Menschen,  Auto
+
Unser Landkreis hilft zusammen! Lena-Marie und ihre Eltern Yvonne und Tobias Beigelbeck freuen sich über ihr neues Auto, mit ihnen freuen sich DN-Redaktionsleiterin Nikola Obermeier (links), Helli Strasser von Ois Easy (Zweiter von rechts) und Martin Richter (rechts), Marketing-Leiter der Volksbank Raiffeisenbank Dachau.

Das Auto für Lena-Marie ist endlich da!

  • vonChristiane Breitenberger
    schließen

Viele Menschen haben nach einer großen Spendenaktion für die schwerstbehinderte Lena-Marie auf diesen Moment hingefiebert: Das umgebaute Auto mit Rollstuhlrampe für Familie Beigelbeck aus Schwabhausen ist endlich da. Dieser Traum wurde nur wahr, weil wahnsinnig viele Menschen im Landkreis zusammengeholfen haben.

Schwabhausen – Irgendwie können sie ihr Glück noch nicht so ganz fassen: Mit viel Verspätung ist der Umbau ihres Autos endlich fertig. Seit gut einer Woche steht der Lena-Marie-Bomber, wie sie ihn nennen, zuhause bei Familie Beigelbeck Schwabhausen. Kennzeichen: natürlich LM für Lena-Marie. Sie ist die Tochter von Yonne und Tobias Beigelbeck, sieben Jahre alt und leidet an einem sehr seltenen Gendefekt. Sie ist schwerst mehrfach behindert. Ihre Lebenserwartung ist – viel zu kurz. Deswegen möchten ihre Eltern die Zeit, die ihnen zusammen bleibt, so schön wie möglich gestalten. Dazu war ein Auto mit integrierter Rollstuhlrampe nötig. Dieser Traum ging nun in Erfüllung. Aber nur, weil viele Menschen die Beigelbecks bei einer Spendenaktion unterstützt haben.

Die erste Fahrt im Dezember mit dem neuen Auto war der Wahnsinn. Es war Lena-Maries erste Fahrt in einem Auto mit Panoramadach. „Sie konnte gar nicht mehr aufhören zu lachen, hat ständig vor sich hin erzählt“, sagt Papa Tobias. Er ist sich sicher: „Sie hat mir genau erklärt, was sie alles dort oben am Himmel sieht.“ Es war ein guter Tag, dieser eiskalte Dezembermorgen mit blau weißem Himmel und Wintersonne, als sie das Auto zum Umbauen brachten. Seit einer Woche ist jetzt alles fertig.

Vor einem Jahr haben die Beigelbecks etwas gemacht, was ihnen nicht leicht fiel – auf Facebook teilen sie öffentlich ihre Geschichte. Denn: Bis hierhin hatten sie alles allein geschafft, doch die Anschaffung eines speziell umgebauten Autos mit Rollstuhlrampe war für das junge Paar nicht allein zu stemmen. Was dann passierte, zeigte: Sie müssen es auch gar nicht alleine schaffen.

Als die Dachauer Nachrichten von Lena-Maries Schicksal erfuhren, starteten sie zusammen mit der Partyband Ois Easy und der Volksbank Raiffeisenbank Dachau eine Spendenaktion. Die Resonanz im Landkreis war überwältigend: 45 000 Euro kamen im Sommer zusammen.

Jetzt wollten die Beigelbecks ihren Unterstützern das neue Auto präsentieren. Martin Richter von der Volksbank sagte bei der Besichtigung: „Es ist toll, dass man sieht, dass sich so viele Menschen einbringen. Obwohl es für die einzelnen, die mitgemacht haben, nicht viel ist, steht jetzt wirklich das Wunschauto da, weil so viele mitgemacht haben.“ Helli Strasser von Ois Easy betont: „Bei wichtigen Sachen sieht man: Unser Landkreis hilft zusammen!“ Die Beigelbecks sind begeistert von dem neuen Auto: „Man kann sich gar nicht vorstellen, was das für eine Erleichterung ist. Es ist ein ganz anderes Lebensgefühl“, beschreibt es Yvonne Beigelbeck. Kurze Mini-Ausflüge, um Kraft zu tanken, oder mal ein Wochenendtrip nach Leipzig, um Tobias Beigelbecks Familie zu besuchen – „das ist jetzt endlich wieder möglich“, sagt er. Die beiden tun sich schwer, in Worte zu fassen, wie dankbar sie für die Unterstützung sind. „Ohne Euch alle wäre das nicht möglich gewesen, wir sind Euch so unendlich dankbar“, sagt Mutter Yvonne an die vielen Unterstützer gerichtet.

Seit der Spendenaktion im Sommer ist bei Lena-Marie einiges passiert. Sie ist jetzt ein Schulkind. „Sie liebt die Schule über alles!“, sagt Yvonne Beigelbeck. Sie versteht ihre Tochter natürlich auch ohne Worte. „Sie ist viel aufgeweckter, wenn die dort war, lacht nachmittags viel mehr. Sie braucht die anderen Kinder um sich herum.“ Zur Zeit liebt sie es, wenn ihre Eltern ihr Geschichten vorlesen. „Wenn sie einen nach drei Kapiteln immer noch mit großen Augen angrinst, weiß ich: Ich muss weiterlesen“, sagt Yvonne Beigelbeck und lacht. Besonders gefällt Lena-Marie die Geschichte vom kleinen Gespenst.

Lena-Marie leidet an dem sehr seltenen Gendefekt D-bifunktioneller Proteinmangel. Dieser Gendefekt erklärt Lena-Maries Sehschwäche, die Schwerhörigkeit, die Krampfanfälle, die Rumpfmuskelschwäche, die ständige geistige Rückentwicklung. Die Siebenjährige kann sich kaum mehr alleine bewegen, braucht für alles Hilfe. Nur mit ihrem Lächeln „verzaubert sie uns immer wieder“, sagt Mama Yvonne. Dieser Gendefekt bedeutet auch, dass Lena-Marie nicht älter als 13 Jahre alt werden soll. Laut der Ärzte „hat sie schon ihren Zenit erreicht“, sagt Tobias Beigelbeck tonlos. Seine Frau fällt ihm ins Wort. „Schhhhhhhhht. Nicht jetzt.“ Dann schaut sie zu Lena-Marie und sagt: „Unsere Tochter ist eine Kämpferin.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare