Eine Frau mit Sonnenbrille, ein Mädchen mit Sonnenbrille und ein Mann mit Bart.
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Kostbare Momente wie hier vor einem Jahr im Camping-Urlaub in Bibione geben Yvonne und Tobias Beigelbeck Kraft. Sie wissen, wie sehr ihre Lena-Marie die Zeit am Meer genießt.

Ein Zwischenstandsbericht

Spendenaktion für Lena-Marie: „Danke, dass Ihr uns nicht alleine lasst!“

  • vonChristiane Breitenberger
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Hunderte Leser haben sich an der Spendenaktion für Lena-Marie beteiligt. Die Eltern Yvonne und Tobias Beigelbeck sind gerührt von so viel Anteilnahme.

Schwabhausen – „Damit die kleine Hummel fliegen kann“ – normalerweise finden sich auf den Überweisungsträgern mit Spenden für die Kette der helfenden Hände keine Notizen wie diese. Doch seit die Dachauer Nachrichten vor einem Monat ihren Lesern vom Schicksal der sechsjährigen Lena-Marie erzählten, ist alles anders. Die Welt der Beigelbecks aus Schwabhausen steht kopf.

Yvonne und Tobias Beigelbeck machen gerade exakt die selbe Geste: Sie schütteln den Kopf. „Das ist irre“, sagt er. „Das ist Wahnsinn“, sagt sie. Die beiden sind: „Völlig überwältig!“ Die Dachauer Nachrichten haben eine Spendenaktion für die Familie ins Leben gerufen. Lena-Marie – oder einfach Püppi, wie sie ihre Eltern liebevoll nennen – leidet an dem sehr seltenen Gendefekt D-bifunktioneller Proteinmangel. Dieser Gendefekt erklärt Lena-Maries Sehschwäche, die Schwerhörigkeit, die Krampfanfälle, die Rumpfmuskelschwäche, die ständige geistige Rückentwicklung. Die Sechsjährige kann sich kaum mehr alleine bewegen, braucht für alles Hilfe. Nur mit ihrem Lächeln „verzaubert sie uns noch jeden Tag immer wieder mal“, sagt Mama Yvonne.

Lena-Marie wird wohl nicht älter als 13 Jahre alt werden

Doch wegen des Gendefekts ist die Zeit, die Tobias und Yvonne Beigelbeck mit ihrer Püppi haben, nur begrenzt. Lena-Marie wird wohl nicht älter als 13 Jahre alt werden. Deshalb wollen sie ihr jeden Tag so schön machen, wie es geht, so normal wie möglich. Dafür braucht die Familie jetzt einen neuen Ford Grand Tourneo Connect – umgebaut mit integrierter Rollstuhlrampe. Weil Lena-Maries Zustand auch ganz spezielle Bedürfnisse mit sich bringt, kommt eben nur ein ganz speziell konfiguriertes Auto ab Werk in Frage. Der Wagen liegt laut Liste bei rund 30 000 Euro, der Umbau bei nochmal etwa 10 000 Euro.

Hunderte Leser haben sich in den vergangenen vier Wochen bereits an der Spendenaktion beteiligt. 31 638 Euro (Stand gestern) sind bereits zusammen, um der Familie zum einen den Traum vom Auto aber auch noch viele schöne gemeinsame Stunden zu ermöglichen. Viele Spender versahen ihre Überweisungsträger mit Wünschen wie „Alles Gute für die wunderbare Lena-Marie“, „Wünsche die nötige Kraft“, „Viel Glück und alles Liebe für euch als Familie“, „Viel Kraft weiterhin und Gottes Segen für die Familie“, „Ich wünsche euch die nötige Kraft“, „Alles Gute, das ist unser Erlös aus dem Verkauf von Corona-Masken.“

Ein guter Tag ist, wenn Lena-Marie viel lacht

Heute ist ein guter Tag bei den Beigelbecks. Ein guter Tag ist, wenn Lena-Marie viel lacht. Gerade liegt sie auf ihrer Decke im Wohnzimmer und gluckst vor sich hin. Als wüsste sie genau, dass es gerade bei dem ganzen Rummel um sie geht. Papa Tobias drückt ihre Hand. „Wir hätten niemals für möglich gehalten, was da passiert.“ Viele überwiesen Geld auf das Konto der Kette der helfenden Hände, viele kauften sich Ansteck-Pins der Partyband Ois Easy (siehe Infokasten am Textende), viele starteten sogar eigene Aktionen zugunsten der Familie. Doch die Leser spenden nicht einfach nur Geld. Viele kontaktieren die Familie, weil sie ihr auf anderen Wegen etwas Gutes tun möchten. Wie einen Tag im Grünen und im Zoo, weil Lena-Marie den Wind in den Bäumen und die Tiere liebt. Oder einen Tag mit Hunden oder Pferden. Kinder verkauften Gummibärchen für die Kleine oder schickten ein Foto, wie sie ihr Taschengeld in einem bemalten Umschlag spenden wollten. „Man kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr uns solche Gesten rühren“, sagt Mama Yvonne.

Es ist ein Kampf, den die Beigelbecks bisher recht alleine gekämpft haben – um jede Minute Normalität. „Und jetzt fühlt es sich zum ersten Mal ganz anders an“, sagt Yvonne Beigelbeck. „Es fühlt sich so an, als gehören wir dazu. Dazu zu einem ganz großen Ganzen. So viele Menschen zeigen uns: Wir wollen Euch helfen, wollen zeigen: Ihr gehört zu uns.“ Ein Gefühl, das für die Familie alles andere als normal ist. Klar, es gibt immer liebe Menschen, die Lena-Marie zulächeln, doch die Familie hat auch andere Erfahrungen gemacht. Sie kennt sie alle. Die Gaffer, die, die Augen verdrehen, die, die am Behindertenparkplatz keine fünf Minuten warten können, bis sie loskeifen, bevor sie sehen, warum die beiden gesunden Eltern diesen Parkplatz gewählt haben.

„All diese Reaktionen geben mir den Glauben an die Menschen wieder“

Die Beigelbecks sind nicht die Art von Menschen, die leicht um Hilfe bitten. Doch jetzt sind sie froh, dass sie sich geöffnet haben: „All diese Reaktionen geben mir auch den Glauben an die Menschen wieder“, sagt Tobias Beigelbeck. „Es vergeht wirklich kein einziger Tag ohne irgendein liebes Wort von Menschen, die wir noch nie zuvor im Leben gesehen haben“, sagt seine Frau.

Mit dem Auto wird der Alltag der Beigelbecks definitiv ein bisschen leichter – und bleibt doch brutal hart. Ein großes Problem: die Wohnung. Seit langer Zeit sind die Beigelbecks eigentlich auf der Suche nach einem neuen Zuhause, einem Zuhause im Erdgeschoss – aber, ähnlich wie das Auto, kommen bei einem Leben mit Lena-Marie eben nur Wohnungen in Frage, die spezielle Kriterien erfüllen. Derzeit wohnt die Familie im ersten Stock, Yvonne Beigelbeck trägt ihre jetzt schon 20 Kilo schwere Tochter jeden Tag die Treppen rauf und runter. Das Paar hat zwar eine elektrische Treppensteighilfe, doch Mama Yvonne ist schlicht zu klein, um die Hebelwirkung zu nutzen – es ist mit Hilfsmittel schwerer für sie als ohne. Also: trägt sie Lena-Marie.

„Eine ebenerdige Erdgeschosswohnung würde alles viel einfacher machen“

„Eine ebenerdige Erdgeschosswohnung würde einfach alles so viel einfacher machen.“ Die Traumwohnung wäre hier im Umkreis, hätte um die 90 Quadratmeter, drei bis vier Zimmer und hätte einen Garten „mit viel, viel grün, weil die Püppi Bäume und Sträucher so liebt“, sagt Papa Tobias Beigelbeck. 1200 Euro warm könnte die Familie dafür bezahlen, und dann „würde uns noch ein bisschen was im Monat bleiben, um ihr die Tage schön zu machen“, erklärt er.

Die Beigelbecks haben trotz ihrer Situation nicht vergessen, wie allein sie davor waren und wie vielen anderen Familien das ähnlich geht. „Wir hoffen, dass das etwas ist, was wir mit unserer Geschichte bewirken konnten“, sagt Tobias Beigelbeck. Er wünscht sich, dass die Menschen künftig offener durch die Welt gehen „und nicht so stur und verbissen mit Scheuklappen“. Nur so „lassen sich Berührungsängste endlich abbauen“.

Yvonne Beigelbeck ist sich sicher: „Einfach mal mit einem Lächeln nachfragen – das kann schon alles ändern.“ Sie weiß, wovon sie spricht. Wenn ihre Tochter sie anlächelt, „ist alles andere in diesem kurzen Moment egal“.

Wer Lena-Marie helfen will

kann sich an der gemeinsamen Aktion von Ois Easy, Volksbank Raiffeisenbank Dachau und Dachauer Nachrichten beteiligen: Ois-Easy-Ansteck-Pins gibt es ab einer Spende von fünf Euro in der Geschäftsstelle der Dachauer Nachrichten, Richard-Wagner-Straße 6, Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr. Reservierungen und Bestellungen werden entgegengenommen unter redaktion@dachauer-nachrichten.de. Leser können die Familie Beigelbeck auch mit einer Spende an die Kette der helfenden Hände mit dem Stichwort „Lena-Marie“ unterstützen. Die Spendenkonten: Sparkasse Dachau: DE29 7005 1540 0380 9731 15 oder Volksbank-Raiffeisenbank Dachau: DE68 7009 1500 0000 0199 50.

cb

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