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Rückblick: Bürgermeister Josef Baumgartner.

Interview mit Schwabhausens Bürgermeister Josef Baumgartner, der nach neun Jahren ausscheidet

„Ich freute mich jeden Tag auf meine Leute“

Schwabhausens Bürgermeister Josef Baumgartner scheidet nach neun Jahren aus. Im Interview blickt er noch einmal zurück, verrät aber auch, was er in Zukunft machen wird.

Schwabhausen – Es sind die letzten Tage im Amt des Bürgermeisters in der Gemeinde Schwabhausen. Heute abend leitet er seine letzte Gemeinderatssitzung. Wir wollten vom scheidenden Gemeindeoberhaupt Josef Baumgartner wissen, wie er seine vergangenen neun Jahre im Amt einschätzt, wie sich der Abschied und die letzten Tage anfühlen und wie die Zeit danach ausschaut.

In wenigen Wochen geht Ihre Amtszeit zu Ende. Können Sie es locker auslaufen lassen, vielleicht noch den Resturlaub nehmen und den 2. Bürgermeister „machen“ lassen, der Ihnen ja nachfolgt? Oder ist das in der Corona-Krise nicht möglich?

Erst dachte ich tatsächlich, ich könnte die letzten Wochen meiner Amtszeit locker angehen, aber die Ereignisse (Wahlen, Corona) und viele kleine, zu erledigende Vorgänge („man weiß ja nicht wie der Nachfolger damit umgeht“) führen dazu, dass bis zum Schluss bestimmt keine Langeweile aufkommt. Und um das Ausnutzen von Resturlaub habe ich mir noch nie Gedanken gemacht.

Unter Ihnen ist ein neues „Miteinander“ im Gemeinderat eingekehrt, selbst im Wahlkampf blieb das Gremium stets an der Sache interessiert, gab es keine Grabenkämpfe. Ist das auch Ihr Verdienst, hat die Arbeit Spaß gemacht?

Spaß gemacht hat es (fast) immer! Dass es keine Grabenkämpfe gab, lag vielleicht auch daran, dass ich keine Feindbilder habe, jeder durfte seinen Beitrag leisten, seine, wenn auch konträre, Meinung vortragen; und ich war nie beleidigt, wenn ich mit meinem Standpunkt bei einer Abstimmung unterlegen bin. So habe ich hoffentlich einen Beitrag zum sachlichen, konstruktiven Miteinander geleistet.

2014 kamen die Asylbewerber, 2016 wurde der Träger für die Tschu-Tschu-Bahn ausgetauscht, zuletzt lief es hier auch nicht immer rund – als Bürgermeister muss man sicher auch einige Kritik einstecken. War‘s manchmal zu viel, wie sind Sie damit umgegangen?

Mit Kritik kann ich gut umgehen, ich nehme sowas nicht persönlich! Wenn aber Sachargumente nicht mehr zählen, wenn die Kritik unter die Gürtellinie geht, wenn man das Gefühl hat, es hört einem keiner mehr zu – dann wird’s unangenehm. Die Flüchtlinge waren da ein geringeres Problem, schlimm war‘s z.B. bei der Montessori-Krise oder beim Funkmast in Oberroth. Vor allem, wenn sich ein Jahr später trotz der vermeintlichen Dramatik kaum jemand mehr erinnert (nach dem Motto: „Da war doch mal was“).

Worüber sind Sie froh, was hat sich gut entwickelt in Ihren neun Amtsjahren? Gibt es im Gegenzug etwas, woran Sie gescheitert sind, ein Ziel, das Sie nicht erreicht haben?

Ich bin froh, dass die Gemeinde gut da steht, dass trotz großer Ausgaben (Kinderhaus Jahnstraße, Beginn der Erneuerung Wasserleitungen, Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt, Grundstückskäufe) und vieler kleinerer Maßnahmen ein Polster da ist, um die Herausforderungen der Zukunft (nach Corona) bewältigen zu können. Was ich leider nicht geschafft habe, war die Radwegeverbindungen, die im Plan bereits existieren und die immer wieder angemahnt wurden, zu verwirklichen.

Würden Sie rückblickend, wenn Sie jetzt nochmal „anfangen“ dürften, alles genau noch einmal so machen oder etwas anders angehen als in den letzten neun Jahren? Haben Sie einen Ratschlag für Ihren Nachfolger?

Mit der Erfahrung von heute würde ich manche Dinge etwas anders angehen, aber im Großen und Ganzen würde ich es genauso machen – ich habe mich immer auf die Verwaltung verlassen können, und es war ein tolles Zusammenspiel. Einen Ratschlag für den Nachfolger habe ich nicht, er wird sicher vieles anders machen, und das soll auch so sein – wer kann schon die absolut richtige Meinung für sich beanspruchen?

Fallen Sie am 1. Mai in ein Loch? Was fangen Sie mit der ungewohnten Freizeit an, wenn die Corona-Krise vorüber ist?

In ein Loch werde ich sicher nicht fallen, dafür habe ich zu viele Interessen und Hobbys – und außerdem drei Enkelkinder. Alleine oder gemeinsam mit meiner Frau darf ich ja auch während der Corona-Krise Rad fahren. Was mir fehlen wird, ist die Zusammenarbeit mit der Verwaltung, ich habe mich jeden Tag gefreut, „meine Leute“ zu sehen.
Die Gespräche mit vielen Bürgern werden sicher weniger werden, und die Treffen in der Bürgermeisterrunde werden mir abgehen. Mit den Kollegen zu arbeiten, war sehr angenehm und es war immer auch ein bisschen Spaß dabei.

Interview: Torge Wester

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