Noch Gemeinde, bald Stadt? Karlsfeld würde wohl alle Voraussetzungen zur Stadterhebung erfüllen – doch die Politik ist noch zögerlich. foto: hab

Idee von Starkbierredner Alfred Mertl

Soll Karlsfeld eine Stadt werden?

Karlsfeld - Soll Karlsfeld eine Stadt werden? Diese Diskussion hat Alfred Mertl beim Starkbierfest angestoßen. Doch für eine Stadterhebung gibt es strenge Kriterien.

Stadt Karlsfeld. Hört sich doch gut an. Irgendwie größer und wichtiger als Gemeinde. Dieser Ansicht ist offensichtlich auch Alfred Mertl. Der Karlsfelder Starkbierredner vom Dienst brachte vor wenigen Wochen wieder ein Thema auf, das in Karlsfeld einst eifrig diskutiert wurde, von dem zuletzt aber niemand mehr sprach: die Stadterhebung. Die Gemeinden solle sich doch darum bemühen, dass Karlsfeld endlich Stadt werde, forderte Mertl beim Starkbierfest des TSV Eintracht.

Das braucht es zur Stadterhebung

Der Bayerische Gemeindetag listet Kriterien auf, unter welchen Voraussetzung die Stadterhebung einer Gemeinde überhaupt denkbar ist. Karlsfeld erfüllt sie so ziemlich alle.

Da ist zunächst einmal die Einwohnerzahl. Mindestens 15 000 Menschen sollten in einer Gemeinde leben, die Stadt werden möchte. Karlsfeld liegt klar drüber. Im vergangenen Oktober knackte die Gemeinde die 20 000-Einwohnermarke. Das war wohl auch für Mertl der Grund, die Stadterhebung in seiner Rede zum Thema zu machen.

Ein wichtige Kriterium für den Schritt von der Gemeinde zur Stadt überschreibt der Bayerische Gemeindetag mit dem Schlagwort „Siedlungsform“. Eine dörfliche Siedlung kann schlecht Stadt werden, aber ein Dorf ist Karlsfeld nun wirklich nicht.

Im Bereich „Siedlungsform“ ist außerdem von Bedeutung, ob eine Gemeinde über öffentliche Einrichtungen verfügt, die nicht nur der Deckung des örtlichen Bedarfs dienen, etwa Gesundheitsvorsorge und Einkaufsmöglichkeiten. Weiteres Beispiel: Schulen. Karlsfeld hat schon eine Fachoberschule und wird in absehbarer Zeit ein Gymnasium bekommen. Das gilt als sicher.

Was Karlsfeld fehlt, ist der unter dem Punkt „Siedlungsform“ geforderte bedeutsame Ortskern. Die Neue Mitte ist jedoch im Bau, mit der Fertigstellung soll Karlsfeld endlich diesen Kern bekommen, der so lange fehlte.

Definitiv nicht dienen kann Karlsfeld mit markanten historischen Besonderheiten, wie sie der Bayerische Gemeindetag unter der Rubrik „Siedlungsform“ auflistet. Es gibt weder Burg, noch Schloss, noch Kloster.

Neben Einwohnerzahl und Siedlungsform sind für die Stadterhebung die wirtschaftlichen Verhältnisse einer Gemeinde von Bedeutung. Gibt es außer Handwerks- und Handelsbetrieben auch Dienstleister und Industrie am Ort? Ist die Wirtschaftsstruktur insgesamt städtisch? Hier dürfte Karlsfeld alle Voraussetzungen erfüllen.

Das ändert sich bei einer Stadterhebung

Was ändert sich, wenn das Bayerische Innenministerium eine Gemeinde zur Stadt macht? Nicht viel, außer dass es im Rathaus neue Stempel und an den Straßen neue Ortsschilder braucht. Eine in einem Landkreis gelegene Stadt erweitert nicht ihre Rechte, dies ist nur bei einer kreisfreien Stadt oder bei einer Großen Kreisstadt, wie es Dachau ist, der Fall. Der Gemeinderat heißt dann Stadtrat, Aufgaben und Größe des Gremiums bleiben unverändert. Gleiches gilt für die Bezüge der Gewählten. Auch die Entlohnung eines Bürgermeisters richtet sich nach der Einwohnerzahl, einerlei ob Gemeinde oder Stadt. Und der Bürgermeister wird auch nicht Oberbürgermeister, nur weil er nun an der Spitze einer Stadt und nicht länger einer Gemeinde steht.

Ein hartnäckiges Gerücht hält sich zudem: Nach einer Stadterhebung würden Steuern erhöht. Aber das ist eben nur ein Gerücht.

Gründe für eine Stadterhebung

In erster Linie bemühen sich Gemeinden um den Titel „Stadt“, um etwas fürs Image zu tun. Olching und Puchheim im Nachbarlandkreis Fürstenfeldbruck wurden zu Städten, weil sie sich dadurch einen Standortvorteil erhofften. Der neue Status sollte die Orte für Unternehmen attraktiver machen.

Dieses Problem hat Karlsfeld aber ohnehin nicht. Im Büro von Wirtschaftsförderer Peter Freis im Rathaus stehen die Interessenten auch so Schlange. Und Freis kann den ansiedlungswilligen Unternehmen keine Fläche anbieten. Zumindest noch nicht. Das Gewerbegebiet an der Schleißheimer Straße soll hier Abhilfe schaffen – so es denn kommt.

Puchheim und Olching wurden zu Städten, Gröbenzell wurde es nicht. Auch dort hatte man über einen Antrag auf Stadterhebung nachgedacht. Die Befürworter führten unter anderem ins Feld, dass Gröbenzell als eigenständige Stadt nicht länger als Münchner Anhängsel wahrgenommen würde. Aber die Gegner setzten sich durch, in einem Bürgereientscheid wurde alle Pläne auf eine Stadterhebung gekippt.

Wie geht es jetzt weiter?

Ob Mertls Rede in Karlsfeld eine neuerliche Diskussion auslösen wird, ob der Status Stadt erstrebenswert wäre? Noch ist davon nichts zu hören. Er wolle sich mit dem Thema in einer ruhigen Minute mal befassen, sagt Bürgermeister Stefan Kolbe. „Aber am Karlsfelder Image wollen wir natürlich immer arbeiten.“ Zuletzt wollte mit Reinhard Pobel ein namhafter Kommunalpolitiker Karlsfeld zur Stadt machen. Der damalige SPD-Bürgermeisterkandidat hatte die Stadterhebung 2008 in seinem Wahlprogramm.

Thomas Leichsenring

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