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Sie haben es geschafft: Stefan Behr, Tochter Sabrina Behr-Barner und Birgit Behr (v.l.).

Neuanfang in Schwabhausen

Das zweite Leben einer Schreinerei

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Als damals Anfang des Jahres 2012 in Dachau alles in Schutt und Asche lag, waren die Zweifel bei Familie Behr groß, ob es mit der Schreinerei weitergehen könnte. Es ging weiter, auch wenn es ein hartes Stück Arbeit war. Inzwischen hat die Schreinerei SBS in Schwabhausen sogar expandiert.

Schwabhausen – Dieser Februarmorgen 2012 änderte alles. Die angemietete Schreinerei von Stefan Behr (49) in der Roßwachtstraße in Dachau brannte nieder. Wenn er heute daran denkt, spricht er von einem „bösen Erwachen“ – 400 Quadratmeter lagen fast komplett in Schutt und Asche. Sachschaden: 800 000 Euro.

Schuld war wohl ein technischer Defekt im Büro, sagt der Dachauer: „Sicher ist aber: Es war keine Brandstiftung.“

Mittlerweile sitzt seine SBS-Systemmöbelschreinerei in Schwabhausen und feierte vor Kurzem das 25-jährige Bestehen. Aber der Wiederaufbau hat viel Kraft gekostet –vor allem der Ehefrau des Unternehmers, Birgit Behr (49). Sie erinnert sich, als sie vor der abgebrannten Halle stand: „Ich hab mir gedacht: Oh je, jetzt ist alles vorbei. Ich habe wirklich gezweifelt, ob es weitergeht.“

Im Jahr 1994 hatte sich Stefan Behr mit einer Schreinerei in einer kleinen Garage in Arzbach selbstständig gemacht. Ab 2006 schreinerte er mit vier Mitarbeitern in der Roßwachtstraße.

Das Aufgebaute wollte er sich durch den Brand nicht kaputtmachen lassen: „Am Morgen sind wir abgebrannt und abends haben wir mit den Mitarbeitern in einer Gaststätte besprochen, wie es weitergeht“, erzählt Birgit Behr.

Über den Großbrand – rund 100 Feuerwehrler waren damals im Einsatz – wurde in Radio, Zeitung und Fernsehen berichtet. Kurz darauf meldete sich das Jugendwerk Birkeneck bei Stefan Behr mit dem Vorschlag, sich in deren Schreinerei in Hallbergmoos einzumieten. Rund vier Tage danach war der Mietvertrag unterschrieben: „Und schon eine Woche nach dem Brand konnten wir wieder produzieren“, erzählt der Unternehmer.

Zu meistern blieb allerdings noch die Sache mit der Versicherung. Birgit Behr: „Wir hatten ja keine Leasing- oder Kaufverträge mehr von den Maschinen, ich musste erst mal beweisen, wie viel die Maschinen wert waren.“ Nach rund einem Dreivierteljahr wurde der Großteil des Schadens von der Versicherung beglichen.

Außerdem waren die Auftragsbücher und die meisten Rechnungen verbrannt: „Wir mussten uns also darauf verlassen, dass die Lieferanten uns etwas nicht zweimal berechnen.“ Heute kann Birgit Behr darüber lachen.

Auch die Aufträge mussten die Behrs wieder einholen – per Telefon, E-Mail oder persönlich und: „Es sind auch halb fertige Produkte verbrannt, die haben wir dann in vielen Überstunden nachgebaut.“

Aber es ging weiter. Nach vier Jahren in Hallbergmoos hat sich SBS in Schwabhausen weiter vergrößert, mittlerweile hat Behr 20 Mitarbeiter. Er steht nicht mehr in der Schreinerei, sondern kümmert sich darum, neue Kunden zu gewinnen. Zu den bekanntesten gehören etwa die Discothek P1 in München und die Bäckereikette Kistenpfennig. Hier hat SBS Theken und die Inneneinrichtung geschreinert.

Auch das Privathaus von Modedesigner Philipp Plein im schweizerischen Amriswil stattete Stefan Behr aus: „Ihm war es unter anderem wichtig, dass wir moderne Materialien mit Altholz kombinieren“, sagt Birgit Behr.

Es läuft. Und auch die Unternehmensnachfolge ist bereits geklärt. Tochter Sabrina Behr-Barner sitzt in der Geschäftsführung. Die 30-Jährige kümmert sich um das Betriebswirtschaftliche und die Unternehmenskommunikation.

Die drei haben ihre Büros nebeneinander, aber Birgit Behr betont: „Es ist auf jeden Fall anders als privat. Wir kommen uns da eigentlich nicht in die Quere. Jeder hat sein eigenes Aufgabengebiet.“ Und Sabrina Behr-Barner sagt: „Es schadet nie, wenn mal frischer Wind reinkommt.“

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