Blicken optimistisch in die Zukunft: Generaloberin M. Benigna Sirl und Franziskuswerk-Geschäftsführer Markus Tolksdorf. foto: osr

Schwestern übertragen ihr Vermögen

Schönbrunn - Die Franziskanerinnen übertragen ihr gesamtes Vermögen der Viktoria-von Butler-Stiftung - mehr als 160 Jahre nach der Gründing von Schönbrunn als Dorf für geistig behinderte Menschen.

Sie wollen die Zukunft des Klosters und des Franziskuswerks sichern. Die Schönbrunner Schwestern wollen mit der Stiftung ihren Gründungsauftrag - die Arbeit für und Sorge um Menschen, die Hilfe benötigen - für die Zukunft absichern. Die Aus-, Fort-, und Weiterbildung von Menschen in sozialer Arbeit, insbesondere in der Behinderten-, der Jugend- und der Altenhilfe sieht die Stiftung als sehr wichtig an. Außerdem ist die Weiterentwicklung des Ortes Schönbrunn als wichtiges Handlungsfeld definiert.

Die Schönbrunner Schwestern werden durch die Stiftung nicht an Kompetenz verlieren, denn sie stellen zusammen mit fünf Ordensfrauen im Kontrollorgan der Stiftung die Mehrheit, wollen aber keinesfalls mit dem Stiftungsvorstand auf Konfrontation gehen. Vielfalt, Gemeinsamkeit und Leben bilden das Selbstverständnis der Stiftung.

In einer Pressekonferenz erklärten die Generaloberin der Schönbrunner Schwestern, M. Benigna Sirl, die künftige Vorsitzende des neunköpfigen Stiftungsrats, und der Franziskuswerk-Geschäftsführer Markus Tolksdorf, der Vorsitzender des Stifungsvorstands wird, das Konzept. Der Stiftungsrat hat die Aufsicht über den Stiftungsvorstand, dem neben Tolksdorf noch die ebenfalls schon an der Spitze des Franziskuswerks arbeitende Michaela Streich und Markus Holl angehören. In der Stiftung ist also weiterhin Teamarbeit angesagt, was vor allem die Generaloberin herausstellte.

Die Kongregation überträgt das Immobilienvermögen an den Standorten Schönbrunn und Gut Häusern einschließlich der Landwirtschaft und der Anlagen für erneuerbare Energien an die Stiftung.

Darüber hinaus wird die Stiftung ab 1. Januar 2016 auch Träger der Franziskuswerk Schönbrunn gGmbH, der pfiff eGmbH und der DSI gGmbH sein. Das Franziskuswerk wird in der bestehenden Unternehmensform seine bisherigen Aufgabenfelder und den eingeschlagenen Weg der Umsetzung der Vision 2030 fortsetzen. „Ich sehe das Franziskuswerk gut geführt, daher wäre es unklug, Strukturen zu schaffen, die von vorneherein Probleme schaffen könnten“, so die Generaloberin.

Dass beim Stiftungsvorstand, der auch die Verantwortung im Franziskuswerk trägt, zwei Seelen in einer Brust schlagen könnten, erachtet Tolksdorf nicht als Nachteil, „denn das Franziskuswerk ist die wirtschaftliche Säule für die Stiftung“. Die Stiftung müsse nun entscheiden, was die nächsten Schritte sind, was dringlich ist. Aufgabe der Stiftung sei zunächst die Umsetzung der städtebaulichen Ideenwettbewerbsergebnisse.

Die Behindertenhilfe stehe in Schönbrun zwar nach wie vor im Fokus, aber auch das Thema Flüchtlinge könnte ein Stiftungsthema werden. Beim Stiftungszweck seien schließlich nicht nur Menschen mit Behinderung angesprochen. „Wir wollen den Bedarf für die Region nicht aus den Augen verlieren“, versicherte auch die Generaloberin als künftige Stiftungsratsvorsitzende. Die Stiftung müsse auch hinsichtlich Wohnraum für Flüchtlinge offen sein.

Notwendig sei es, dass der Schönbrunner Orden sich der Realität stellt, denn die Nachwuchsprobleme sind groß. Die derzeit nur noch 67 Schwestern in Schönbrunn seien davon überzeugt, dass die Stiftungsgründung eine gute Entscheidung war. Mit den Worten „Was entflochten wird, tut auch weh“, umschrieb die Oberin die Situation innerhalb des Ordens, der auch ein Überalterungsproblem hat. 27 Ordensfrauen sind nämlich schon über 80 Jahre alt.

Was das geistliche Zentrum angeht, will sich das Kloster Schönbrunn weiterentwickeln, „denn die Menschen suchen Spiritualität“. Dabei denkt die Oberin an liturgische Feiern und Dienste der Diakonie.

Beim Stiftungsnamen wird der Gründerin des Ordens, Viktoria von Butler, gedacht, betont die Oberin. „Denn diese großartige und couragierte Frau, die ihrer Zeit voraus war, hat sich schon von 1862 an für Menschenrechte, insbesondere für Frauen, eingesetzt“.

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