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Grandioses Orchester, begeisternder Oboist: die Prague Philharmonia und der Spanier Ramón Ortega Quero.

Viel Gefühl und Temperament

Schlosskonzert begeistert

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Dachau - Gefühlvolles, temperamentvolles und zugleich technisch ausgezeichnetes Spiel bekamen die Zuhörer beim jüngsten Dachauer Schlosskonzert geboten. Die Prague Philharmonie und Weltklasse-Oboist Ramón Ortega Quero ließen keine Wünsche offen.

Ein höflicher Applaus, nicht zu lange, schließlich treten die Musiker später noch einmal auf, und die Zuschauer sind schon etwas durstig. So läuft es normalerweise vor der Pause bei einem Konzert ab. Beim jüngsten Schlosskonzert war das anders. Dort gab es keinen kurzen Applaus – sondern das Publikum klatschte, und klatschte, und klatschte. So begeistert waren die Zuhörer von der Musik der Prague Philharmonia und besonders von den Künsten von Ramón Ortega Quero.

Der Spanier gilt als einer der besten Oboisten seiner Generation. Er hat auf den wichtigsten Bühnen Europas gespielt und ist mittlerweile Solo-Oboist beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

Beim Schlosskonzert trat er zwei Mal auf, beide Male begeisterte er das Publikum. Vor der Pause spielte er das Oboen-Solo beim Konzert für Oboe, Streicher und B.c. in a-Moll BWV 1041 von Johann Sebastian Bach. Über weite Passagen hinweg hielt sich das Orchester dabei sehr im Hintergrund. Die Begleitung der Streicher wurde zum Fundament für das sehr gefühlvolle Spiel von Ramón Ortega Quero. Die teilweise sehr eingängigen, teilweise aber auch sehr melancholischen Melodien berührten das Publikum und belegten die Ausdrucksstärke des Oboisten.

Auch bei seinem zweiten Auftritt überzeugte Ramón Ortega Quero. Bei Giuseppe Sammartinis Konzert für Oboe, Streicher und B.c. in D-Dur bewiesen die vielen schnellen und lebendigen Läufe, die oft über mehrere Oktaven reichten, das technische Können. Das ist umso bemerkenswerter, da Ramón Ortega Quero komplett auswendig und ohne Noten spielte.

Sein ganzer Körper ging bei seinem Spiel mit, wenn er bei den reinen Orchesterpassagen gerade einige Takte Pause hatte, war ihm förmlich anzusehen, wie er auch er geistig in der Musik seiner Kollegen versank.

Tatsächlich war auch das Spiel der Prague Philharmonia ein Hörgenuss. Das Orchester spielte vor allem Stücke aus dem Barock. Es kamen Werke von Antonio Vivaldi, Georg Philipp Telemann, Johann Sebastian Bach und Carl Philipp Emanuel Bach zur Aufführung.

Immer wieder zeigte sich die Vielseitigkeit der Musiker. Der musikalische Ausdruck und die Dynamik waren sehr diffizil ausgearbeitet. Manchmal klang das Orchester richtig kräftig, wuchtig, teilweise sogar ein wenig aggressiv. Andere Stellen waren wiederum leicht, locker, grazil und tänzerisch. Der Gegensatz verdeutlichte sich des öfteren in einem Echo-Spiel, etwa zwischen hohen und tiefen Streichinstrumenten.

Beeindruckend war auch die Leistung der Solisten. Im Wechsel mit Tutti-Passagen trat bei den Soli der individuelle Charakter der verschiedenen Instrumente zu Tage.

Der Charakter des Publikums wurde am Ende des Konzerts noch einmal spürbar. Da bot sich den Musikern zum zweiten Mal langanhaltender und begeisterter Applaus.

So manch einer hatte da wohl auf eine Zugabe gehofft – doch dieser letzte Wunsch erfüllte sich nicht. Als auf dem Programmheft Schluss war, war wirklich Schluss. Endgültig.

cla

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