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Gruppenbild mit Staatsministerin: Bernhard Seidenath, Christian Blatt, Ilse Aigner, Josef Mederer, Julia Grote, August Haas und Josef Reischl (v.l.). 

Ilse Aigner im Gasthaus Göttler in Rumeltshausen

Für mehr Wir-Gefühl

von Roswitha Höltl

Rumeltshausen – „Wachstum und Flächenfraß“: Zu diesem Thema hat die Kommunalpolitische Vereinigung (KPV) der CSU im Landkreis Dachau in das Gasthaus Göttler in Rumeltshausen eingeladen. „Ein Thema, das hochaktuell und wichtig ist“, erläuterte Christian Blatt, Bürgermeister der Gemeinde Erdweg und Kreisvorsitzender der KPV. Begrüßen durfte er als prominente Diskussionspartnerin Ilse Aigner, Staatsministerin für Wohnen Bauen und Verkehr. Weit mehr als 100 Interessierte waren gekommen.

Staatsministerin Ilse Aigner erklärte, dass noch vor ein paar Jahren über die Frage der demografischen Entwicklung diskutiert wurde und kein Zubau notwendig war aufgrund einer rückläufigen Bevölkerungsentwicklung. „Das ist nicht mehr festzustellen, schon gleich gar nicht im Landkreis Dachau“, den am stärksten wachsenden Landkreis Bayerns. Sie stellte die Grundidee ihrer „Heimatstrategie“ vor: Mit der Gründung der „BayernHeim“ durch die Staatsregierung und dem Beschluss über den Wohnungsbau werde ein großes Maßnahmenpaket in Gang gesetzt, das aber auch Engpässe mit sich bringt. Daher müsse die Frage lauten: „Wo haben wir überhaupt noch Flächen?“ Ein denkbarer Lösungsvorschlag sei es, kompakter zu bauen, sozusagen etwas tiefer und höher.

Erste Wortmeldungen kritisierten, dass der ganze Planungsvorgang beim Bau von Häusern und Wohnungen aktuell viel zu lange dauere und dass bei den Verkehrsplanungen standardisierte Bewertungen eine große Hürde darstellen. Aigner erklärte, dass höhere Standards und Gesetze Bremsen seien, die nicht auf die Schnelle gelöst werden, da dies auch ein Handlungsakt auf Bundesebene darstellt.

Eine große Gefahr stelle laut einer Besucherin der fehlende gesellschaftliche Zusammenhalt dar. Auch die Idee einer Seilbahn für das Umland kam zur Sprache. Die etwas futuristische, aber durchaus ernst gemeinte Idee mit der Seilbahn, hält sie durchaus für ein umsetzbares Thema, da kein großer Flächenverbrauch notwendig, dafür aber eine hohe Leistungsfähigkeit zu erwarten sei – auch eine Magnetschwebebahn hält Aigner eines Tages für umsetzbar – oder Flugtaxis. „Wenn wir unten nicht mehr weiterkommen, müssen wir schauen, wie wir oben weiterkommen“ erläuterte sie.

Sehr viele Besucher meldeten sich zu Wort. Welche Projekte und Initiativen sind in Gang, damit sich auch Auszubildende Wohnraum leisten können? Welche Planungen sind notwendig, da manche Orte im Verkehr ersticken, weil die vorbeilaufende Autobahn neue Probleme aufgeworfen hat? Einen weiteren S-Bahn-Strang forderte Gerhard Hainzinger, Bürgermeister von Sulzemoos. Ein Besucher bestätigte: Nicht nur Umgehungsstraßen seien die Lösung, sondern der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs müsse dringend Beachtung finden. Statt dem Ausbau der dritten Startbahn sei es für die Bürger viel interessanter, wieviele Wohnungen stattdessen auf diesem Areal gebaut werden könnten.

Wie kann man unbebaute Grundstücke, die derzeit zurückgehalten werden, und 1800 leer stehende Wohnungen im Landkreis, wieder in den Verkehr bringen? MdL Bernhard Seidenath warb an dieser Stelle für die Genossenschaft, die Caritas, die Helios-Kliniken und die Sozialservice-Gesellschaft des BRK kürzlich gegründet haben, um Wohnungen für Angestellte in sozialen Berufen anzumieten.

Viele Fragen waren auch landkreisunabhängig Diskussionsgrundlage an diesem Abend. Ilse Aigner wünscht sich letztendlich ein gesundes Augenmaß – aber nicht bei der Aussicht und beim Schattenwurf einzelner Grundstücke, gegenseitige Toleranz und mehr „Wir-Gefühl“. Die vielseitigen Aspekte zeigten, dass viele Emotionen, Unklarheiten und auch Unverständnis vorliegen und es gelte zu hoffen, dass der Landkreis Dachau nicht eines Tages vergleichbar mit Hongkong sein sollte, wo sich der Bürger Luftrechte kaufen kann.

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