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Georg Eberl in seinem Element: 2003 konnte er sich wieder einmal über einen Buben als Prinz freuen. Der Generalober st und Hofgeneralfeldmarschall ist hier abgebildet mit Prinzessin Andrea II. und Prinz Nino I.

Kindergarde Schwabhausen: Der 100. Geburtstag des Gründers

Der Eberl Schorsch hätte seine Freude gehabt

Die ersten Kostüme hat er selbst genäht, auch seine eigene Uniform: Georg Eberl, der Gründer der Kindergarde Schwabhausen, wäre in diesen Tagen 100 Jahre alt geworden.

Schwabhausen – Kinder, wie die Zeit vergeht! Seit fünf Jahrzehnten sorgt die Kindergarde Schwabhausen mit ihren Auftritten für Freude bei Jung und Alt und ist aus dem Faschingsgeschehen der Gemeinde nicht mehr wegzudenken. Zum Jubiläum wurde ein ganz besonderes Programm einstudiert, das den Namen „Wir feiern eine Party“ trägt und bei dem auch an den Gardegründer Georg Eberl erinnert wird.

Der Eberl Schorsch, der 2006 im Alter von 88 Jahren starb, ist untrennbar mit der Garde verbunden. Er ist in liebevoller Erinnerung in Form des Maskottchens Schorschi auch heute noch präsent. Heuer am 21. Februar wäre der Gardegründer 100 Jahre alt geworden. Georg Eberl, der sich selbst gerne als „Faschings-Kind“ bezeichnete, hatte von Jugend an Freude an der Musik und an allem, was damit zu tun hatte. Dieses Faible gab er an seinen Sohn weiter, der erst in der Dachauer Knabenkapelle spielte und später eine kleine Band gründete.

Da die jungen Burschen noch keinen Führerschein hatten, fuhr sie der Schorsch zu ihren Auftritten im Landkreis und auch wieder heim. Auch bei Kinderbällen spielte die junge Band, und bei einer dieser Veranstaltungen kam dem Schorsch die Idee, dass es doch schön wäre, wenn jetzt zur Eröffnung ein Kinderprinzenpaar einmarschieren würde. Der Gedanke ließ ihm keine Ruhe, und schon im Fasching 1968 präsentierte er mit Erika I. und Robert I. sein erstes Kinderprinzenpaar beim Kinderball in Schwabhausen. Das war aber erst der Anfang.

Schon lange trug er sich mit dem Gedanken, zum Prinzenpaar auch eine Garde zu gründen. Das war aber ein schwieriges Unterfangen und wegen der begrenzten finanziellen Mittel kaum möglich. Erst als sein Freund und damaliger TSV-Vorsitzender Heini Loder ihm versprach: „Für genügend Kinder und eine Trainerin sorge ich“, konnte Eberl das Vorhaben in die Tat umsetzen.

Der gelernte Maurer und Feinmechaniker wusste sich in allen handwerklichen Dingen zu helfen und so schneiderte er die ersten Gardekostümchen selbst an seiner Nähmaschine und fuhr die Kinder mit seinem faschingsgeschmücktem Auto auch zu den Auftritten. Er selbst legte sich eine schöne Uniform mit Narrenkappe zu und nannte sich fortan „Generaloberst und Hofgeneralfeldmarschall“.

Unzählige Auftritte wurden in den Jahren absolviert. Jedes Jahr fand Eberl ein neues Prinzenpaar, und wenn kein Bub vorhanden war, musste halt ein Mädchen in die Hosenrolle des Prinzen schlüpfen. Die Garde wurde immer größer und von Jahr zu Jahr professioneller. Als der Gardegründer gesundheitlich nicht mehr ganz so auf dem Posten war, bekam er Unterstützung von Monika Spatzier und Carola Rohn. Die beiden „Gardemütter“ nahmen ihm viel Arbeit ab, organisierten das Training und die Auftritte und suchten weitere Trainerinnen.

Monika Spatzier erinnert sich aus dieser Zeit an viele nette Begebenheiten mit Georg Eberl, der immer „der Chef“ blieb. So erinnert sie sich zum Beispiel daran, dass der Schorsch ein überzeugter Milchtrinker war und immer eine Schaufel im Auto liegen hatte, um sich einen Parkplatz in der Nähe des Auftrittslokals freizuschaufeln, „wenn viel Schnee lag“.

Als im Januar 1999 der damalige Schwabhausener Bürgermeister Josef Mederer seinen 50. Geburtstag feierte, war es für Eberl Ehrensache, mit seiner Garde im Rathaus aufzumarschieren. Das ist bis heute so geblieben. Heuer hatten die Kinder ihren 20. Auftritt vor einer „Gemeinderatssitzung“, erzählt Monika Spatzier und ergänzt: „Für seine Garde tat der Schorsch alles, sie war sein Lebensinhalt“.

Einer seiner größten Wünsche erfüllte sich im Jahr 2003, als das Bayerische Fernsehen Auftritte der Garde am Rosenmontag filmte und in der Abendschau sendete. Eberl selbst filmte ebenfalls alle Auftritte, erst mit einem Riesenungetüm von Kamera, zu dem ein riesiges Stativ gehörte, später dann mit einer Handycam.

Jedes Jahr im Sommer machte er mit den Kindern und dem Trainerstab einen Ausflug mit dem Bus. Während sich das Programm in den Anfängen auf Gardemarsch und Prinzenwalzer beschränkte, kamen mit dem Einsatz der Showtanzgruppe, der Tanzmariechen und der Tanzsternchen nach und nach Showelemente und akrobatische Einlagen hinzu.

Auch wurde für jede Saison ein spezielles Thema gewählt. So zum Beispiel in den letzten Jahren „Eine Reise um die Welt“, „Musical und Filmmusik“, „Hüttengaudi“ und „Back to school“. Was sich in all den Jahren nicht geändert hat, ist die Freude und der Trainingsfleiß der Kinder, die sich unheimlich viel Mühe bei ihren Auftritten geben, um ihr Publikum zu begeistern.   

Größer geworden ist allerdings der Betreuerstab, der sich aktuell aus den Trainerinnen Cirsten Eder, Alexandra Keuthen, Michaela Reimann, Anita Prummer, Sybille Sauer und Claudia Ostermair sowie den Auftritts-Organisatorinnen Barbara Zauner und Sandra Kreis und den Musik-Technikern Wolfgang Sauer und Gerhard Ostermair zusammensetzt. Sybille Sauer, Claudia Ostermair, Barbara Zauner und Susi Hechtl bilden auch den Vorstand des vor einigen Jahren gegründeten Vereins Kindergarde Schwabhausen.

Der „Jubiläums-Fasching“ neigt sich nun auch schon wieder dem Ende zu. Am Faschingsdienstag trifft sich die Garde um 17 Uhr im Gasthaus Doll in Ried, um ein letztes Mal in diesem Fasching „Party“ zu feiern und an ihren Gründer zu denken.

Einig sind sich nach der gelungenen Saison mit vielen tollen Auftritten aber schon heute schon alle: Der Eberl Schorsch hätte eine Riesenfreude daran gehabt.

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