Erklärt und motiviert: Rentnerin Heidrun Rogge hilft Karlsfelder Grundschülern seit fünf Jahren bei den Hausaufgaben. Die Kinder sind ihr dafür dankbar. Foto: hab

"Du schaffst das!"

Karlsfeld - An der Verbandsgrundschule (VGS) Karlsfeld gibt es seit fünf Jahren eine ehrenamtliche Hausaufgabenbetreuung. Initiatorin Heidrun Rogge (73) will damit schwächeren oder aus dem Ausland stammenden Schülern eine Chance auf bessere Noten ermöglichen. Die Kinder nehmen das Angebot dankbar an.

Heidrun Rogge ist nach eigenen Worten in ihre Tätigkeit „hineingerutscht“. Im Jahr 2007 war sie von der evangelischen Epiphanias-Gemeinde in Allach angesprochen worden, ob sie nicht Lust hätte, ehrenamtlich die Kinder von Asylbewerbern bei deren Hausaufgaben zu betreuen. Die ehemalige Bürokauffrau und Mutter zweier Söhne fackelte nicht lange und machte sich mit den Kindern ans Werk. Schon nach wenigen Wochen merkte sie: „Die Kinder brauchen das wirklich, ich kann ihnen helfen!“

Bei Heidrun Rogge reifte daraufhin eine Idee: „Warum so weit fahren? Warum sollte das Projekt nicht auch hier in Karlsfeld funktionieren?“ Sie ging zur Schule in ihrer nächsten Nachbarschaft, der Verbandsgrundschule an der Schulstraße, und sprach bei Rektorin Ursula Weber vor. Wenig später war ein Projekt geboren, das landkreisweit einzigartig ist: eine kostenlose Hausaufgabenbetreuung, die montags bis donnerstags, jeweils von 13.30 bis 15 Uhr, von einem Kreis ehrenamtlicher Helfer angeboten wird. Daran teilnehmen dürfen Kinder, die aufgrund ihrer schwachen schulischen Leistungen von den jeweiligen Klassenlehrern empfohlen wurden.

Anfangs, erzählt Schulleiterin Weber, seien die Eltern noch skeptisch gewesen, nur sechs Kinder hätten im Schuljahr 2008/2009 das Angebot angenommen. Heute habe sich die Hausaufgabenbetreuung etabliert, „es gibt sogar Eltern, die von sich aus kamen“, berichtet Weber. Für die Rektorin liegen die Vorteile des Projekts auf der Hand: „Die Kinder machen zuverlässig Hausaufgaben. Und ihre schulischen Leistungen profitieren davon.“

Tatsächlich bleiben die 14 Grundschüler gerne am Nachmittag in der Schule, um mit Rogge und ihrem Team vor allem im Fach Deutsch zu lernen. Der neunjährige Tarek (Name geändert, die Red.) aus der vierten Klasse etwa berichtet stolz, dass er im Diktate Schreiben „viiieeel“ besser geworden sei. „Ich habe sogar schon eine Drei bekommen“, erzählt der Bub freudestrahlend. Und im Vergleich zu seiner Lehrerin, schiebt er verschmitzt hinterher, seien die Hausaufgabenbetreuer auch nicht so streng.

Alles aber dürfen die Kinder sich freilich nicht erlauben bei ihren Helfern, in Absprache mit der Schule lässt sich Heidrun Rogge durchaus auch erzieherische Maßnahmen für ihre Zöglinge einfallen. Klar, die Kinder dürfen nicht stören, nicht raufen oder sich beleidigen. Darüber hinaus gilt aber auch ein striktes Handy-Verbot in der Nachmittagsklasse. „Wir wollen einfach jede Ablenkung vermeiden“, erklärt Rogge die Maßnahme - wobei sie gerade in den modernen Kommunikationsmitteln oft den Grund für die Konzentrationsschwäche der Schüler sieht: „Früher waren die Kinder draußen und haben gespielt. Heute haben viele einen Fernseher oder einen Computer im Zimmer. Da kommen sie kaum noch zur Ruhe.“

Nichtsdestotrotz bereut Rogge ihre Hausaufgaben-Initiative nicht, im Gegenteil. Für die Rentnerin und ihre meist gleichaltrigen Kollegen ist die Tätigkeit mit den Kindern ein „Mosaikstein, der das Leben bunt macht“. Die Schüler seien „so dankbar“ und würden damit ihren Betreuern „viel zurückgeben“.

Im Amper-Tauschring und der Kornelius-Kirchengemeinde hat Heidrun Rogge bereits zahlreiche Unterstützer für ihr Projekt gefunden. Angesichts wachsenden Bedarfs sucht sie aber nach weiterer Verstärkung. Interessenten, betont sie, bräuchten weder eine pädagogische Ausbildung noch ein großes Zeitbudget. Einzige Voraussetzung ist „ein freundlicher Umgang mit Kindern“. Je öfter und regelmäßiger ein Betreuer Zeit hat, um so besser.

Rogge selbst hat über die Jahre eine echte Bindung zu den Kindern aufgebaut. „Manche“, erzählt sie gerührt, „grüßen mich auch nach Jahren noch auf der Straße“.

Stefanie Zipfer

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