Ein Schubs für Mutige

Dachau - Im Landkreis Dachau wagen immer weniger Menschen den Sprung in die berufliche Selbständigkeit. Mit dem Info- und Aktionstag „Existenz 2015“ am 31. Januar in Dachau soll dieser Trend beendet werden.

Eigentlich ist es ein gutes Zeichen, wenn die Zahl der Unternehmungsgründungen sinkt. Laut Christine Unzeitig, stellvertretende Vorsitzende des IHK-Gremiums Dachau-Fürstenfeldbruck, bedeutet dies nämlich nichts weniger, als dass die hiesige Wirtschaft brummt. Ein stabiler Arbeitsmarkt, auf dem quasi Vollbeschäftigung herrscht, böte Fachkräften in Unternehmen hervorragende Verhandlungspositionen. Und wer eine gut bezahlte Festanstellung hat, wagt Unzeitig zufolge einfach seltener den Sprung ins „Abenteuer Selbständigkeit“.

In Zahlen bedeutet dies: Gab es im Jahr 2010 im Landkreis Dachau noch 1693 Neugründungen, entschlossen sich 2013 nur noch 1384 Menschen (meist Männer) zu diesem Schritt. Und dieser Abwärtstrend, der übrigens im gesamten Ballungsraum München zu beobachten ist, hält weiter an.

Für viele Menschen bedeutet berufliche Selbständigkeit laut Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) jedoch „mehr als nur eine Arbeitsform. Es ist eine Lebensform. Es bedeutet Unabhängigkeit und den besonderen Reiz, sein eigener Chef zu sein“. Berufliche Selbständigkeit bedeute aber auch ein hohes Risiko; laut Caritas rangiert sie hinter Scheidung und Krankheit auf Rang drei der Liste mit den häufigsten Ursachen für Verschuldung im Landkreis.

Denn längst nicht alle Neugründungen enden in einer Erfolgsgeschichte. Im Handwerk etwa verschwinden 50 bis 70 Prozent aller Neugründungen im Lauf von fünf Jahren wieder vom Markt. Grund: Der Firmenstart war nicht sorgfältig geplant, die Marktlage falsch eingeschätzt oder die Finanzbuchhaltung nicht in den Griff zu bekommen. Für Christine Unzeitig ist der Fall klar: „Je besser vorbereitet ein Gründer an den Start geht, umso höher sind seine Überlebenschancen am Markt.“

Dass es sich ein Landkreis wie Dachau heutzutage gar nicht mehr leisten kann, sich auf seinen Wohlstands-Lorbeeren auszuruhen, weiß Landrat Stefan Löwl: „Der Kampf um die Köpfe hat längst begonnen.“ Innovationen, umgesetzt von jungen und mutigen Menschen, hielten den Wirtschaftsmotor - nicht nur in der Region - am Laufen. Aufgabe guter Wirtschaftsförderung sei es daher, „schlummernde Talente herauszukitzeln“.

In einer konzertierten Aktion wollen daher IHK, Handwerkskammer sowie die Wirtschaftsförderungen in Stadt und Landkreis Dachau ein geballtes Infoangebot sowohl für Gründungsinteressierte als auch Jungunternehmer schaffen: „Existenz 2015“ lautet der Name der Messe, die am 31. Januar im Dachauer Hotel „Tulip Inn“ von 9.30 bis 16.15 Uhr stattfindet. Die Besucher bekommen dort, so verspricht es Harald Hof von der Industrie- und Handelskammer, „alle Infos an einem Tag an einem Ort“. Auf dem Programm stehen Vorträge unter anderem über steuerliche Rahmenbedingungen, die Erstellung von Businessplänen oder öffentliche Finanzierungshilfen. Wer es richtig anstellt, so Hof, könnte an diesem Tag eine Rundum-Beratung bekommen, für die er beispielsweise in Kanzleien mehrere Tausend Euro zahlen müsste.

Ziel der Messe, so Landrat Löwl, sei es denn auch, Existenzgründern nicht nur einen „Schubs zu geben, sondern sie auf Dauer anzuschieben“.

Die „Existenz 2015“ findet am Samstag, 31. Januar, von 9.30 bis 16.15 Uhr im Hotel Tulip Inn (Newtonstr. 8) in Dachau statt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Weitere Infos unter www.muenchen.ihk.de/dachau. Unabhängig von der Messe gibt es in Stadt und Landkreis Dachau ein umfangreiches Beratungsangebot in Form von Sprechstunden und monatlichen Beratungstagen.

Stefanie Zipfer

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