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Lautstarker Störenfried: Die   Saatkrähe in der Pollnstraße stört nicht nur die junge Mutter Kader Kuscu (27).

„Statt Zwitschern nur lautes Gekrächze“

Saatkrähen sind eine Plage für viele Dachauer  

Sie können eine wahre Plage sein. Ihre Hinterlassenschaften auf Hausdächern, Autos und Straßen stören viele Dachauer genauso wie ihr lautes Gekrächze. Die Rede ist von Saatkrähen. Auch die junge Mutter Kader Kuscu (27) wünscht sich, dass die Stadt etwas gegen die Vögel unternimmt.

Dachau – Immer öfter richtet sich der Blick von Kader Kuscu (27) in Richtung Himmel. Der Grund: Die Scharen von Saatkrähen, die sich in den Bäumen in der Nähe der Pollnstraße aufhalten, stören die junge Mutter, die dort seit zweieinhalb Jahren wohnt, sehr. Das Gekrächze der Vögel sei extrem laut, wie die Dachauerin meint. Auch über die Hinterlassenschaften der Tiere auf Hausdächern, Autos sowie Straßen freue sich wohl kaum einer.

„Teilweise verstehe ich meinen Mann nicht einmal mehr, wenn wir uns draußen unterhalten. So schlimm ist es“, erklärt die 27-Jährige. Deshalb nutze die Familie derzeit auch kaum ihren Garten. Dabei wäre dieser vor allem für den eineinhalbjährigen Sohn Leon ein perfekter Ort zum Spielen. Und auch die jungen Eltern würden ihren Garten gerne als Ruhe-Oase nutzen. „Aber leider hören wir statt Vogelzwitschern nur das Krächzen dieser Krähen“, sagt Kader Kuscu.

Die Vögel würden schon morgens um 6 Uhr mit ihrem Geschrei beginnen und nicht vor 18 oder 19 Uhr damit aufhören, sagt die Dachauerin. Nachbarn, so habe sie gehört, dächten daran wegzuziehen.

„Wir haben seit vielen Jahren hier in Dachau immer wieder ein Problem mit Saatkrähen“, erklärt Stadtbaudirektor Michael Simon. Bisher seien der Stadt Nistplätze in der Augustenfelder Straße, der Schleißheimer Straße sowie in der unmittelbaren Umgebung der Spielplätze in der Gröbenrieder Straße und der Jakob-Kaiser-Straße bekannt. Die Kolonien würden sich „eben da aufhalten, wo große Baumgruppen sind“, sagt Simon.

Dass das Problem mit den Vögeln immer größer wird, liege laut Simon daran, dass sie sich ihre Nistplätze aufgrund der Intensivierung der Landwirtschaft immer häufiger in der Stadt suchen würden. Denn so konfus es klingt: Auf dem Land finden sie aufgrund der Verwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln (Biozide) nicht mehr genügend Nahrung.

Die Beschwerden häufen sich insbesondere von März bis Juni – während der Brutzeit der Tiere. Doch die Stadt bleibt nicht tatenlos: „Bei der Obersten Naturschutzbehörde haben wir um die Erlaubnis gebeten, sogenannte Vergrämungsmaßnahmen vornehmen zu dürfen“, sagt Michael Simon. Für die Standorte in der Augustenfelder Straße sowie an den beiden Spielplätzen habe die Stadt die Erlaubnis dafür erhalten, berichtet der Stadtbaudirektor. „Zu solchen Maßnahmen gehört zum Beispiel die Beseitigung von Nestern, aber auch das Aufhängen von CDs, die eine ähnliche Wirkung wie Vogelscheuchen auf die Tiere haben.“ Die Erlaubnis gilt bis zu diesem Frühjahr. Für die Folgejahre werde man diese erneut beantragen, beruhigt Simon.

Nachdem das Stadtbauamt von den Problemen in der Pollnstraße erfuhr, prüften Mitarbeiter die Angelegenheit vor Ort. Dabei stellten sie jedoch fest, dass sich die Nistplätze dort auf privaten Bäumen befinden. Hier könne die Stadt nichts unternehmen, sagt Simon.

Bei all dem Lärm und Schmutz dürfe man laut Simon aber auch nicht vergessen, dass es sich bei den Saatkrähen um geschützte Tiere handelt: „Die Vögel sind an und für sich sehr gut für unser Ökosystem.“ Denn: Krähen, so sagen Experten, sind als Aasfresser wichtig.

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