Sie war einst das Aushängeschild der königlich-privilegierten Hauptschützengesellschaft München 1406 (HSG): Sonja Pfeilschifter. Im Herbst 2013 kehrte die mehrfache Weltmeisterin dem Verein den Rücken. Jetzt wechselte der ganze Verein vom Schützengau Sendling in den Gau Dachau.

Streit im Bayerischen Sportschützenbund

600 Schützen flüchten nach Dachau

München/Dachau – Die königlich-privilegierte Hauptschützengesellschaft München ist in einen anderen Gau gewechselt – aus sportlichen Gründen. Die Folge: Der Schützengau Sendling wurde aufgelöst. Für viele ein Skandal.

Elmar Schmid wollte seinen Mitgliedern mehr bieten. Mehr Wettkampf, mehr Konkurrenz, mehr Abwechslung. „Die Möglichkeit, in verschiedenen Disziplinen zu schießen, war im Bezirk München nicht gegeben“, erklärt der Schützenmeister der königlich-privilegierten Hauptschützengesellschaft München 1406 (HSG). Keine Sommerbiathlon-Gruppe, kein Rundenwettkampf für Auflageschützen – und das, obwohl die HSG der größte Schützenverein Deutschlands ist. Mit über 600 Mitgliedern, „so viel hatten wir noch nie“, fügt Schmid stolz hinzu.

Also hatte die HSG eine Idee: Warum nicht einfach zusammen mit seinem Schützengau Sendling in den Bezirk Oberbayern wechseln? Dort gibt es alles, was das Schützenherz begehrt. Doch: „Das hat uns der Bayerische Sportschützenbund versagt“, berichtet Schmid. Also: Hat die HSG eben den Gau gewechselt. Von Sendling nach Dachau. Das geht, einfach so ganz ohne Erlaubnis des Bayerischen Sportschützenbunds (BSSB). Denn: Die Schützenvereine sind selbstständig, erklärt Sendlings Gauschützenmeister Kurt Bürgermeister. „Da kann man fast nichts machen, auch wenn ich mich quer gestellt hätte.“

Hat er aber gar nicht. Denn Bürgermeister ist selbst beim HSG und war Feuer und Flamme für den Bezirkswechsel. Er hatte im vergangenen Frühjahr das Schreiben an den BSSB geschickt, in dem er den Bezirkswechsel seines Gaus beantragte. Doch dann hat nicht nur der Bezirkswechsel nicht geklappt – nun wurde auch noch der gesamte Gau aufgelöst. Seit Mittwoch hat Bürgermeister es schwarz auf weiß: Der Landesausschuss des BSSB hat dem Antrag des Bezirks München zugestimmt, dass der Gau Sendling von nun an dem Gau Süd-Ost zugeordnet wird. 120 Jahre – einfach weg. „Auf Tradition gibt anscheinend niemand mehr was“, ärgert sich Bürgermeister. „Der BSSB schon gar nicht.“ Noch deutlicher wird Michael Kopp, Schützenmeister des Vereins „Die Hirschen“, der ebenfalls dem Sendlinger Gau angehörte: „Das ist ein Skandal. Es ist nicht richtig, dass man solch einen alten Gau auflöst.“ Aus dessen Reihen vor vielen Jahren auch der BSSB gegründet wurde. Doch just dieser BSSB ist für die Auflösung des Gaus verantwortlich. Denn er hat im Herbst schlagartig seine Geschäftsordnung geändert: Seit dem 17. November 2014 hat die BSSB-Geschäftsordnung unter Paragraf 4 plötzlich einen neuen Absatz 5, in dem steht, dass der Landesausschuss Gaue zusammenlegen kann. Nur so konnte der Gau Sendling dem Gau Süd-Ost untergeschoben werden. „Süd-Ost ist für mich nichtssagend“, ärgert sich Kopp. „Die sollen das wieder rückgängig machen.“ Danach sieht es jedoch nicht aus.

Der BSSB-Geschäftsführer Alexander Heidel betonte, dass die Geschäftsordnung „halt hin und wieder geändert wird“. Als Grund wird angeführt, dass der Gau durch den HSG-Weggang nur noch unter hundert Mitglieder hatte. Was für den Gauschützenmeister Bürgermeister nicht als Argument gilt: „Wenn wir für einen Gau zu wenig Mitglieder haben, dann müsste der Bezirk München schon längst geschlossen werden.“ Denn der hat etwa 8000 Mitglieder – der Bezirk Oberbayern hat rund 160 000. „Ein Gau kann immer überleben“, sagt auch Kopp, „ob es nun 50 oder 500 Mitglieder sind – es kommt doch darauf an, was jeder Verein daraus macht.“

Wenigstens die HSG ist „sehr positiv angetan“, so Schmid – von ihrem neuen Schützengau. Der hat ihren Wunsch gerne erfüllt: Über so einen „sportlichen“ Verein freut sich Willi Lamm, Dachaus 2. Gauschützenmeister, „das ist eine Bereicherung für uns“. Und ein Verein mehr oder weniger macht im Schützengau Dachau nicht viel aus – nun sind es eben 71.

Nina Praun

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