Schnauferl und Glöckerl

Hirschenhausen - Der kleine Ort Hirschenhausen wurde zum Mekka tausender Oldtimerfreunde aus der Region: 520 strahlend herausgeputzte Klassiker glänzten im Sonnenschein beim 9. Oldtimertreffen. Dabei war alles: vom Cadillac bis hin zum Schlüter.

In Massen tuckelten die Oldtimer aus allen Himmelsrichtungen nach Hirschenhausen - was in erster Linie sicherlich am herrlichen Sommerwetter lag. 180 Motorräder, 140 Automobile und 200 Bulldogs wurden registriert, berichtete der Vorsitzende der Oldtimerfreunde Hirschenhausen Helmut Hecht. Die Lieblinge ihrer Besitzer standen dort, allesamt fein herausgeputzt - unzählbare Stunden Restaurieren stecken dahinter.

Deutlich zugenommen hat die Zahl der Automobile, die aus sechs verschiedenen Landkreisen gekommen sind. Ein Blickfang war der schwarze MG von Gabi und Wolfgang Meinolf aus Unterschleißheim, der erstmals 1952 auf die Straßen rollte. Viele Besucher schwärmten auch von dem 61 Jahre alten Cadillac Fleetwood und einem Ford Mustang, der 42 Jahre auf dem Buckel hat, aber dasteht wie neu - mit 250 PS.

Dass vor dem Zweiten Weltkrieg auch die Aero Flugzeugwerke in Prag Autos gebaut haben, beweist der Sportwagen von Horst Schlag. Dieses Fahrzeug, ein Zweizylinder-Frontantrieb mit 30 PS, ist der Stolz des Gröbenzellers, wenngleich es nur Spitzengeschwindigkeiten von 85 km/h schafft. Zu den kleinsten gehörte der Messerschmitt-Kabinenroller (10 PS) von Beate Burget aus Aresing. Und dazwischen standen, wie Babys im Reich der Automobile, die vielen Gogomobile da.

Franz-Josef Karchhammer aus Hilgertshausen sammelt schon seit vielen Jahren Oldtimer, steigt nun aber von Automobilen aufs Motorrad um. So veräußerte er seinen DKW F 012, Baujahr 1965, an den Vize-Vorstand bei den Dachauer Oldie-Freunden, Hans Böck aus Schwabhausen. Von diesem begehrten Fahrzeug laufen weltweit nur noch 50 Stück, weitere 50 befinden sich bereits in Museen. Karchhammer freute sich dagegen riesig über seine Harley Davidson WL 750, die schon 70 Jahre alt und mit Beiwagen ausgestattet ist. „Die geht wie ein Glöckerl“, schwärmt er von dieser tollen Maschine.

Ein absoluter Blickfang war eine Indian Scout aus dem Jahr 1924 mit einer Leistung von 10 PS. Genauso alt ist die Raleigh von Anton Kreitmair aus Obermauerbach, ein echtes Schnauferl. Zu bestaunen gab es auch eine 18-PS-Harley aus dem Jahre 1927.

Die Bulldogfreunde sind in Hirschenhausen auch nicht zu kurz gekommen. Mehrere Vereine aus der Umgebung haben auf uralten Traktoren den Hirschenhausern die Ehre gegeben. Die Bullogfreunde aus Indersdorf sind gleich mit zwölf uralten Traktoren in die Nachbargemeinde gefahren. Ältester Bulldog der Indersdorfer war der 20-PS-Lanz von Alto Keller aus Deutenhofen, der 1939 gebaut wurde und früher in der Hallertau im Einsatz war. Ein Traum-Bulldog für Oldie-Freunde ist freilich auch der Schlüter von Anton Osterauer aus Ebersbach. Dieser 25-PS-Traktor, der 1954 gebaut wurde, leistete jahrzehntelang in der Landwirtschaft des Franziskuswerks Schönbrunn wertvolle Arbeiten. Osterauer hat diesen Schlüter zusammen mit seinen Schwagern Georg und Andi Loderer in unzähligen Stunden komplett restauriert. Zur Freude seiner Enkel, denn die durften voller Stolz mit Opa in Hirschenhausen vorfahren.

Viele Bewunderer gab es auch vor dem Huber-Traktor, der 1949 in einer Schmiedewerkstatt in Bad Kötzting aus Armeebeständen zusammengebaut wurde. Heute besitzt ihn der Hirschenhausener Bulldog-Matador Erwin Stegmair, der diesem ungewöhnlichen Bulldog eine Brennholzkreissäge mit Holzspalter (Verdampfer-Motor) angehängt hat, und die Gerätschaften mit einem Schwung-Motor ausgestattet hat. Dass es dabei kräftig rauchte, wurde von den vielen Oldtimer-Fans billigend in Kauf genommen.

Ein 50 Jahre alter Claas-Mähdrescher erinnerte an die damalige Erntezeit. Dieser Mähdrescher vom Typ Columbus, der mit einem VW-Käfer-Motor bestückt ist, wurde 2003 von dem schon verstorbenen Hirschenhauser Helmut Stichlmair von Grund auf restauriert.

Das diesjährige Rahmenprogramm ließ vor allem für die Kinder keine Wünsche offen. Die Minitruck-Vorführung begeisterte Jung und Alt, dazu gab es eine große Hüpfburg, ein Bungee-Trampolin und ein Spielzeugstand. Hochbetrieb herrschte angesichts des großen Ansturms auch in der Festküche.

(ost)

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