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Ein Führerschein und ein Autoschlüssel liegen auf einem Fahrzeugschein.
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Am Gericht musste ein Autofahrer seinen Führerschein abgeben.

Junge Männer flüchten im BMW vor der Polizei – Fahrer verliert vor Gericht den Führerschein

„Die Tat ist an Dummheit kaum zu überbieten“

  • vonChristiane Breitenberger
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Flucht vor der Polizei im angetrunkenen Zustand hat Folgen

Schwabhausen – Baut der Bayer Mist, also so ordentlich, sagt er schnell: „Blöder geht’s nimma!“ Und der Mist, den Hans M. (19, Name geändert) gebaut hat, der gehört genau in diese Kategorie. Dafür musste er sich jetzt vor dem Amtsgericht Dachau verantworten. „Die Tat ist an Dummheit kaum zu überbieten“, sagte Richter Christian Calame in der Verhandlung.  

Der Fall ist so kurios wie schnell erzählt: Hans M., damals noch 18, trifft sich mit ein paar Kumpels in einem Stadl in Schwabhausen, die Burschen trinken was zusammen. Nur, dass man eben im Mai dieses Jahres nicht zusammen trinken darf – genau, die Corona-Regeln. Deshalb geht den Jungs ordentlich die Düse, als draußen jemand erzählt, dass die Polizei gerade da war. Also steigen M. und zwei Kumpels in M.s BMW und wollen nur weg. Dass M. bereits drei Halbe intus hatte, war ihnen in dem Moment egal. „Da sind wir alle durchgedreht“, sagt M. vor Gericht. „Das war wie eine Kurzschlussreaktion, da war viel Blödheit dabei.“ Doch richtig blöd – wie der Richter später sagte – war erst, was dann folgte.

Als M. auf die Hauptstraße in Schwabhausen fährt, biegt er genau vor einem Streifenwagen ein. Die Polizisten wollen das Auto anhalten, Routine, wie der Beamte vor Gericht sagt. Doch in dem Moment setzt es wohl bei Fahrer und Mitfahrern aus, M. drückt aufs Gas, alle im Auto sind sich einig: weg hier!

M. flüchtet erst Richtung Ortsausgang in Richtung Erdweg, heizt dann einen Feldweg entlang, die Polizei „kam mit unserem 3er-BMW kaum hinterher“, wie der Beamte vor Gericht sagte. Plötzlich mündet der Feldweg in einer T-Kreuzung, doch M. rast einfach weiter gerade aus in den Wald, der Wagen bleibt – glücklicherweise – sofort im Schlamm stecken und landet nicht an einem Baum. Und selbst jetzt ist die Verfolgung nicht zu Ende, M. und ein Freund hauen zu Fuß ab. Die Streife fordert Verstärkung und einen Hubschrauber an, als die Verstärkung eine halbe Stunde später die beiden jungen Männer an der Hauptstraße findet, bestellen die Beamten den Heli wieder ab. M. gesteht damals sofort, dass er gefahren ist, heute, vor Gericht, schüttelt er selber immer wieder den Kopf, als er die Geschichte mit rotem Kopf erzählt. Der junge Mann weiß: „Wir haben einfach den Kopf ausgeschalten, das war voll blöd!“ Sie seien damals in Panik ausgebrochen. „Wir wussten ja, wir dürfen da nicht sein, wegen Corona.“

Am Ende wird Jugendstrafrecht angewandt

Die Jugendgerichtshilfe ordnet in der Sitzung ein: „Das Verhalten hat ganz klar jugendliche Züge – vor lauter Panik abzuhauen, weil man Angst hat, weil man gegen die Corona-Regeln verstoßen hat.“ Sie empfahl, das Jugendstrafrecht anzuwenden. Auch der Staatsanwalt plädierte, unter anderem wegen der „Dummheit, vor der Polizei in einen Feldweg reinzufahren“, für das Jugendstrafrecht. Der Vorsitzende Richter Calame verurteilte M. schließlich zu einer Geldstrafe von 400 Euro an die Caritas und einem Führerscheinentzug von sechs Monaten. „Dieser Entschluss, bei der Kontrolle Gas zu geben, war einfach ein krasser Fehlentschluss, und solche Fehlentscheidungen trifft man, wenn man zu viel getrunken hat.“ Calame setzte noch einen drauf: „Kein normaler Mensch würde, wenn er nüchtern ist, weiter geradeaus fahren, wo Bäume sind!“

Eine Blutentnahme nach der Flucht ergab damals einen Wert von 0,62 Promille. M. betonte vor Gericht, dass er wisse, wie falsch es gewesen sei, trotz der drei Bier zu fahren, dass er so gut wie nie trinke – allein seine Ausbildung zum Landwirt lasse das nicht zu, das frühe Aufstehen um 5.30 Uhr, die Arbeit an vielen verschiedenen Höfen in und außerhalb des Landkreises. Wenn er dann doch mal etwas trinke, gehe er stets zu Fuß oder lasse sich abholen. Vorstrafen hat M. keine. Er hatte vor der Verhandlung bereits freiwillig bei der Caritas eine Alkoholberatung angefangen, zum nächsten Treffen werde er seine beiden Freunde mitnehmen.

Bitter für M.: Nachdem er seine Ausbildung zum Landwirt im Juni abgeschlossen hat, befindet er sich derzeit im Praxisjahr. Doch ohne Führerschein darf er auch keine landwirtschaftlichen Maschinen mehr auf öffentlichen Straßen fahren. Dem 19-Jährigen ist sein Fehler sehr bewusst: „Eigentlich hätten wir einfach stehen bleiben sollen. Das wäre das G’scheidste gewesen.“

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