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Schwester Apollonia in ihrer neuen Wohnung.

Sie musste das Kloster verlassen

Schwester Apollonias Aufbruch in ihr neues Leben

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Die letzte Ordensschwester verlässt das Kloster Altomünster. Reporter Jacob Mell begleitete die streitbare Nonne auf ihrem Weg in ein neues Leben.

Die Zeiger stehen auf 11.10 Uhr, als draußen vor den Mauern ein Motor zu hören ist. Ein schwarzer SUV parkt vor dem Kloster Altomünster im Kreis Dachau ein. Während der ehemalige Klosterdirektor Jörg Johannes Fehlner seinen Renault rangiert, packt drinnen Schwester Apollonia Buchinger (62) die schwarze Tasche mit ihren Habseligkeiten. Jetzt, nach 520 Jahren – das ist keine Ära, das ist eine Epoche – verlässt die letzte Ordensschwester das St.-Birgitta­kloster. Damit ist das Ordenshaus Geschichte. Es wird aufgelöst. 

tz-Reporter Jacob Mell begleitete die streitbare Nonne auf ihrem Weg in ein neues Leben. 25 Jahre war sie hier Priorin! Bis zuletzt sich hatte sie sich gegen ihren Auszug, den der Vatikan angeordnete hat, gewehrt (siehe unten). Vergebens. Jetzt wird sie in Vilseck in der Oberpfalz ihr Gelübde erfüllen. Dort kennt sie den Pfarrer.

Gut zwei Stunden Fahrt stehen ihnen bevor. Noch einmal blickt sich Schwester Apollonia voller Wehmut in den alten Gemäuern um. Das war ihre Heimat. Man merkt ihr, der stets freundlichen Nonne an, dass ihr die Situation sehr nahe geht. Sie ist traurig – aber irgendwie auch voller freudiger Erwartung. Und voller Gottvertrauen sagt sie dann: „Schauen wir mal, was mich nun erwartet.“

Der Motor startet, Postulantin Christina winkt noch mal zum Abschied, die Fahrt beginnt: Es geht über die Staatsstraße, dann bei Allershausen auf die A9, weiter über die A93 ins Herz der Oberpfalz.

Schwester Apollonia verlässt das Kloster, Christina winkt.

Schließlich erreicht Apollonia am Nachmittag Vilseck. Sie wird mitten im Ort einziehen, im ältesten Haus, das hier noch bewohnt wird. Die Ordensfrau übergibt ihre Mitbringsel – selbst gemachte Himbeer- und Aprikosenmarmelade – an das kleine Empfangskomitee und steht nun mitten in den leeren Räumen der kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung. Parkett statt Stein, Diele statt Kreuzgang. Lächelnd blickt sie sich um. „Da kann man sich schon wohlfühlen.“ Zumal die Wohnung ja auch superzentral liegt. Auch für die Bücher ist genug Platz. Die 25 prallgefüllten Kisten stehen noch im Kloster.

Was bringt die Zukunft? Ganz abschließen will Schwester Apollonia noch nicht mit dem Klosterleben. Sie hat Einspruch gegen die Schließung von St. Birgitta eingelegt. Vielleicht ist Vilseck nur eine vorübergehende Bleibe. Wer sich wohl durchsetzt? Der Vatikan oder die freundliche Schwester mit dem gütigen Lächeln?

Deshalb musste Schwester Apollonia gehen

520 Jahre lang bestand das Kloster des Birgittenordens in Altomünster. Vor 75 Jahren lebten hier noch 59 Nonnen, dann ging die Zahl aber rapide zurück. Nachdem eine Schwester schließlich auch noch in ein Pflegeheim kam, blieb nur noch die damals 60-jährige Apollonia Buchinger zurück. Der Vatikan entschied Ende 2015 die Auflösung von St. Birgitta und forderte die Ex-Piorin auf, das Kloster zu verlassen. Zudem wurde ihr eine apostolische Kommissarin vor die Nase gesetzt. Lange weigerte sich Apollonia zu gehen, schließlich stimmte sie dem Wegzug unter Vorbehalt zu.

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