Röhrmooser Gemeinderat befürchtet Nachteile 

Baumschutzverordnung ist vom Tisch

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Das Thema  Baumschutzverordnung schwebte wie ein Damoklesschwert seit Monaten über den Köpfen vieler Röhrmooser Grundbesitzer, doch nun ist dieses Thema vom Tisch.

Röhrmoos – Zur Vorgeschichte: Eine Nacht- und Nebelaktion, bei der ein Bauträger im Ortskern von Röhrmoos in der Blumenstraße 14 zum Teil kerngesunde Bäume gefällt hatte, um den letzten Zentimeter Bauland auszunutzen, sorgte in der Bevölkerung für Unmut. Im Gemeinderat stellten daraufhin die Freien Wähler, die SPD und die GUL am 12. Dezember 2018 gemeinsam den Antrag auf eine Baumschutzverordnung. Dieses Begehr wurde 10:9 Stimmen angenommen.

Seither ließ Bürgermeister Dieter Kugler (CSU) keine Chance aus, um von einer „Baumverhinderungsverordnung“ zu sprechen, die Bürgern bei Baumaßnahmen nur Probleme bereite. Kugler führte Beispiele aus Starnberg und Schweinfurt an, wo man erkannt habe, dass so eine Verordnung mehr Schaden als Schutz schaffe und deshalb wieder abgeschafft wurde. In Röhrmoos aber wurde in dieser Dezember-Sitzung beschlossen, den Antrag zur weiteren Prüfung weiterzuverfolgen. Hingegen lehnte der Gemeinderat es ab, dass, bevor ein Entwurf einer Baumschutzverordnung zur weiteren Beratung vorgelegt wird, eine fachliche und juristische Beratung eingeholt und die Ergebnisse hierzu dem Gremium vorgestellt werden sollen.

Zum Verfahren erklärte Bauamtsleiter Patrick Westermair nun folgendes: „Aus Erfahrungswerten wird bei Vorhandensein einer Baumschutzverordnung der Schutz von alten Bäumen nicht verbessert, sondern Bäume werden vor Erreichen des Schutztatbestandes oftmals gefällt, so dass der alte Baumbestand immer geringer wird. Außerdem werden bei Vorhandensein einer Baumschutzverordnung auf Privatgrundstücken weniger Bäume freiwillig gepflanzt.“

In Biberbach sollen Bäume vorab gefällt worden sein

Insgesamt lehnt die Verwaltung eine Baumschutzverordnung ab, da ein zusätzlicher Bürokratieaufwand (mit Kosten für Privateigentümer und mit Überwachung von Privateigentümern) entstehen würde und ein erfolgreicher Schutz von Bäumen nicht gewährleistet sei.

„Es wurde doch von allen Unbehagen geäußert, als die radikale Fällung der 14 Bäume in der Blumenstraße bekannt wurde“, erinnerte FW-Sprecher Stefan Lorenz, der auch betonte, dass man den kleinen Häuslebauer mit einer entsprechenden Satzung in keiner Weise einschränken wollte. „Da ist schnell falsch kommuniziert worden“, so Lorenz weiter, dessen Wunsch es gewesen sei, dass die Verwaltung eine speziell auf Röhrmoos zugeschnittene Baumschutz-Lösung findet. „Inhaltlich geht es nun erst mal darum, eine verträgliche Lösung für unseren Gemeindebereich zu finden. Uns ist leider das Wasser zu schnell abgegraben worden“, unterstrich Lorenz.

„Es ist schade, dass der Baumschutz, schon bevor man sich richtig damit befasst hat, in der Öffentlichkeit verbannt wurde“, befand der 3. Bürgermeister, Dr. Nicolas Kugler von der GUL und ließ nicht unerwähnt, dass er nicht verstehen könne, wieso die Verwaltung schon abgelehnt habe, bevor überhaupt über eine Ausgestaltung einer Verordnung gesprochen worden sei. Nun aber sei so eine Verordnung der Bürgerschaft nicht mehr vermittelbar.

Wegen des Schutzes von Umwelt und Artenschutz sprach sich der SPD-Fraktionssprecher Wolfgang Götz dafür aus, einen Konsens herzustellen und mit „milderen Instrumentarien“ zum gewünschten Erfolg zu kommen. Die Nachbargemeinde Hebertshausen hätte bezüglich Baumpflanzungen das richtige Signal gegeben, „und auch bei uns muss was passieren“.

CSU-Gemeinderat Emanuel Nefzger erklärte, dass es Sinn mache, auf öffentlichem Grund mit Baumpflanzungen zu beginnen. Dazu sagte der Bürgermeister, dass die Gemeinde ja schon ein größeres Waldgrundstück erworben habe, „und wir insofern schon auf dem richtigen Weg sind“.

Zuvor hatte CSU-Fraktionssprecher Matthias Rager an die Stellungnahme der Christsozialen vom Januar 2019 erinnert, wo sie zu dem Schluss gekommen seien, dass eine Verordnung kontraproduktiv sei.

Wenn man der Erzählung eines CSU-Mannes aus Biberbach Glauben schenken darf, dann sind schon innerhalb weniger Monate im Heimatort des Bürgermeisters elf Bäume, darunter zwei schöne Linden, aus Angst vor der drohenden Verordnung gefällt worden.

So sah schließlich der gesamte Gemeinderat keine Möglichkeit mehr, als mit 20:0 Stimmen eine Baumschutzverordnung abzulehnen. Was alternativ nun gegen das Bäumesterben getan werden soll, wurde leider noch nicht festgelegt. Zunächst aber soll geklärt werden, welche Grundstücke für Pflanzmaßnahmen im öffentlichen Bereich in Frage kommen.

JOSEF OSTERMAIR

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