Die schwierige Frage nach dem Alter

Dachau - 18 Jahre alt oder doch noch jünger? Mit dieser Frage muss sich das Landratsamt immer öfter beschäftigen - wegen der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge.

Wie Erik Stegner, Leiter der Abteilung kommunale und soziale Angelegenheiten, im Jugendhilfeausschuss mitteilte, gibt es öfters Schwierigkeiten bei der Eingruppierung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. „Wir haben einige Klagen gegen die Altersfeststellung“, sagte er. Es gab bis jetzt zwei Verfahren vor dem Verwaltungsgericht und zehn Verfahren vor dem Familiengericht. Für Flüchtlinge, die als minderjährig eingestuft werden, gilt ein anderes Aufenthaltsrecht, außerdem profitieren sie in der Regel von einer besseren Betreuung und einer besseren Wohnsituation. Was viele aber nicht wissen: „Es gibt für sie eine bundesweite Verteilung“, so Stegner. Sprich: alleinreisende Flüchtlinge, die in Bayern angekommen sind, können auch nach Hamburg geschickt werden.

Wenn Flüchtlinge angeben, dass sie unter 18 Jahre alt sind, glaubt der Landkreis Dachau ihnen das zunächst grundsätzlich. Ergeben sich dann aber Widersprüche, weil Asylbewerber zum Beispiel plötzlich andere Altersangabe machen, überprüfen die Behörden die Sache genauer. Die Untersuchung läuft in drei Schritten: Zunächst wird geschaut, ob sich der Fall zum Beispiel durch Ausweispapiere klären lässt. Danach folgt eine sogenannte Inaugenscheinnahme: „Drei Sozialpädagogen treffen sich mit den Flüchtlingen und prüfen in Gesprächen, ob die Geschichte stimmen kann“, sagt Stegner. Unabhängig voneinander geben die Fachkräfte dann ihre Einschätzung ab. Schritt drei wäre schließlich eine medizinische Untersuchung. Doch: „Viele wollen keine Röntgenuntersuchung“, so Stegner. „Da tun wir uns dann sehr schwer, wie wir mit der Weigerung umgehen.“ Gerade diese Fälle sind es, die oft vor Gericht landen. Dem Landkreis bleibt dann nichts anderes übrig, als ein Urteil abzuwarten. „Das Problem ist einfach, dass die Qualität der Jugendhilfe leidet, wenn zu viele unberechtigte Erwachsene dabei sind“, sagt Stegner.

Generell ist es jedoch so, dass zur Zeit die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge zurück geht. Das Jugendamt Dachau betreut momentan eigenständig 43 jugendliche Asylbewerber, dazu kommen 14 Teenager, die in Amtshilfe versorgt werden. Darin inbegriffen sind 22 Flüchtlinge, die bereits volljährig sind, aber noch Unterstützung benötigen. „Dazu gibt es bei allen eine individuelle Prüfung, wenn sie 18 werden“, erklärte Steffi Weinhold vom Jugendamt.

Das Jugendamt geht davon aus, dass langfristig die Zahl der minderjährigen Flüchtlinge, die dem Kreis Dachau zugewiesen wird, wieder steigt. Erstens ist Prognosen zufolge im Sommer erneut mit einem stärkerem Zustrom von Flüchtlingen zu rechnen, zweitens hat Dachau nach dem Verteilungsschlüssel eigentlich ein Aufnahmesoll von 140 unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen.

Mit einem Schlafplatz alleine ist es aber nicht getan: „Wir setzten nicht nur auf Notunterkünfte, sondern auf Strukturierung und Qualität“, sagt Weinhold. „Was wir heute nicht integrieren, fällt uns morgen auf die Füße.“ Die Jugendlichen müssen fit gemacht werden für die Schule, für einen Beruf und für ein selbstständiges Leben.

Übergangsunterkünfte sollen deshalb durch langfristige Unterkünfte entstehen. Eine davon entsteht in Odelzhausen. Schon am ersten Juli eröffnet die Kolping Akademie eine neue Einrichtung im Schlossgut Odelzhausen. Acht Jugendliche können dort untergebracht und betreut werden.

(cla)

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