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Die Senioren in Indersdorf waren an Heiligabend nicht einsam.

Weihnachtsaktion für einsame alte Menschen in Indersdorf

Senioren feiern zusammen statt allein

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Ohne sie wären viele alte Indersdorfer an Weihnachten schrecklich einsam gewesen. Doch mit ihrer Idee brachte Gertrud Eschenbecher-Schuster 20 Senioren zusammen und schenkte ihnen ein rührendes Fest.

Mittlerweile sind sie bei Strophe vier angekommen. 20 Senioren sitzen an Heilig Abend an einer langen, festlich geschmückten Tafel und singen Stille Nacht. Keiner schaut ins Textbuch, alle können das Lied auswendig. Sie genießen den Moment, sind glücklich. Doch jeder einzelne von diesen 20 Senioren wäre jetzt eigentlich allein, müsste das Weihnachtsfest einsam verbringen. Doch dieser Gedanke brach Gertrud Eschenbecher- Schuster das Herz. Und so veranstaltete sie die erste Weihnacht für einsame Senioren. 

Bei ihrer Arbeit im Seniorenheim bekam Eschenbecher-Schuster immer öfter mit, dass Familien ihre Eltern oder Omas und Opas an Weihnachten nicht zu sich holen. Oder, dass es sehr viele alte Menschen gibt, die niemanden mehr haben, mit dem sie Weihnachten feiern können (wir haben berichtet). Und deshalb hat sie heuer alle Indersdorfer Senioren eingeladen, die alleine Weihnachten feiern müssten. 20 Gäste sind zur Feier gekommen.

Die Idee von Gertrud Eschenbecher-Schuster rührte Menschen weit über die Ortsgrenzen hinweg.  Nach einem Artikel in den Dachauer Nachrichten meldeten sich viele, die sich noch einbringen oder sich mit Briefen einfach nur für den sozialen Einsatz bedanken wollen. 

So kam Diakon Raimund Richter – auch für ihn war diese Feier ein besonderer Abend. Zwei Musiker meldeten sich, Hans Rieger und Johannes Strauch ergänzten den Abend mit Akkordeon und Gitarre. Und so fühlen die, die sonst allein gewesen wären, statt Schmerz ehrliche Geborgenheit. „Es war ein Fest voller Liebe, wie bei einer großen Familie“, sagt Gertrud Eschenbecher-Schuster. „Ich wollte einfach, dass sich diese alten Leute an diesem Abend so fühlen, wie sie sich immer fühlen sollten: wertgeschätzt, und: dass sie dazugehören.“ 

Von 16 bis 20 Uhr schaffte sie mit ihrem Mann und dem Hausmeisterteam von Özcan Akdere ein kleines Weihnachtswunder: Die Senioren waren glücklich. Aber das Fest mit Weihnachtsessen, lustigen Geschichten und vielen Liedern machte nicht nur die alten Menschen glücklich. Auch Gertrud Eschenbecher- Schuster fühlt sich reich beschenkt. Sie hat an diesem Abend sehr viel Liebe zurückbekommen. „Man kann sich als Außenstehender nicht vorstellen, wie dankbar die Leute waren. Wieviel sie zurückgeben. Das war für mich das größte Geschenk.“ 

Eine alte Frau hatte Tränen in den Augen, ihre faltigen Arme hat sie ganz fest um Gertrud Eschenbecher-Schuster geschlungen. „Danke. Danke, dass Sie das möglich gemacht haben. Endlich endlich muss ich an Weihnachten nicht mehr allein sein“, sagte sie gerührt. Und dafür will Gertrud Eschenbecher-Schuster auch künftig sorgen. Nächstes Jahr wird es wieder ein Fest für einsame Senioren geben. Eschenbecher-Schuster wollte mit diesem Fest nicht nur einen Ort für die Senioren bieten, damit sie nicht alleine sein müssen. Sie wollte nicht nur die Menschen zusammenbringen und zeigen: Ihr seid doch nicht allein, es geht noch vielen so. Sie wollte damit auch an die Jungen appellieren: „Wir sollten uns alle um die alten Menschen kümmern. Das haben sie verdient.“

 Bei dem Fest entstanden auch neue Freundschaften. Eine Gruppe hat sich gleich für Silvester verabredet, um den Jahreswechsel anstatt alleine nun gemeinsam zu verbringen. 

Und dann, als auch der letzte Gast sicher nach Hause gebracht worden war, fuhren Gertrud Eschenbecher-Schuster und ihr Mann dorthin, wo die meisten Indersdorfer bereits den ganzen Abend über waren: zu ihren Familien. Hermann Eschenbecher betont: „Denn wer weiß, wieviel Zeit uns am Ende zusammen bleibt."

Christiane Breitenberger

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