Eine Atmosphäre des Innehaltens schuf das Vocalensemble Cantori. foto: spi

Ruhepause für Körper und Seele

Dachau - Das Kloster Karmel Heilig Blut Dachau hat zu einem Passionsgottesdienst mit der Fragestellung „Passion - ein Mysterium" eingeladen.

Fastenzeit, das bedeutet Stille und Meditation. Die Passionszeit ist ein Innehalten, eine Ruheinsel in der hektischen Zeit. Viele wollen die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag bewusst erleben und gestalten, die Routine des Alltags unterbrechen und vielleicht sogar ihrem Leben einen neuen Impuls geben.

Bereits auf dem Weg zum Kloster Karmel, das sich auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau befindet, umfängt einen in der kalten, klaren Nacht eine unglaubliche Stille. Impulsgebende Textpassagen, viel Schweigen und Meditation prägten die Zusammenkunft von Alt und Jung in der Klosterkirche. Das Vocalensemble Cantori unter der künstlerischen Leitung von Jürgen Rothaug schuf in dem Passionsgottesdienst sinnstiftend wie klangschön eine wohltuende Atmosphäre des Innehaltens.

Glasklare Höhen und warme Mitteltöne erfüllten Raum und Zeit und ließen die Gedanken in weite Ferne schweifen. „Kann man Passion spielen?“, so die einleitende Frage von Pater Klaus Spiegel. „Ist Passion nicht etwas, was wir lieber nicht hätten?“, rief er nachdrücklich in den Raum. Seiner Meinung nach ist Passion kein Spiel, vielmehr brutale Wirklichkeit. Damals wie heute.

Pater Klaus verwies auf die Zeit Jesu, auf die Zeit des Nationalsozialismus und die heutige Zeit. „Passion ist die Kunst des Vergegenwärtigens“, betonte er. Die Passion Jesu sei nicht ein Spiel an der Oberfläche, kein Vergnügen, sondern die intensive Aufmerksamkeit und Beobachtung dessen, was sich tut, so der Geistliche. In diesem Zusammenhang zog Pater Klaus einen Vergleich mit der Kunst. Auch in der Kunst müsse man sich mit der Seele darauf einstimmen, auf das was geschehe. Sich besinnen, ein Teil werden des Geschehens - offen werden für die Passion der Welt von heute.

„Wo stehen wir heute?“, fragte der Kirchenmann. Andächtige Ruhe und Zufriedenheit breitete sich bei seinen Worten aus. Die Hektik des Alltags, der Druck der Termine, der Stress, dies alles war für einen Moment komplett ausgeblendet. Einige der Anwesenden hielten die Augen geschlossen, ließen die Worte des Paters auf sich wirken und reflektierten Geschehenes. Im Anschluss gaben sich die Besucher des Gottesdienstes in der Kühle der Nacht ganz dem Schweigen hin. Der Passionsgottesdienst zum Thema Mysterium im Kloster Karmel und die Stille der Nacht waren eine Ruhepause für Körper und Seele.

Sandra Pilz

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