Siedlerfest Karlsfeld: Gericht verurteilt ruppige Rausschmeißer

Karlsfeld/Dachau - Als ein 54-jähriger Karlsfelder und ein 45-jähriger Indersdorfer 2011 auf dem Karlsfelder Siedlerfest nach Zeltschluss noch darauf bestanden, ihre Mass Bier auszutrinken, wurden sie von vier Sicherheitsleuten unsanft vors Zelt befördert. So unsanft, dass den Securitys der Prozess gemacht wurde.

Der Chef (31) und ein weiterer Wachmann waren bereits im Januar 2012 verurteilt worden. Zwei weitere mussten sich nun vor dem Amtsgericht Dachau verantworten. Dazu gesellte sich der Chef erneut auf die Anklagebank. Er soll seine Männer zu Falschaussagen angestiftet haben.

Auch nach mehrmaliger Aufforderung waren die betrunkenen Gäste seinerzeit nicht gegangen. Als das Wachpersonal dem Karlsfelder das Bier schließlich wegnahm, eskalierte die Situation. Der 54-Jährige soll mit seinem Krug zum Schlag ausgeholt haben. Die Securitys packten beide uneinsichtigen Gäste und stießen sie vors Zelt. Der 54-Jährige strauchelte, fiel und verlor dabei seine Brille. Seinen 45-jährigen Freund schubsten sie so, dass er auf den Karlsfelder stürzte, was zur Folge hatte, dass der Karlsfelder auch noch auf den Hinterkopf fiel und sich eine Beule zuzog.

„Entscheidend war die Art, wie der Rausschmiss verlief“, sagte Richter Lars Hohlstein. „Das war unnötig.“ Und deshalb landeten die Wachmänner auch vor dem Kadi. Um einer Verurteilung zu entgehen, soll der Chef seinen Mitarbeitern per E-Mail vorgegeben haben, was sie vor Gericht auszusagen hätten. Der Chef selbst war schließlich im Januar wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Im Laufe dieser Verhandlung erfuhr das Gericht von der Mail. Deshalb nun die zweite Anklage: Anstiftung zur Falschaussage. Die beiden anderen Wachmänner mussten sich wegen gefährlicher Körperverletzung sowie uneidlicher Falschaussage verantworten. Denn sie hatten im Januar brav die Version ihres Chefs zum Besten gegeben.

„Wir haben die Männer am Zelteingang abgestellt“, hatte einer der Männer im Januar ausgesagt. Jetzt gestand er, dass er den Karlsfelder geschubst hat. Er habe falsch ausgesagt, weil er sich von seinem Chef unter Druck gesetzt worden sei.

Der Chef wurde freigesprochen. Die Anstiftung zur Falschaussage konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Seine beiden Mitarbeiter wurden wegen uneidlicher Falschaussage verurteilt. Sie müssen Geldstrafen in Höhe von 1800 und 2000 Euro zahlen. Einer der beiden wurde zusätzlich wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt - wegen des Schubsers, bei dem der Karlsfelder mit dem Hinterkopf auf den Boden geknallt war. (ros)

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