Franz Xaver Böck . br

Er schrieb gegen die Politik der Nazis

Dachau - Heute ist der 70. Todestag des ehemaligen Bürgermeisters Franz Xaver Böck.

Franz Xaver Böck stammte aus einer der ältesten Dachauer Familien. Er und sein gleichnamiger Sohn waren im 20. Jahrhundert hier Bürgermeister. Stadtarchivar Bräunling hält es für durchaus möglich, dass Franz Anton Pöckh, im 18. Jahrhundert Dachauer Bürgermeister, ein Vorfahre der Familie war.

Der 1869 geborene Franz Xaver Böck fühlte sich schon frühzeitig hingezogen zur „schwarzen Kunst“ und nachdem er seine Lehrzeit beim „Amperbote“ mit bestem Erfolg beendet hatte, blieb er eine Reihe von Jahren als tüchtiger Faktor der Zeitung treu. Im damaligen Kaufhaus Scharl hatte er seine Lebensgefährtin kennengelernt, die Verkäuferin Käthe Robl. Vier Söhne und eine Tochter entstammten dieser glücklichen Ehe. 1998 machte sich Böck selbständig und gründete das „Dachauer Volksblatt“ (Nach dem Zweiten Weltkrieg „Dachauer Volksbote“). Der Betrieb befand sich ursprünglich im Rückgebäude des Schreibwarengeschäftes Teufelhart (Pfarrstraße) und wurde später in die Wieningerstraße verlegt.

Der Buchdruckermeister, Verleger und Redakteur schloss sich dem 1905 in Dachauer gegründeten SPD-Ortsverein an, seine Zeitung wurde dadurch auch ein Sprechrohr der Partei. 1919 wurde Böck zum Bürgermeister gewählt und führte den Markt Dachau durch die schweren Jahre nach dem Ersten Weltkrieg bis 1924. 1925 löste ihn der erste berufsmäßige Bürgermeister Dachau, Georg Seufert ab.

1929 wurde Böck zum Zweiten Bürgermeister gewählt und nutzte natürlich seine Zeitung, gegen die Politik der Nationalsozialisten zu schreiben. Als er dann, ebenso wie Seufert, nach der Machtergreifung Hitlers am 10. März 1933 gegen das Hissen der Hakenkreuzfahne auf dem Rathaus protestierte, hatte das Folgen: Böck musste seinen Posten räumen und wurde zum „freiwilligen Rücktritt“ gezwungen.

Sohn Franz Xaver wurde anstelle des inzwischen 64-jährigen Vaters für einige Wochen in Haft genommen. Seufert wurde zwar NS-Mitglied, wurde aber 1934 geschasst. Das „Dachauer Volksblatt“ musste nun ebenfalls „gleichgeschaltet“ berichten, musste aber schon 1943 sein Erscheinen einstellen.

Am 22. September 1944, also vor 70 Jahren, starb Franz Xaver Böck senior nach kurzer, schwerer Krankheit. Zwei der drei an der Front stehenden Söhne konnten zur Beerdigung kommen. Offensichtlich durfte der ebenfalls „gleichgeschaltete“ Amperbote in seinen beiden kurzen Nachrufen nicht einmal erwähnen, dass Böck Dachauer Bürgermeister war.

(br)

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