Nach Tumulten

Die Sorgen und Nöte der Asylbewerber in Karlsfeld

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Dachau/Karlsfeld - Tumulte, Körperverletzung, versuchte Brandstiftung: In der Traglufthalle in Karlsfeld ist die Situation eskaliert. Jetzt gab es ein Gespräch – es soll sich einiges ändern.

Zuerst gab es Streit, dann einen Angriff auf einen Sicherheitsdienstmitarbeiter. Schließlich versuchten Asylbewerber, die Traglufthalle anzuzünden. In der Unterkunft in Karlsfeld ist es vergangenen Freitag zu Tumulten gekommen (wir berichteten). Deshalb haben sich Landrat Stefan Löwl, Mitarbeiter des Landratsamts und der Caritas sowie drei Sprecher der Asylbewerber zu einem Gespräch getroffen. „Es war ein sehr ehrliches und von beiden Seiten verständnisvolles Gespräch“, sagt Wolfgang Reichelt, Pressesprecher des Landratsamts.

277 Männer aus Nigeria, Pakistan, Senegal und Mali leben in der Halle, in kleinen Sechserzimmern. Sie haben nun Sprecher bestimmt, die dankbar waren für das Gesprächsangebot. „Die Sprecher haben sich für die Vorfälle entschuldigt“, berichtet Reichelt. „Wir haben aber nochmal deutlich gemacht, dass wir Schäden nicht tolerieren und dass die Flüchtlinge die Einrichtung nicht kaputt machen dürfen.“ Bei dem Gespräch wurde den Asylbewerbern erklärt, dass Fehlverhalten Konsequenzen nach sich zieht: Der Täter, der einen Securitymitarbeiter ins Gesicht geschlagen hat, muss mit einer Anzeige wegen Körperverletzung rechnen. Die Polizei versucht, die Männer zu ermitteln, die die Halle in Brand stecken wollten. Ob das gelingen wird, ist fraglich.

Landratsamt und Caritas ist es wichtig, den Asylbewerbern ein wenig entgegenzukommen. „Jeder Sprecher hatte Zeit, die Sorgen und Nöte vorzutragen“, sagt Reichelt. Und die waren vielfältig. Ein Kritikpunkt war, dass es nachts zu kalt und zu laut sei. Gegen den Lärm soll nun der Sicherheitsdienst strenger durchgreifen – und die Sprecher sollen auf ihre Mitbewohner einwirken. Gegen die Kälte hilft nur: heizen. Nachts wird die Heizung nicht mehr abgesenkt. Bemängelt wurde auch ein schlechtes Raumklima, die Fenster können nicht geöffnet werden. Das Landratsamt werde mit dem Hallenbetreiber sprechen, sagte Reichelt. „Wir müssen schauen, was technisch möglich ist.“ Die Asylbewerber stört zudem, dass die Sanitäranlagen in der Halle untergebracht sind. „Das geht nicht anders. Es ist zwar eine leichte Geruchsbelästigung, aber sonst müssten die Leute in der Kälte nach draußen gehen“, so Reichelt.

Die Forderung nach schnelleren Asylverfahren kann das Landratsamt natürlich nicht erfüllen – dafür ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zuständig.

Weitere Kritik kam am Essen auf. „Die Flüchtlinge sind es nicht gewohnt, dass es so viel Brot gibt. Da schauen wir, dass wir mehr Variation reinbringen“, verspricht Reichelt. Viele Pakistani würden lieber selber kochen. Doch das geht in einer Massenunterkunft nicht: Es gibt nicht genügend Platz für Lagerflächen und Kochmöglichkeiten, dazu kämen Brandschutz-, Geruchs- und Lärmprobleme. Die Pakistani können aber Essenswünsche mitteilen.

Außerdem wünschen sich viele Flüchtlinge einen Betraum. Die Caritas möchte sich erkundigen, ob es eine Pfarrei oder eine Firma gibt, die dafür einmal in der Woche einen größeren Raum zur Verfügung stellen würde.

Damit in Zukunft auf schlechte Stimmung schnell reagiert werden kann, soll der Austausch zwischen Landratsamt und Asylbewerbern verbessert werden. Asylkoordinatorin Isabell Sittner wird regelmäßig in die Traglufthalle kommen, um sich mit den Asylbewerbern auszutauschen. „Wir wollen im Gespräch bleiben“, sagt Reichelt.

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