsansätze.

Umfahrung um Großinzemoos ist wieder einmal Thema

Auch Georg Niederschweiberer (Freie Wähler), Elternbeiratsvorsitzender an der Grundschule Röhrmoos, stellte zusammen mit seinem Fraktionskollegen Günter Bakomenko fest, dass eine Umfahrung von Indersdorf aus über Vierkirchen und Schönbrunn deutlich „den unerträglichen Verkehr durch Großinzemoos“ mindern könnte. „Das wären ganz andere Zeithorizonte“, so Meier und ergänzte, dass man ja mit der Verkehrsplanung für das Gymnasium vorankommen müsse. Das Hauptproblem sei, dass der Drang nach Mobilität in der Gesellschaft immer stärker steige.

Gerd Müller zeigte, dass es trotz Busbahnhof nicht möglich ist, auf die Busbuchten an der Kreisstraße für den Linienverkehr zu verzichten. Froh ist der Landkreis, dass die Zusammenarbeit wegen der Sportstätten mit der SpVgg Röhrmoos in trockenen Tüchern sei. Der Kreisbaumeister hält es dennoch für angebracht, mit dem Flächenverbrauch sparsam umzugehen.

Zu Meinungsunterschieden zwischen Planer und Gemeinderat kam es auch hinsichtlich der Erschließung von der S-Bahn her. Da gibt es den Vorschlag der Erschließung am Bahndamm entlang Richtung Firma Schiebel oder über den relativ schmalen Gehweg Richtung Inzemooser Straße bis zur Einmündung an der Leiten bis zur Druckknopfampel. Wenn sich, wie zu erwarten, mehr Fußgänger begegnen, müsste am östlichen Fahrbahnrand eine Gehwegbreite von mindestens 3,7 Meter geschaffen werden, auch von der Einrichtung einer Einbahnstraßenregelung war die Rede.

Wenig angetan vom vorgetragenen Verkehrskonzept zeigte sich auch Constanze Feneis (Grüne). Sie versuchte, im Gemeinderatsbeschluss nicht nur festzuhalten, den Vortrag zur Verkehrsuntersuchung zur Kenntnis genommen zu haben und dem empfohlenen Erschließungskonzept grundsätzlich zuzustimmen, Feneis wollte im Beschluss auch noch festgehalten haben, dass hinsichtlich der Erschließung noch nach Alternativen gesucht wird. Doch da wurde sie vom Bürgermeister „ausgebremst“. So kam es schließlich doch zum 20:0-Beschluss für eine Zustimmung zum Erschließungskonzept.

ost

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare