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Ein Schrank voller kurioser Geschichten

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Die Hüterin der verlorenen Dinge: Astrid Simkaitis bewahrt all das auf, was andere irgendwo in Karlsfeld verloren haben – und ermittelt manchmal sogar den Eigentümer. kwo
Die Hüterin der verlorenen Dinge: Astrid Simkaitis bewahrt all das auf, was andere irgendwo in Karlsfeld verloren haben – und ermittelt manchmal sogar den Eigentümer. kwo

Karlsfeld - Astrid Simkaitis hat schon viele erleichterte Menschen gesehen. Sie arbeitet seit 33 Jahren im Karlsfelder Fundbüro. In diesen drei Jahrzehnten hat sie sich oft gewundert, manchmal gelacht und einige Male sogar Detektiv gespielt.

Eine Geschichte gibt es, die erzählt Astrid Simkaitis besonders gern. Sie handelt von dem wohl kuriosesten Fundstück, das jemals in ihrem Büro im Karlsfelder Rathaus abgegeben wurde: ein Gebiss. Nun könnte man glauben, dass Gebiss-Verluste im Alltag eher selten vorkommen. Anscheinend nicht. Gleich vier Senioren schienen damals auf der Suche nach ihren dritten Zähnen zu sein und kamen bei Astrid Simkaitis im Fundamt vorbei, um das abgegebene Gebiss etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Einer von ihnen erkannte schließlich sein Eigentum wieder - und ging mit einem strahlenden Lächeln nach Hause.

Es war ein Arbeitstag, der der Karlsfelderin gut im Gedächtnis geblieben ist. Zähne bekommt sie nicht alle Tage auf den Schreibtisch. Die Klassiker sind eher Handys (besonders zur Siedlerfestzeit), Schmuck (vor allem während der Badesaison) und Geld in allen Variationen. Steckt es in Geldbeuteln, findet sich oft ein Indiz auf den Besitzer. Dann reicht manchmal ein Anruf, und Astrid Simkaitis hat jemanden sehr glücklich gemacht.

Die Zeit, um allen Fundstücken zurück zu ihren Besitzern zu helfen, hat sie nicht. Aber wenn Dinge bei ihr landen, die einen großen ideelen Wert haben, dann wird die Karlsfelderin manchmal zur Detektivin. Bei Eheringen zum Beispiel. So einen Fall hatte sie vor ein paar Jahren im Sommer. „Die Ringe sind damals am Karlsfelder See gefunden worden“, erinnert sie sich. „Wahrscheinlich vor dem Baden abgelegt und dann vergessen.“ Zwei Vornamen und ein Hochzeitsdatum waren eingraviert. Engagiert verbrachte Simkaitis einen Vormittag am Telefon und fragte in den Standesämtern der umliegenden Gemeinden nach, ob ein Paar mit diesen Vornamen zu diesem Datum geheiratet hatte. Mit Erfolg. Einige Tage später steckten die beiden Ringe wieder an den Fingern eines glücklichen Ehepaares.

Doch nicht alle Menschen lassen sich ihre Erleichterung anmerken, berichtet Simkaitis. „Manchmal hören wir hier nichts außer einem zögerlichen Danke.“ Dann gibt es aber auch wieder die anderen. Die, denen man sichtlich ansieht, dass ihnen ein Stein vom Herzen fällt, wenn der Hausschlüssel oder der Geldbeutel mit allen Papieren wieder da ist. „Meistens sind das ältere Leute.“ Sie erinnert sich an eine Rentnerin, die so glücklich war, ihr Portemonnaie wieder zu haben, dass sie das gesamte Geld als Finderlohn verschenken wollte. Astrid Simkaitis konnte sie davon abhalten. Denn nur fünf Prozent stehen dem ehrlichen Finder zu - die allerdings müssen auch gezahlt werden.

Katrin Woitsch

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