Harald Jörg war Kulturreferent und Hans Bopfinger der Sprecher von FWS/BBA.
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Harald Jörg war Kulturreferent und Hans Bopfinger der Sprecher von FWS/BBA.

Verlust für die Freien Wähler

Gemeinderat Schwabhausen: Der Kulturreferent und der Sprecher gehen

  • Torge Wester
    vonTorge Wester
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Mit Hans Bopfinger und Harald Jörg verlieren die Freien Wähler Schwabhausen den Fraktionssprecher und den Kulturreferenten im Gemeinderat.

  • Für Hans Bopfinger und Harald Jörg ist Schluss mit dem Gemeinderat Schwabhausen.
  • Die beiden scheiden ab der kommenden Legislaturperiode aus. 
  • Bopfinger war Sprecher von FWS/BBA, Jörg Kulturreferent. 

Schwabhausen – Harald Jörg (73) war ein Spätstarter, als er vor sechs Jahren erstmals in den Gemeinderat gewählt wurde. Doch eigentlich war es nur eine logische Folge seines vorherigen Engagements. „Für den 2010 unterzeichneten Partnerschaftsvertrag mit der Gemeinde Großschwabhausen war ich gemäß Forderung des damaligen Bürgermeisters Josef Mederer der Initiator und Sprecher des,Partnerschaftsgremiums’,“ erinnert sich Jörg.  Später übernahm er den Vorsitz der Freien Wähler Schwabhausen.

Schließlich zog Jörg auch in den Gemeinderat ein, wurde Mitglied im Finanzausschuss und Referent für Partnerschaft und Kultur. „Es war mir ein besonderes Anliegen, mich in meiner nachberuflichen Zeit kommunalpolitisch bei den Freien Wählern zu engagieren. Mit der Gründung des Vereins FW Schwabhausen, der Reaktivierung der Partnerschaft mit Großschwabhausen mit Josef Baumgartner senior, einer Internetpräsenz und einem Engagement im Ferienprogramm der Gemeinde wurde aus den zurückhaltenden Aktivitäten der FCW Schwabhausen eine lebendige Gruppierung, die nicht nur in den Kommunalwahljahren am Gemeindegeschehen Anteil nahm“, blickt Harald Jörg zurück.

Harald Jörg war an vielen Entscheidungen im Gemeinderat beteiligt

„Die Akzeptanz der Schwabhauser für die Thüringer Rostbratwürste am Christkindlmarkt und die Resonanz unserer jährlich stattfindenden Veranstaltung der Wirtshausmusik sind schöne Erinnerungen“, betont Jörg. Und: „Als Gemeinderat durfte ich aktiv an vielen kommunalpolitischen Themen und Entscheidungen für ein besseres Schwabhausen mitwirken, unter anderem mit dem Breitbandausbau, der Heinrich-Loder-Halle, dem Kinderhaus an der Jahnstraße, den Asylbewerbern und Obdachlosen, dem Abwasseranschluss Arnbach, dem alten Schulhaus, größeren Bauprojekten (Kreitmair und VR Bank), Sanierung des Wasser- und Abwassersystems, um nur einige zu nennen.“

Jörg hebt in diesem Zusammenhang „die Art und Weise, wie diese Entscheidungen zustande kamen“, hervor. „Im Gegensatz zu früheren Gemeinderatssitzungen, die ich als Besucher erleben durfte, wurde die Diskussion, trotz unterschiedlicher Sichtweisen, offen, kollegial und überwiegend harmonisch geführt.“ Jörg hat zum Abschied noch ein Anliegen: „Nachdem auch in Großschwabhausen ein neuer Bürgermeister zu Wahl ansteht, wünsche ich mir, dass die geknüpften Bande zwischen den beiden Gemeinden weiter gepflegt werden und wenn möglich noch aktiver ausgestaltet werden. Vielleicht zwingt uns Corona zukünftig den Urlaub in Deutschland zu verbringen, dann wäre das Weimarer Land oder auch der Harz eine gute Reiseempfehlung.“

Hans Bopfinger war seit 2008 Gemeinderatsmitglied

Mit Hans Bopfinger (61) verliert die Fraktion Freie Wähler Schwabhausen/Bürgerblock Arnbach ihren Sprecher. Bopfinger bekam nicht genug Stimmen, um wieder in den Schwabhausener Gemeinderat einzuziehen. Bopfingers Amtsantritt als neu gewähltes Gemeinderatsmitglied war am 1. Mai 2008 – genau an seinem 50. Geburtstag.

Zunächst war er Mitglied im Rechungsprüfungs-Ausschuss und im Bauausschuss, später dann wechselte er in den Finanzausschuss. Seit Sommer 2016 war er Sprecher der Fraktion FWS/BBA. Das Größte sei wohl gleich ganz am Anfang passiert – gleich nach der Wahl 2008: „Eine deutliche Mehrheit im Gemeinderat war dafür, das Ergebnis des erst ein Jahr vorher durchgeführten Kläranlagen-Bürgerentscheids zu kippen. Die Zahlen und Fakten waren zu eindeutig“, sagt Bopfinger rückblickend. Seither hege er eine große Skepsis bei Bürger-Entscheiden: „Gerade bei komplexen Sachverhalten ist die Gefahr zu groß, dass die Bürger populistischen Rattenfängern auf den Leim gehen.“ Der Weg zum Anschluss nach Dachau war frei. Ein bitterer Beigeschmack aus seiner Sicht: „Hunderttausende von Euro an verlorenen Planungskosten wurden völlig sinnlos verbrannt’.“

Sehr erfreulich, „nahezu am Ende meiner Gemeinderatstätigkeit“: Der Bebauungsplan für die neuen Wohn- und Geschäftshäuser im Schwabhauser Zentrum an der Münchener Straße sei ohne allzu ausufernde Diskussionen verabschiedet worden. Dabei seien tragbare Kompromisse gefunden worden. „Für mich persönlich ist die innerörtliche Nachverdichtung der ,Königsweg’, um ohne großen Flächenfraß die Wohnraumnot im Ballungsraum München abzumildern. Möglicherweise das entscheidende Plus in Schwabhausen: Ein Bürgermeister, der aufgrund seines beruflichen Werdegangs große fachliche Kompetenz einbringen konnte.“

Bopfinger findet es schade, dass nicht mehr so viele Frauen im Gemeinderat sind

Nicht sehr erfreulich seien die Begleitumstände beim Wechsel des Trägers des Kindergartens an der Agricolastraße gewesen: „Da ist man als Gemeinderat den oft überzogenen Vorwürfen – bis hin zu aktionistischen Mahnwachen vor dem Rathaus – wirklich hilflos ausgeliefert. Wir dürfen unsere Beweggründe, uns vom früheren Träger zu trennen, wegen unserer Verschwiegenheitspflicht bis heute nicht nennen. Da wäre ein bisschen mehr Vertrauen in die Kompetenz des Bürgermeisters und des Gemeinderats durchaus angebracht gewesen. Es werden doch keine Dummköpfe in solche Funktionen gewählt!“

Schade findet es Bopfinger auch, dass sich die „durchaus ansehnliche Frauen-Quote nach der 2008-Wahl – sechs weibliche Gemeinderäte, also fast ein Drittel, vermutlich Landkreis-Rekord, da konnte man als Schwabhauser richtig stolz sein – unterirdisch entwickelt hat: Im neuen Gemeinderat sind nur mehr zwei Frauen vertreten.“

Bopfingers Fazit: „Als Einzelner richtest Du im Gemeinderat wenig aus, Teamplayer sind gefragt. Die Probleme als Kommunalpolitiker sind – auf niedrigerem Niveau natürlich – die gleichen wie in der ,großen Politik‘: Es geht nicht nur darum, die richtigen Entscheidungen zu treffen (oft schwierig genug!), man muss diese Entscheidungen auch gut in der Öffentlichkeit verkaufen können.“

tor

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