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Bleibt das Windrad bei Etzenhausen das einzige im Landkreis?

Rückenwind für Windkraft-Gegner

Dachau - Der Landkreis steht vor einer neuen Zerreißprobe in Sachen Windkraft. Seehofers Erfolg in Berlin hat Gräben aufgerissen, die nach Fukushima geschlossen schienen.

Jetzt geht es richtig rund um die Windkraft-Pläne im Landkreis. Nach Horst Seehofers Erfolg bei den Berliner Koalitionsgesprächen - die voraussichtlich zu einer 10H-Regelung in Bayern führen werden -, verspüren alte und neue Windkraft-Gegner Rückenwind. Aber auch diejenigen, die es mit der Energiewende weiterhin ernst meinen, melden sich lautstark zu Wort.

Wie Michael Reindl, Bürgermeister von Erdweg. Am Donnerstag hat er ein Schreiben im Namen der Kreistagsfraktion der FW/ÜB an Landrat Hansjörg Christmann geschickt. Darin heißt es: „Wenn von der Staatsregierung die 2000 Meter Abstandsfläche angestrebt wird, sind Windkraftanlagen mit geringeren Abständen politisch und rechtlich wohl nicht mehr durchsetzbar. Damit würde auch die Umsetzung des gemeinsamen Flächennutzungsplanes des Landkreises Dachau wesentlich erschwert, wahrscheinlich sogar unmöglich.“ Reindl beantragt zu prüfen, ob mit 2000-Meter-Distanzen überhaupt noch Windräder im Dachauer Land möglich wären. Er verweist auf die Klimaziele, die der Kreistag 2007 beschlossen hat.

Scharf kritisieren die Indersdorfer Freien Wähler den Seehofer-Kurs und nennen ihn „verantwortungslos und falsch“. In einer Presseerklärung heßt es: „Auf der einen Seite plakativ zu propagieren, dass man den Freistaat zum Vorbild für den modernen Bürgerstaat des 21. Jahrhunderts machen will und im gleichen Atemzug für die sogenannte 10H-Regelung zu plädieren, ist wahrlich nicht Politik für, sondern gegen den Bürger.“

Ganz anders sieht die Bürgerinitiative Buchwald/Welshofen die Sache: „Zu der Entscheidung von Bürgermeister Zech, den Teilflächennutzungsplan auf Eis zu legen, ziehe ich und vermutlich viele Landkreisbürger den Hut“, schreibt Helmut Bayer. Er fordert, dass „sofort alle Planungen und Anträge für Windräder bis zur endgültigen Klärung der Abstände gestoppt werden“. Der Welshofer wundert sich, „dass Entscheidungen des bayerischen Ministerpräsidenten von einzelnen Personen (auch CSU-Mitgliedern und -Amtsträgern) ignoriert werden, wenn doch das Grundgerüst für die neuen Abstände steht.“ Die BI greift Anton Kreitmair an: „Mir ist bewusst, dass ein Landtagsabgeordneter, der als Gründungs-Gesellschafter des Bürgerwindrades beteiligt ist, dieses möglichst schnell durchdrücken will.“ Der BI-Sprecher bezeichnet die Möglichkeit, Anteile an dem geplanten Windpark im Buchwald zeichnen zu können, als eine „Masche“, bei der nur die Bürger das Risiko tragen würden, „nicht aber die Banken, Planer und Errichter“.

Jörg Burger, einer der Initiatoren des Bürger-Windprojekts, widerspricht: „Die Firma Wust hat bis jetzt einen sechsstelligen Betrag auf eigenes Risiko investiert. Und unsere Gruppe hat alle Planungsleistungen ehrenamtlich erbracht. Und natürlich stehen auch unsere eigenen Mittel auf dem Spiel, wenn wir die Windräder errichten und sie sich nicht rechnen sollten.“

Die Bürgerinitiative Unser Wald, die sich vor drei Jahren gegen die Windräder im Odelzhauser Forst formiert hatte, meldete sich zu Wort: „Wir begrüßen die Seehofer-10H-Initiative sehr.“ Es sei eine ihrer zentralen Forderungen, dass die Abstände mit den größer werdenden Anlagen wachsen müssten. BI-Chef Martin Heitmeir fordert, die deutsche Energiewende „in eine europäische klimapolitische Strategie“ einzubetten. Ein frommer Wunsch angesichts der Tatsache, dass künftig jedes Bundesland seine eigenen Richtlinien verfassen wird.

Horst Kramer

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