Josef Mayr starb im Alter von 61 Jahren.

Sein Herz war immer offen für Neues

Indersdorf - 44 Jahre lang hat er stehts Wochenenden und Feierabende geopfert, um anderen zu helfen. Mehr als sein halbes Leben engagierte er sich beim BRK. Aber bei seinem Kampf gegen die unheilbare Krankheit ALS konnte ihm keiner helfen - Josef Mayr ist im Alter von 61 Jahren gestorben. Hunderte Wegbegleiter haben sich jetzt von ihm verabschiedet.

Rita Mayr ist froh, dass ihr Mann nie in seinem Leben diesen Satz gesagt hat: „Das machen wir dann, wenn wir in Rente sind.“ Sepp Mayr lebte immer im Jetzt. Er war ein Abenteurer - keinen seiner Träume wollte er verpassen. Auf dem Wohnzimmertisch der Mayrs liegen vier Fotobücher. Vier Bücher voller Erinnerungen - voller unvergesslicher Momente, voller Glück. Vier Fotobücher, die von dem größten Abenteurer der Mayrs erzählen. Das Ehepaar ging zu Fuß von Indersdorf den Jakobsweg nach Santiago de Compostela. 2700 Kilometer in neun Etappen. 2010 ging es los. 2013, im Jahr seiner Erkrankung, erreichten die beiden ihr Ziel.

Josef Mayr hatte einen ganz besonderen Blick auf die Welt. Einen liebevollen, einen neugierigen. Deshalb zog es ihn mit seiner Frau stehts in fremde Länder. „Er war so glücklich auf unseren Reisen“, erzählt Rita Mayr. Mit dem Rucksack durch die Türkei, Bolivien, Russland, China - Mayr liebte die fremden Kulturen. Sein Herz war immer offen für Neues.

Wie damals, vor fast 30 Jahren, als das Telefon klingelte und eine Dame fragte, ob die Mayrs Zwillinge als Pflegekinder aufnehmen würden. Ein Wochenende lang überlegten die beiden. Dann war klar: Das machen wir. Eine Woche später hatten sie ein eingerichtetes Kinderzimmer zu Hause und zwei kleine, dreijährige Mädchen, die von Anfang an „Mama und Bapa“ zu ihnen sagten. Ein Jahr vor seinem Tod erlebte Sepp Mayr noch, wie seine Pflegetöchter Sara und Rehana seine Adoptivtöchter wurden.

2013 merkte Josef Mayr: Irgendwas stimmt nicht. Beim Arzt erzählte er noch von seinem nächsten Abenteurer. Einer Alpenüberquerung. Und der Arzt - der ließ ihm sein letztes großes Abenteuer. Ein letztes Mal frei sein in den Bergen. Nur mit zwei Freunden. Die Diagnose sagte er Sepp Mayr erst nach seiner Rückkehr.

Die Diagnose lautete: ALS. Sepp Mayr wusste: Das wird ein Kampf, den keiner gewinnen kann. Die Krankheit, unheilbar. Trotzdem wollte er so schnell wie möglich nach Hause. Er hatte schließlich was zu erledigen: Er wollte mit seiner Frau und seinen Freunden eine Zeppelinfahrt einlösen, die er zum 60. Geburtstag bekommen hatte. Damals, vor etwas über einem Jahr, hatte er nur einen Wunsch: Wir reden heute nicht über meine Krankheit. „Wir hatten so einen schönen, lustigen Tag“, erinnert sich Rita Mayr.

Über das Sterben redete das Paar eigentlich nie. Erst einen Tag bevor Sepp Mayr den Kampf gegen seine schwere Krankheit verlor, bat er seine Frau, das Telefon zu holen. „Ich musste unsere Freunde anrufen, Sepp hat sich von ihnen persönlich verabschiedet. So war er einfach. “

All diese Eigenschaften haben vor allem einen beeindruckt: Sepp Mayrs Enkelkind Samuel. Der Zehnjährige wollte einmal wissen, was ein Vorbild ist. Jemand besonderes, jemand, zu dem man aufschaut, jemand, der so ist, wie man selbst mal werden möchte, erklärte ihm seine Mama. Und da sagte Samuel: „Natürlich. Mein Vorbild ist mein Opa.“

400 Sterbebilder gab es auf der Beerdigung von Josef Mayr. Sie waren bei Weitem nicht genug. Es wollten sich so viele Wegbegleiter von ihm verabschieden, dass die Bildchen schnell vergriffen waren. Dabei war er nie jemand, der sich in den Vordergrund gedrängt hat. 44 Jahre lang war er für das Rote Kreuz in Indersdorf ehrenamtlich im Einsatz. Unzählige Wochenenden und Feierabende hat er geopfert, um anderen zu helfen.

Josef Mayr stand jedem immer mit einem Rat zur Seite. Das schätzten vor allem seine Kollegen bei der Allianz sehr an ihm. Manche arbeiteten 45 Jahre mit ihm zusammen. In der Taueranzeige schrieben sie: „Er wurde wegen seiner aufgeschlossenen, freundlichen und hilfsbereiten Art sehr geschätzt. Sein Tod hat uns sehr erschüttert. Wir werden ihn nicht vergessen.“

(Christiane Breitenberger)

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