Gruppenarbeit: Diese Jugendlichen beschäftigten sich mit den Außenlagern des KZ. foto: mhz

Das Schicksal der Sinti und Roma

Dachau - In Arbeitsgruppen beschäftigen sich die Teilnehmer der Internationalen Jugendbegegnung in Dachau mit Themen rund um das KZ Dachau.

Claudia Fortunato steht an der Tafel und ringt mit den Worten. Die Laiendarstellerin spielt eine Lehrerin, die gerade von einem ihrer Schüler erfahren hat, dass dessen Opa im KZ gestorben ist. „Ach stimmt, du bist ja ein Zigeuner“, ist ihre unbeholfene, aber auch despektierliche Reaktion. Als ein anderer Schüler fragt, wer „Zigeuner“ denn sind, entgegnet die Lehrerin unsicher: „Zigeuner sind ein fahrendes Volk. Sie leben in Wohnwagen und verkaufen Teppiche auf der Straße.“ Da unterbricht sie einer der Schüler und sagt mit fester Stimme: „Meine Eltern sind Roma. Sie leben in einer Eigentumswohnung am Stadtpark und sind ganz normale Angestellte!“

Claudia Fortunato ist Studentin an der Universität Potsdam. Sie nahm sechs Tage lang an der Jugendbegegnung des Deutschen Bundestages zum Thema „Die Opfer des Nationalsozialismus im Konzentrationslager Dachau: von den Anfängen des Terrors bis zum Massenmord“ teil. Mit ihrer Arbeitsgruppe erforschte sie das Schicksal der Sinti und Roma im Konzentrationslager Dachau. Anschließend stellten die Jugendlichen den anderen Teilnehmern im Max-Mannheimer-Studienzentrum ihre Projektergebnisse vor. „Unsere Aufführung von Walter Moers sollte deutlich machen, dass es seit der NS-Zeit in unserer Gesellschaft immer noch Vorurteile gegenüber Sinti und Roma gibt“, so die 22-jährige Claudia Fortunato.

Insgesamt nahmen 80 Jugendliche unterschiedlicher Nationalitäten an der Begegnung teil. Der erste Teil der Begegnung fand im Internationalen Jugendgästehaus Dachau statt. Dort wurden die Jugendlichen in sechs Arbeitsgruppen eingeteilt, die sich unter anderem mit den Themen „Sinti und Roma“, „Jüdische Häftlinge im KZ Dachau“ oder „Die Außenlager des KZ Dachau“ beschäftigten. Der zweite Teil der Begegnung fand in Berlin statt. Dort gedachten die Teilnehmer im Deutschen Bundestag der Opfer des Nationalsozialismus.

„Am meisten war ich von unser Gruppenarbeit beeindruckt“, erklärte Claudia Fortunato in Bezug auf die Jugendbegegnung in Dachau. „Unsere Kommilitonen waren offen und interessiert, es kamen gute Diskussionen zustande.“ Als beispielsweise die Arbeitsgruppe „Die Außenlager des KZ Dachau“ ihr Projekt vorstellte und die Beschäftigung von Zwangsarbeitern in dem BMW-Werk in Allach ansprach, fragte eine Französin: „Welche Strafe hat BMW dafür bekommen? Denn in Frankreich wurde der Autokonzern Renault nach dem Krieg wegen seiner Kollaboration mit den Deutschen verstaatlicht.“

Daraufhin entwickelte sich eine heftige Diskussion über die Aufarbeitung der NS-Verbrechen in Deutschland. Es wurde angeprangert, dass das Unternehmen BMW noch keine Reparationszahlungen geleistet hat.

In Bezug auf Dachau bedauerten die Jugendlichen auch, dass es kein Mahnmal auf dem heutigen Gelände der Bereitschaftspolizei gibt. Dadurch würde nicht klar werden, dass dort einst die Baracken des ehemaligen SS-Übungslager standen.

Insgesamt fanden die meisten Teilnehmer, dass die Begegnungstage sehr interessant waren. Claudia Fortunato wünschte sich für die Zukunft, „dass die Mitglieder meiner Arbeitsgruppe andere Menschen über das Leben der Sinti und Roma aufklären und damit Vorurteile abbauen“.

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